Oensingen
Wolfwiler Schlatthof-Bauer hält Kühe auf dem Rislisberg

Vom Flachland auf die Jurahöhen: Der Wolfwiler Schlatthof-Bauer hält einen Teil seiner Kühe nun auf dem Rislisberg und melkt draussen.

Gabriela Strähl
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Markus Bitterli und Hund Sora treiben die Kühe zum mobilen Melkstand hinter dem Bauernhaus auf dem Rislisberg

Markus Bitterli und Hund Sora treiben die Kühe zum mobilen Melkstand hinter dem Bauernhaus auf dem Rislisberg

Bruno Kissling

Laut rufen Erwin Ackermann und Markus Bitterli nach den Kühen, die unterhalb des Waldes friedlich grasen. Erst als Bitterli hochläuft und sich mit Stock und lauten Rufen den 40 Tieren annähert, setzen sie sich in Bewegung. «Sora fehlt», sagt Ackermann. Sora ist einer von zwei Border Collies, der normalerweise beim Zusammentreiben der Kühe hilft, aber zu diesem Zeitpunkt ausnahmsweise noch nicht auf dem Rislisberg ist. «Wenn Sora hier ist, wissen die Kühe sofort, dass es ans Melken geht.»

8 Bilder
Die Kühe auf dem Weg zum mobilen Melkstall beim Hof Rislisberg.
In zwei Melkstrassen unterteilt.
Biobauer Erwin Ackermann.
Hornlose und gehörnte Kühe leben hier miteinander.

Bruno Kissling

Schliesslich machen sich die Kühe doch auf den Weg. In Einer- und Zweierkolonnen trotten sie auf dem eingezäunten Weg nach unten zum Bauernhaus, neben dem ein mobiler Melkstand steht. Hier warten sie darauf, dass ein weiterer Helfer vom Schlatthof immer jeweils acht Kühe in den erhöhten Melkstand lässt und die Melkelemente anhängt. Die Milch fliesst in einen Kühltank, der täglich nach Wolfwil in die hauseigene Molkerei vom Schlatthof gebracht wird. Nächste Woche plant Ackermann, mit weiteren zehn seiner Milchkühe nach Oensingen zu fahren. Die Anzahl der Kühe hänge von der Grasmenge ab. Ausgewählt werden tragende Tiere, die sich durch eine robuste Verfassung auszeichnen.

Ganztags draussen

Im November 2014 kaufte die Familie Ackermann den Hof auf dem Rislisberg inklusive 33 Hektaren Land, wovon 8 Hektaren auf Wald entfallen und 25 als Weide nutzbar sind. «Wir haben uns schon länger nach einer solchen Gelegenheit umgeschaut. Der Kauf dieses Hofs erwies sich als ein wahrer Glücksfall», freut sich Ackermann.

Der Vorgänger habe sich sehr gut um die Anlage gekümmert. Dadurch habe sich die Arbeit nach der Übernahme in Grenzen gehalten. Aktuell wartet Ackermann auf die Bewilligung seines Baugesuchs, um das Stallinnere umzubauen. Zwar soll weiterhin draussen gemolken werden, allerdings will er einen Liegebereich einrichten, wo sich die Kühe bei heissem Wetter im Sommer zurückziehen können. Draussen zu melken sei in der Alpwirtschaft üblich, hier allerdings kaum vertreten, so Ackermann. Die Kühe verbringen im Sommer die ganze Zeit draussen.

Ackermann ist überzeugter Bio-Bauer. Die Milch seiner rund 100 Milchkühe wird grösstenteils in der hofeigenen Molkerei zu Joghurt, Käse, Milch und Vollrahm verarbeitet und im Hofladen in Wolfwil verkauft. Dazu kommt das aus eigenem Hopfen hergestellten Häxli-Bier.

Abnehmer der Produkte sind Coop, Migros, Volg-Läden in der Region sowie diverse Hofläden. «Gerade die Abnehmer in der unmittelbaren Region sind uns sehr wichtig», so Ackermann. Zwar sei die hauseigene Produktion sehr aufwendig, da es abends nach dem Melken gleich an die Verarbeitung gehe, allerdings seien er und sein Team mit viel Herzblut bei der Sache. Dass sein Sohn Mathias später den Betrieb übernehmen will, freut ihn sehr.

Mit seiner extensiven Bewirtschaftung erreiche er zwar nicht dieselbe Produktion wie konventionelle Betriebe. «Bei uns ist der Vorteil, dass jeder, der im Hofladen ein Joghurt kaufen möchte, auch im Stall schauen darf, wie die Kühe leben», betont Ackermann. Er stellt fest, dass sich zunehmend Leute für die Haltung der Kühe interessieren, gerade aus der jüngeren Generation.

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