Kestenholz
Wo Kühe nicht einfach Maschinen sind, die man melken kann

Auch die dritte Viehschau des Viehzuchtvereins Gäu war ein voller Erfolg – und das nicht nur des Wetters wegen. Den ganzen Tag gab es von allen Seiten Lob für alle, Mensch und Tier.

Benildis Bentolila
Drucken
Teilen
Sie alle sind Sieger/innen, sei es als Missen, Züchter, Organisatoren oder Richter.
6 Bilder
Viehschau des Viehzuchtvereins Gäu in Kestenholz
Nubia und der 18-jährige Jonas Gyger
OK Präsident Paul Probst

Sie alle sind Sieger/innen, sei es als Missen, Züchter, Organisatoren oder Richter.

Benildis Bentolila

David Berger, der Bauer vom Zelglihof Kestenholz, konnte es kaum glauben, dass die reichlich vorbereiteten Parkplätze weit um den Hof herum alle besetzt sein sollten. Die dritte Regionalviehschau des Viehzuchtvereins Gäu fand reichlich Anklang. «Es ist elf Uhr vormittags, es werden viele Besucher mehr kommen zum Mittagessen, zum Kälberwettbewerb und zur Wahl der Siegerkühe», stellt er fest.

Das bedeute, weitere Parkplätze müssten bereitgestellt werden. Die Viehschauen 2007 und 2011 waren offensichtlich bei den Interessierten in guter Erinnerung. Auch die diesjährige war hervorragend organisiert, und zwar in Bezug auf die Viehschau, die Festwirtschaft und den gemütlichen Züchterabend, an dem auch Nichtbauern teilnehmen konnten.

Kühe ins Herz geschlossen

Obwohl sich rund 170 Tiere mit ihren Züchterfamilien sowie Hunderte von Schaulustigen auf dem Hof befanden, entstand nie ein Gedränge. Unterstand für die Tiere, Waschplatz und Vorführrung waren grosszügig hergerichtet, es gab drinnen und draussen Sitzplätze für Hungrige und Durstige, die sich an verschiedenen Stellen bedienen konnten. Nicht nur der Richter Niklaus Krebs, Burgistein, rühmte das OK für die einmalig schöne Schau; auch viele ältere Viehzüchter meinten, so eine Schau sei halt wie ein Klassentreffen.

An solchen Tagen jagt ein Höhepunkt den nächsten, hielt der Richter fest. Er wurde gelobt für das Vorstellen der Siegertiere, erklärte er doch deren Vorzüge gegenüber den weiter hinten Platzierten so, dass es alle, nicht nur Fachleute, verstanden. Er konnte von einer Kuh schwärmen: «Ich hatte sie schon am Morgen ins Herz geschlossen und sehe, dass sich ihre Tagesform noch verbessert hat.» Auffallend war, dass mit den Tieren offensichtlich geübt worden war, sich im Ring gesittet aufzuführen. Dies zeigte sich besonders beim Betriebscup, wo jenes Paar ausgesucht wird, das sich am ähnlichsten ist. Da schritten Tiere würdevoll erhobenen Hauptes im Gleichschritt, langsam, wie um zu sagen: «Schaut her, wie wunderbar wir sind und wie wir harmonieren.»

Das Gegenteil dann beim Kälberwettbewerb, wo Kinder sich bemühten, ihre Tierchen brav vorzustellen – diese jedoch grad keine Lust hatten, als wohlerzogen zu gelten. Die Kinder wurden humorvoll interviewt von Urs Braun, Geschäftsführer Landi BippGäuThal.

Jugendliche im besten Licht

Beeindruckend in Kestenholz war jeweils die lautstarke Freude, welche die Züchter zeigten über den Erfolg ihrer Tiere. Und diese streichelten oder ihnen auf die Schulter klopften. Was bedeutet, dass sie ihre Kühe nicht einfach als Maschinen sehen, die man melken kann. Als der 18-jährige Jonas Gyger vom Fasiswald in Hägendorf hörte, dass seine fünfjährige Nubia in der Kategorie Red Holstein Senior Miss gewonnen hatte, umarmte er sie, vergrub seinen Kopf in ihrem und dann gab es für die beiden niemanden mehr rundherum.

Ein denkwürdiger Moment, der viele zum Weinen brachte, vor allem als Jonas, der im dritten Lehrjahr als Landwirt steht, sich mit Freudentränen überströmt vom Tier löste. Ein grosser Applaus ertönte und ein älterer Mann sagte: «Hier sieht man, dass nicht alle Jugendlichen schlecht und oberflächlich sind. Aber eben, von jenen wie Jonas lesen wir leider kaum.»

«Haltet durch!»

Als Speaker amtierte Werner Walter, stellvertretender Betriebsleiter Gutsbetrieb Wallierhof und neuer Präsident des Solothurnischen Fleckviehzuchtverbands. Er ermunterte die Bauernfamilien, zusammenzustehen, gemeinsam könnten sie etwas erreichen. «Haltet durch», rief er auf, «eines Tages erholt sich der Milchpreis und wir werden belohnt.» Klemens Jäggi, Präsident Viehzuchtverein Gäu, und Paul Probst, Präsident des OKs, hielten fest, ohne die tatkräftige Unterstützung der Sponsoren, des Amts für Landwirtschaft, der Züchterfamilien und den nichtbäuerlichen Gästen wäre so ein grosser Anlass für einen eher kleinen Verein kaum durchführbar. Doch die Mühe der Organisierenden sei reichlich belohnt.

Aktuelle Nachrichten