Pierre Mollet von der Vogelwarte Sempach ist Spezialist für Raufusshühner. Er möchte in Zusammenarbeit mit den Forstleuten im Thal zur Verbesserung der Lebensbedingungen dieser bei uns selten gewordenen Vogelart beitragen.

Auerhuhn, Birkhuhn und Alpenschneehuhn sind die uns besser bekannten Verwandten des Haselhuhns. Als Bodenbrüter mit einer perfekten Tarnung lebt Letzteres in vielfältig strukturierten Wäldern. Im Gegensatz zum Auerhahn, der mehrere Kilogramm wiegen kann, bringt es das Haselhuhn auf nur etwa 300 bis 500 Gramm. Es ist bestens an kalte Lebensräume angepasst. Dazu besitzt es etwa speziell wärmende Federn, die andern Vögeln fehlen. Seine Füsse verfügen über seitwärts an den Krallen liegende Hornstifte, die wie eine Art Schneeschuhe das Einsinken im Schnee verhindern.

In der Schweiz kommt es in höheren Lagen im Jura und in den Alpen vor. «Als Ganzjahresvogel ist eine gehörige Portion Anpassungsfähigkeit gefragt, wenn man als so kleines Hühnchen den Winter überleben will», gibt Mollet zu bedenken. «Zugvögel ziehen einfach weg, Säugetiere halten einen Winterschlaf.» Hühner sind allgemein schlechte Flieger. Das leichtgewichtige Haselhuhn klettert darum im Winter auf der Suche nach Knospen und Beeren häufig geschickt in Bäumen und Sträuchern herum. Als reiner Vegetarier mit oft schwer verdaulicher Nahrung besitzt es einen hoch spezialisierten Verdauungstrakt. Etwas ganz Besonderes ist da der Muskelmagen, welcher mithilfe von vom Huhn aufgepickten Steinchen durch Kontraktionen harte Beeren zerreibt. In zwei langen Blinddärmen helfen Bakterien die Nahrung verdauen. Das Haselhuhn findet während des ganzen Jahres etwas zu Fressen. Zum Beispiel junge Triebe, Beeren oder Weidenkätzchen.

Bevorzugter Lebensraum sind nicht sehr produktive Wälder mit verschiedensten Beerensträuchern und Nadelbäumen. Eintönige, grossflächige Wälder oder Tannenwälder mit fehlenden Deckungsmöglichkeiten werden gemieden. Auch ein durch Sturmschäden gelichteter Wald mit Pionierpflanzen wird vom Haselhuhn gerne angenommen. Mollet betont: «Forstwirtschaft und Haselhuhn vertragen sich gut. Wenn die Wälder auf vielfältige Art bewirtschaftet werden, können Hühner auch von weiter her zuwandern und verlassene Gebiete wieder besiedeln. Ich sehe im Thal gute Chancen für eine Ausbreitung.»

Ursachen für den Rückgang sind die Abnahme von jungen Waldflächen, zu rigoroses Roden der Nahrungspflanzen oder deren Beschattung, sowie die zu starke Entbuschung von Weiden. Nach forstlichen Eingriffen bietet eine natürliche Sukzession die besten Voraussetzungen für den Fortbestand der Haselhuhnpopulation. Da die scheuen Vögel nur selten zu beobachten sind, kann anhand von Spuren auf ihr Vorkommen geschlossen werden. Zum Beispiel mit Federn (für Laien schwierig zu bestimmen), Sandbadestellen an sonnenexponierten Hängen, Fussspuren im Schnee mit drei stark abgespreizten Zehen oder Schneehöhlen zum Schutz gegen extreme Minustemperaturen. Natürliche Feinde sind vor allem Fuchs, Marder und Habicht. Der Luchs bedeutet erstaunlicherweise keine Gefahr für den Bodenbrüter.