Jahrtausendealtes Handwerk

Wolfwil feiert das 750. Jahrjubiläum mit dem Köhlerfest

Aufbau des Meilers aus Holzgerüst, Tannengrün und «Löschi»: Doris Wicki schüttet «Löschi» für den 30 Zentimeter dicken Fuss auf den Boden.

Aufbau des Meilers aus Holzgerüst, Tannengrün und «Löschi»: Doris Wicki schüttet «Löschi» für den 30 Zentimeter dicken Fuss auf den Boden.

Wolfwil lässt zum Ortsjubiläum ein altes Gewerbe wieder aufleben. Am Freitag zündet Köhlerin Doris Wicki den Kohlenmeiler zur 750. Jahrfeier an. Sie geht dem alten Handwerk schon seit 16 Jahren nach und setzt sich für das Weiterbestehen dieser Tradition ein.

«Das Interesse am Kohlenmeiler ist gross im Dorf», stellt Doris Wicki erfreut fest. Viele Leute kommen vorbei und schauen sich die fortschreitende Arbeit an. Seit 16 Jahren geht die Entlebucherin dem alten Handwerk nach.

Doris Wicki wurde im Rahmen des Köhlerfestes vom Gewerbeverein Wolfwil ins Dorf geholt, um das jahrtausendealte Handwerk der Bevölkerung näher zu bringen. Bereits seit Anfang Woche sind Köhlerin Doris Wicki und Vizeköhlerin Heidi Moy damit beschäftigt, den Kohlenmeiler aufzubauen. Unterstützt werden sie von fleissigen Helfern.

Vorbereitungen auf das Köhlerfest in Wolfwil

Vorbereitungen auf das Köhlerfest in Wolfwil

Wicki lernte das Köhlern vor Jahren von ihren drei Brüdern sowie von ihrem Vater. Als Eventköhlerin produziert sie allerdings nicht Kohle zum Verkauf, sondern auf Bestellung von Gemeinden, wo die Tätigkeit an sich im Zentrum steht.

Pro Saison führt sie rund vier bis sechs Projekte an verschiedensten Orten in der Schweiz durch. Bei jeweils einem Projekt pro Jahr hilft Heidi Moy vom Bucheggberg mit, welche vor sechs Jahren Wicki und die Köhlerei kennenlernte und sich «in das Handwerk verliebte.»

Grundlage für Fortschritt

Am meisten fasziniert Wicki die Idee hinter der Köhlerei. «Ich finde es unglaublich, wie die Menschen eines Tages das Prinzip der Köhlerei entdeckt haben – dass sich etwas, das bereits langsam verbrannt ist, erneut anzünden lässt und viel mehr Energie freisetzt.» Erst dies habe die Herstellung von Eisen und Werkzeugen ermöglicht. «Dass ein altes Handwerk, welches die Grundlage bildet für den heutigen Fortschritt, heute noch ausgeführt und weitergetragen wird, freut mich sehr.»

Von der Köhlerei lässt sich allerdings nicht leben. Die herkömmliche Herstellung ist viel zu teuer und findet deshalb nicht genügend Absatz. Detailhändler Otto’s ist der einzige Abnehmer von traditionell hergestellter Holzkohle, für den noch einige Bauern im Entlebuch als Nebentätigkeit produzieren.

Wicki ist gelernte Coiffeuse mit Meisterprüfung und ging diesem Beruf bis vor zwölf Jahren nach. Seit sie im Sommer vermehrt als Köhlerin unterwegs ist, geht das nicht mehr. Im Winter arbeitet sie jetzt jeweils in Sörenberg in einem Hotel, wo sie Zimmer herrichtet und Frühstück bereitet. Kinder hat sie nicht, «das liesse sich schlecht mit meiner Tätigkeit vereinbaren».

Die Grundlage eines jeden Kohlenmeilers ist ein Holzrost sowie das sogenannte «Füllihus», eine Art hölzerner Kamin. Darauf werden verschieden lange Holzstücke aufgeschichtet, insgesamt 15 Ster Buchenholz aus dem Wald der Bürgergemeinde. Das Gerüst wird zuerst mit Tannengrün und anschliessend mit einer 20 Zentimeter dicken Schicht «Löschi» bedeckt, einem Gemisch aus Kohlestücken, Kohlestaub und Wasser.

Dies verschliesst den Kohlenmeiler luft- und wasserdicht. Da kein Sauerstoff eindringt, verbrennt das Holz nicht, sondern wird bei Temperaturen von 400 bis 500 Grad verschwelt. Während dieses Vorgangs muss die Glut alle zwei Stunden kontrolliert werden. Anschliessend wird der Meiler mit Plastik abgedeckt und ruht bis zum 24. Juni. An diesem Datum werden der Meiler geöffnet und die Kohle in Säcken verkauft, welche die Primarschüler aus Wolfwil bunt bemalt haben.

Am Freitag gehts los

Seit 2006 ist Wicki Mitglied im europäischen Köhlerverein und seit 2009 Präsidiumsmitglied. Der Verein verfolgt das Ziel, den Austausch und das Weiterbestehen zu fördern. Ein grosses Anliegen für Wicki, die bereits nach einem Nachfolger sucht.

Am Freitagabend wird der Meiler angezündet und danach insgesamt acht Tage brennen. Während der ganzen Zeit können Interessierte dem Kohlenmeiler einen Besuch abstatten oder im Festzelt zusammenkommen. Den Weg zum Kohlenmeiler zieren vier Modelle, die den Prozess der Köhlerei darstellen.

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