«Ich bitte Euch, aus Solidarität mit den Anwohnern im Gerstenacker, das dort geplante Asylzentrum abzulehnen», meinte am Mittwochabend eine Frau an ausserordentlichen Gemeindeversammlung in der Mehrzweckhalle. Sie war an der von 135 Personen besuchten Versammlung eine von vielen Stimmen, die sich gegen den Bau eines neuen Asylzentrums anstelle der abbruchreifen Liegenschaft aussprachen.

Die bestehende Asylunterkunft: Die 116 Jahre alte Liegenschaft im Gerstenacker befindet sich in einem schlechten Zustand.

Die bestehende Asylunterkunft: Die 116 Jahre alte Liegenschaft im Gerstenacker befindet sich in einem schlechten Zustand.

So erklärte eine weitere in unmittelbarer Nähe der Asylunterkunft wohnende Frau, dass sie in den letzten 18 Jahren mit Flüchtlingen viel Negatives erlebt habe. «Wir haben gehofft, dass mit dem Ende dieses Hauses auch die Ära der Asylunterkuft im Dorf ein Ende hat», sagte die Frau sichtlich emotional berührt.

«Nicht leichtfertig entschieden»

Gemeindepräsident Georg Lindemann versicherte, dass sich der Rat nicht leichtfertig für den Bau des neuen Asylzentrums entschieden habe. Auch er persönlich stehe der Aufnahme von Flüchtlingen skeptisch gegenüber. Mit Blick auf die Situation in ganz Europa gebe es aber Handlungsbedarf.

Statt dem Kanton eine Entschädigung für nicht aufgenommene Flüchtlinge von rund 277'000 Franken zu bezahlen, habe sich der Gemeinderat für das nun vorliegende Projekt entschieden.

Dieses sieht den Bau eines neuen Asylzentrums für 886'900 Franken vor. Geplant ist ein unterkellerter zweigeschossiger Zweckbau, der Platz für maximal 25 Asylsuchende bietet.

Die Finanzierung soll mit dem Verkauf des Grundstücks, auf dem die Asylunterkunft steht, bestritten werden. Dafür soll das total 2670 m² grosse Landstück in fünf Parzellen aufgeteilt und vier davon für insgesamt 656'000 Franken verkauft werden (wir berichteten).

Derzeit 20 Asylsuchende im Dorf

Corina Lindemann erklärte der Versammlung als zuständige Betreuerin der Asylsuchenden, dass in Wolfwil derzeit 16 Frauen in der bestehenden Asylunterkunft leben und eine vierköpfige Familie in einer Wohnung untergebracht ist.

In der lebhaft und emotional geführten Diskussion wurde mehrmals die Frage aufgeworfen, ob nicht andere Standorte für den Neubau der Asylunterkunft besser geeignet wären. Georg Lindemann erwähnte, dass der Rat über zwei Jahre nach Alternativstandorten Ausschau gehalten habe, unter anderem auch in der Industrie. Diese habe sich allerdings als nicht zonenkonform erwiesen.

Als nicht umsetzbar bezeichnete der Gemeindepräsident die eingebrachte Idee, die Asylunterkunft in der Zone für öffentliche Bauten zu realisieren. Dafür fehle das Land und Schulräume kämen dafür nicht infrage, weil die Gemeinde diese selbst dringend benötige. Baukommissionspräsident Thomas Niggli meinte zu einer allfälligen Umzonung in der Industrie, dass eine solche wohl mehrere Jahre beanspruchen würde.
Militär nutzt Zivilschutzanlage

Erwähnt wurde ferner die Möglichkeit, Asylsuchende in der Zivilschutzanlage unterzubringen. Wegen der dadurch nicht mehr möglichen Einquartierung des Militärs würden aber jährlich 90'000 Franken weniger in die Gemeindekasse fliessen. Im Asylwesen würde damit über das Gesamte gesehen ein Minus von 19'440 Franken resultieren. Berechnungen zufolge würde das Neubauprojekt inklusive der Vergütung der Miete durch den Bund 46 755 Franken in die Kasse spülen.

In der Abstimmung vermochten offenbar vor allem diese Fakten zu überzeugen. Für den Antrag des Rates, die vier erwähnten Parzellen im Gesamtbetrag von 656'000 Franken an bereits vorhandene Interessenten zu verkaufen, votierten 92 Stimmberechtigte, 10 waren dagegen.

Eng wurde es lediglich bei dem aus der Versammlung formulierten Antrag, über den 886 900-Franken-Kredit für den Bau des neuen Asylzentrums, sei an der Urne abzustimmen. Für den dafür notwendigen Stimmenanteil von einem Drittel fehlten bei 42 gezählten Stimmen nur gerade deren drei. Von der Versammlung wurde der Kredit mit 74 Ja- gegen 34 Nein-Stimmen hingegen deutlich gutgeheissen.

Gemeindepräsident Georg Lindemann versprach den Anstössern an das Asylzentrum, sich bei allfälligen Problemen für sie einzusetzen.