Herbetswil
Wohnungen stossen auf Zustimmung - im Gegensatz zum Dorfladen

Die Gemeindeversammlung Herbetswil stimmt dem Liegenschaftskauf an der Dorfstrasse und der Projektstudie zu. Besonders begrüsst wurden die geplanten Wohnungen für Senioren und Familien. Der Dorfladen gab jedoch zu reden.

Sven Altermatt
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Die früher landwirtschaftlich genutzte Liegenschaft an der Dorfstrasse 7 soll den Treffpunkt beherbergen. bko

Die früher landwirtschaftlich genutzte Liegenschaft an der Dorfstrasse 7 soll den Treffpunkt beherbergen. bko

Bruno Kissling

Grünes Licht für das Projekt «Treffpunkt Herbetswil»: Die Gemeindeversammlung hat die Kredite für den Kauf der Liegenschaft an der Dorfstrasse 7 (230 000 Franken) und für die Aufgleisung des Projektes (80 000 Franken) genehmigt. Es hat kritische Wortmeldungen zum Projekt gegeben, aber in der Abstimmung über die Investitionsrechnung dann 81 Ja-Stimmen, eine Enthaltung und keine Gegenstimmen.

«Dunkelkammer»: Lampen sollen wieder brennen

Seit über einem Jahr wird in Herbetswil nachts von 0.30 bis 5.30 Uhr die Strassenbeleuchtung ausgeschaltet. Das Dorf bleibt dann, ausgenommen sind einige exponierte Stellen, finster. «Stockfinster», wie ein Stimmbürger monierte. In einer Umfrage wollte der Gemeinderat von der Bevölkerung wissen, ob die Nachtabschaltung weitergeführt werden soll. Gerade einmal 62 Einwohner haben ihre Meinung dazu geäussert. Die Auswertung habe, so Gemeindepräsident Stefan Müller, «keine eindeutige Tendenz» aufgezeigt. Deshalb liege die Entscheidung nun bei der Gemeindeversammlung. Und diese präsentierte sich ziemlich gespalten. Gleich mehrere Votanten erklärten, dass sie sich in der Nacht auf den Strassen nicht mehr sicher fühlten. Einer berichtete, dass Herbetswil in anderen Dörfern bereits als «Dunkelkammer des Thals» verspottet werde. «Das steigert unsere Attraktivität nicht besonders.» Andere hingegen sahen in der Abschaltung eine sinnvolle Massnahme, um Strom und Geld zu sparen. Gleicher Ansicht war der Gemeinderat. Sein Antrag, die Nachtabschaltung beizubehalten, wurde mit 35 zu 36 Stimmen jedoch hauchdünn abgelehnt. Bedeutet also: Die Herbetswiler Strassen werden nachts fortan wieder beleuchtet. (sva)

Die Gemeinde will in der besagten Liegenschaft einen neuen Dorfladen errichten. Nebst Lebensmitteln soll lokales Kunsthandwerk verkauft werden, auch eine Kaffee-Ecke ist geplant (wir berichteten). Zudem sollen Wohnungen für Senioren und Familien gebaut werden. «Für diese gibt es bisher zu wenig Wohnraum», erklärte Gemeindepräsident Stefan Müller.

Warum nicht früher reagiert?

Die Wohnungen waren bei den Stimmbürgern denn auch unbestritten, zig Votanten begrüssten deren Bau. Der geplante Dorfladen hingegen gab zu diskutieren. «Warum hat der Gemeinderat erst reagiert, nachdem der Maxi-Laden geschlossen wurde?», wollte eine Votantin wissen. Man habe erst im Sommer davon erfahren, berichtete Müller.

«Dann war die Liegenschaft mit dem Laden bereits verkauft.» Manche vermuteten, dass sich viele längst mit anderen Einkaufsmöglichkeiten arrangiert haben, bis der neue Laden eröffnet wird. Dazu Müller: «Auch in Welschenrohr gab es eine Zeit lang keinen Dorfladen, heute schätzen die Einwohner diesen umso mehr.»

Andere wiederum stellten die grundsätzliche Frage: «Ist ein Dorfladen in Herbetswil noch überlebensfähig?» Schliesslich sei der Maxi-Laden Ende Oktober auch aus wirtschaftlichen Gründen dichtgemacht worden. Marietta Walser, die ehemalige Mitbesitzerin und Geschäftsführerin, bekräftigte: «Ich würde auch mit 70 Jahren noch hinter der Verkaufstheke stehen, wenn der Laden rentiert hätte.» Immerhin: Für den Betrieb des neuen Ladens hat der Gemeinderat eine Genossenschaft vorgesehen. «Ihr alle», richtete sich Stefan Müller an die Stimmbürger, «könnt auch Genossenschafter werden.»

Als Nächstes werden nun Projektskizzen für den «Treffpunkt Herbetswil» in Auftrag gegeben. Bereits im Sommer soll der Gemeindeversammlung ein Siegerprojekt vorgelegt werden können.

Ausgedehnter Wärmeverbund

Mit dem Ja zur Investitionsrechnung genehmigten die Stimmbürger auch einen 50 000-Franken-Kredit für den Ausbau des Wärmeverbundes. Dieser soll parallel zur Sanierung der Gemeinde-Heizanlage vorgenommen werden. Per Umfrage hatten mehrere Dutzend Hausbesitzer ihr Interesse an einem Wärmeverbund-Anschluss signalisiert.

Das Budget 2014, das einstimmig genehmigt wurde, sieht bei Einnahmen von 2,797 Mio. Franken und Ausgaben von 2,892 Mio. Franken ein Defizit von 95 297 Franken vor. Gute Nachrichten für Haushalte: Die Abwassergebühr wird um 40 Rappen gesenkt und beträgt neu 1.60 Franken pro Kubikmeter.