Steuertechnisch gehts den Gäuern Gemeinden auch im nächsten Jahr gut: Keine der acht Gemeinden nahm auf das Jahr 2017 eine Steuererhöhung vor. Konnte nun die Tendenz der letzten Jahre gestoppt werden?

Noch im Jahr 2014 hiess es vonseiten der Neuendörfer Gemeinde: «Daher muss bis ins Jahr 2019 mindestens mit einem Steuersatz von 105 Prozent gerechnet werden, ansonsten ist das Eigenkapital der Gemeinde bald aufgebraucht.» Diese Prognose wurde bei weitem verfehlt. Momentan liegt der Steuerfuss bei 118 Prozent. Doch warum dieser starke Anstieg seit dem Jahr 2014?

Erheblich weniger Steuereinnahmen in Neuendorf

Vor allem die starke Abnahme von Steuererträgen von juristischen Personen belastet die Gemeindefinanzen von Neuendorf sehr. So nahmen die Steuereinnahmen von 2 Millionen Franken im Jahr 2010 auf noch 1,5 Millionen (Budget 2017) ab.

Dies kommt gar einer Erholung gleich, waren doch in der Rechnung 2014 noch weniger Gelder von juristischen Personen in die Gemeindekasse geflossen. Und auch das neu gebaute Feuerwehrmagazin belastet die Gemeindefinanzen weiter. Dies weil die Abschreiber auf dem Gebäude sehr hoch sind.

Zudem sank die Eigenkapitaldecke von Neuendorf in den letzten Jahren stetig. Waren es 2014 noch 4 Millionen, sank das Eigenkapital auf noch 1,1 Million Franken auf Ende 2015. Doch ist dieser Betrag auch nur dank der ausserordentlichen Ausgliederung der Elektra zustande gekommen. Denn die Gemeinde musste im Jahr 2014 mit einem Steuerrückgang von über einer Million Franken bei den juristischen Personen auskommen.

Härkingen und Wolfwil trennen Welten

In den anderen Gäuer Gemeinden zeigt sich mit der Ausnahme von Härkingen die gleiche Entwicklung in Steuerfragen wie im ganzen Kanton: Die Belastung steigt in den letzten Jahren kontinuierlich. Wolfwil bleibt die «Steuerhölle» im Gäu, wobei sich die Aaregäuer Gemeinde nur knapp über dem kantonalen Mittelwert befindet.

Alle anderen Gäuer Gemeinden sind im kantonalen Vergleich unterdurchschnittlich belastet. Vor allem in Härkingen sind die Steuern sehr tief. Seit dem Jahr 2000 konnten die Steuern um 29 Prozentpunkte gesenkt werden. Momentan liegt der Steuersatz bei gerade noch 89 Prozent der einfachen Staatssteuer, der vierttiefste Wert im Kanton.

Die für den neuen Finanzausgleich entscheidende Steuerkraft wird für das Jahr 2017 kantonsweit nur gerade von Kammersrohr, Feldbrunnen-St. Niklaus und Däniken übertroffen. Trotz für 2017 und die kommenden Jahre steigenden Abgaben für in den Topf des Finanzausgleichs dürfte die Härkingerinnen und Härkinger auch in Zukunft von tiefen Steuern profitieren.

Oberbuchsitens Gemeindepräsident Daniel Lederer hatte bereits im Zuge der Diskussionen um neuen Schulraum im Dorf davon gesprochen, dass in Oberbuchsiten die Steuern wohl erhöht werden müssen (wir berichteten). Momentan liegt der Steuerfuss in der Gemeinde am Jurasüdfuss bei 115 Prozent. Was einer Senkung seit dem Jahr 2000 von 15 Prozentpunkten gleichkommt.

Seit dem Jahr 2010 hat sich der Steuersatz in Oensingen nicht verändert. Aufgrund des hohen Investitionsbedarfs könne die Finanzlage in Oensingen nicht mehr als Komfortabel aber als genügend beschrieben werden, wie Gemeinderat Fabian Gloor an der diesjährigen Gemeindeversammlung mitteilte. Ein Zeichen dafür, dass die Steuern in naher Zukunft nicht steigen, aber auch nicht gesenkt werden.

In Niederbuchsiten, Egerkingen und Kestenholz steht vorderhand keine Erhöhung der Steuern für natürliche Personen ins Haus. Wohl auch weil zum Beispiel in Egerkingen mit dem Schulhausneubau Mühlematt ein grosses Investitionsvorhaben in die Jahre nach 2020 verschoben wurde.