Galerie am Bach
Wo überraschende Motive die erzählerische Fantasie anregen

Die Künstlerinnen Corinne Hächler aus Rombach, Valentina Montanari-Cantor aus Egerkingen und Gitta von Felten aus Rheinfelden zeigen bis am 17. November in der Galerie am Bach in Erlinsbach Bilder und Skulpturen.

Madeleine Schüpfer
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Bis am 17. November sind in der Galerie am Bach Werke von Corinne Hächler, Gitta von Felten und Valentina Montanari-Cantor (v.l.) zu sehen.

Bis am 17. November sind in der Galerie am Bach Werke von Corinne Hächler, Gitta von Felten und Valentina Montanari-Cantor (v.l.) zu sehen.

Bruno Kissling

Die Künstlerinnen Corinne Hächler aus Rombach, Valentina Montanari-Cantor aus Egerkingen und Gitta von Felten aus Rheinfelden zeigen bis am 17. November in der Galerie am Bach in Erlinsbach Bilder und Skulpturen. Es sind dies drei ganz unterschiedlich arbeitende Kunstschaffende, die eins gemeinsam haben, dass sie dem erzählerischen Element in ihren Arbeiten nachgehen.

Meisterin der Aquarelltechnik

Gitta von Felten ist bekannt geworden durch ihre zarten, poetischen Aquarellbilder. Sie ist eine Meisterin im Beherrschen dieser aufwändigen und vielschichtigen Technik. Ihre Themen haben immer etwas mit dem Menschen zu tun, mit seiner Sehnsucht nach Ruhe, nach Verinnerlichung, nach dem Erfahren der Natur.

In den grossen Landschaftsbildern kommt dieser Gedanke ganz zum Tragen. Flusslandschaften, durchbrochen von Grasbüscheln, Steinen, sandigen Erhöhungen und Erdigem, eröffnen dem Betrachter eine wundersame Welt der natürlich geprägten Inspiration für all das, was sich in der Natur bewegt und wächst.

In unzähligen feinen Pinselstrichen arbeitet sie ihre Motive heraus, spielt sie mit feinen Überraschungen, lässt Federn fliegen, bald einzelne oder mehrere zusammen. Manchmal sind sie auch eingebunden in eine Schnur oder haften an einem weissen Tuch. Sie spielt mit solch erzählerischen Spuren, die viele Emotionen, manchmal in surrealen Formulierungen, frei legen.

Die leuchtend roten Mohnblumen tauchen in immer wieder neuen Konstellationen auf. Ein rotes Kleid legt sich über einen Stein und erzählt vom Menschen. Das Fliessende und in sich Ruhende gibt immer den Ton an, so als möchte man für einen Augenblick die Zeit anhalten, die alles mit sich nimmt. Faszinierend sind auch die kleineren Baumbilder, man schaut in ein dichtes, fein gemaltes Geäst hinein und entdeckt darüber den Himmel.

Ton unterhaltsam bearbeitet

Corinne Hächler ist eine Objektkünstlerin, die sich seit vielen Jahren mit dem Töpfern beschäftigt. Erstaunlich ist ihre bewegte formale Gestaltung. Sie lässt sich beim Arbeiten oft vom Zufall überraschen, liebt das Ungewöhnliche, manchmal auch Provozierende, das Surreale und Witzige.

Sie besitzt Fantasie und viel Formensinn, arbeitet mit ausgefallenen Glasuren, variiert mit Objekten, die auf skurril geformten Beinen davonzulaufen scheinen, oder formt einen runden Frauenkörper in dunklem Ton, wobei die Figur nichts als eine Rose im Haar trägt. Auch hier spielt das skurrile Element eine Rolle.

Corinne Hächler beherrscht meisterlich die Rakumethode, schafft dadurch bewegte und farbintensive Glasuren, die bei ihren Schatullen oder Schalen in allen Grössen voll zum Tragen kommen. Das Brennen in Ton ist ein abenteuerlicher Vorgang und verlangt viel Fingerspitzengefühl. Ihre Arbeiten bestechen durch Vielseitigkeit und zeigen auf, wie unterhaltsam Ton aus sich heraus bearbeitet werden kann, wenn man sich auf dieses Material versteht.

Auch ihre Figuren erzählen Geschichten: Mutter und Kind in zärtlicher Umarmung, Liebespaare, einzelne Frauenfiguren, Mann und Frau nebeneinander sitzend. Ein Stück Wurzelholz blickt aus einer dunkelrot glasierten Vase heraus, sie ist eine Symbiose aus Vogel, Mensch und Gegenstand. Immer ist man begeistert durch das erzählerische Moment.

Voller rätselhafter Magie

Im oberen Raum entdeckt man die ungemein malerischen Bilder von Valentina Montanari-Cantor. Sie hat holländische Wurzeln und hat für sich eine Technik im bildnerischen Ausdruck konzipiert, die von einmaliger Aussagekraft ist.

Man erlebt auf Marmor in Öl gemalte Porträts, figurativ ausgearbeitet, surreal verfremdet in leuchtenden Farben. Die Marmorplatte wird intensiv bearbeitet, damit die Ölfarbe ihre ganze Leuchtkraft entwickelt und haften bleibt. Ihre Frauen- oder Mädchenporträts sind erzählerische Erlebnisse, man erkennt zarte Frauengesichter mit gebundenen Tüchern auf dem Kopf, mit Blumen- oder Federschmuck.

Beim Bild «Coqtial» entdeckt man einen Hahn und unten hängen zwei Plaketten, darauf ein auslaufendes Ei und eine Feder zu erkennen ist. Geschichten, die man sich selbst ausformulieren darf. Aber auch die einmalig geformten Kopfbedeckungen, das Hirschgeweih, das aus dem Kopfputz wächst, das zarte Frauengesicht mit der Dreiecksmütze aus Papier gleich einem Harlekin, geprägt von einem Kaugummiballon als Mund, ist höchst originell, oder die bunten Blumen als Kopfschmuck.

Immer wird man von einer besonderen Pointe überrascht, steigt man ein in eine Geschichte, die nicht unbedingt einen Anfang oder ein Ende hat, sondern eine augenblickliche Befindlichkeit signalisiert. Die Gesichter sind fein gemalt, die Augen blicken den Betrachter oft an und sind von rätselhafter Magie. Es sind dies Bilder voller Zauber, sehr malerisch aufgebaut, geprägt von der holländischen Malerei in leuchtenden Farben. Auch die Landschaften in Aquarell haben eine besondere Ausstrahlung und begeistern den Betrachter.

Es ist dies eine Ausstellung, die neue Aspekte eröffnet, mit überraschenden Motiven und Farbkombinationen spielt und in sich die erzählerischen Fantasien anregt. Zur Vernissage spielte Kurt Jufer aus Biberstein auf seiner Klarinette und fesselte durch seine klangvollen Melodien das Publikum.