Vor genau zwei Jahren musste Christian Kühni tatenlos zusehen, wie mehrere Hundert Edelkrebse im Wolfwiler Biotop an der vermutlich von Wasservögeln eingeschleppten Krebspest jämmerlich zugrunde gingen.

Der ehemalige Gemeindepräsident von Wolfwil erinnert sich nur ungern an das Massensterben, denn damit verwandelte sich sein erklärter Lieblingsplatz auf einen Schlag in einen Ort des Grauens und des Todes. Die Krebspest hatte sich damals von der Öffentlichkeit fast unbemerkt schleichend ausgebreitet. Vor dem grossen Exitus hatte Kühni noch gehofft, dass die bis zu diesem Zeitpunkt wenigen toten Tiere aus anderen Gründen ums Leben gekommen sind.

Vergeblich, wie sich zeigte, denn schon bald war der Teich übersät mit verendeten oder mit dem Tod ringenden Krebsen. Einhalt gebieten konnte Kühni dem Sterben nicht, denn der Fadenpilz, der die vernichtende Krebspest überträgt, stirbt erst, wenn auch der letzte Krebs im Biotop dahingerafft wurde.

Für den Kanton im Einsatz

Für Kühni war die Vernichtung der gesamten Population wie ein Stich ins Herz, schliesslich gilt er nicht nur als Ziehvater der Krebse in Wolfwil, sondern hat seinerzeit auch massgeblich an der Schaffung des Lebensraums für die nachtaktiven Tiere mitgearbeitet. So stammen die Pläne für das 1981 nördlich des von der Bürgergemeinde geplanten Unterstandes angelegten Teichs von ihm.

«Der Boden war in diesem Bereich wegen einer darunter liegenden Lehmschicht immer sehr feucht oder gar nass», erinnert sich Kühni. Im August 2008 wurden mit der Bewilligung des Kantons je 50 männliche und weibliche Edelkrebse ausgesetzt, welche sich nach einem Jahr bereits beachtlich vermehrten. Kühni beobachtete seither die Entwicklung der Krebspopulation und unterrichtete den Kanton regelmässig über neusten Stand.

Seinen Höhepunkt erreichte das Projekt gemäss Kühnis nächtlichen Zählungen anfangs 2013, als der ausgewiesene Naturkenner die Sichtung von rund 130 Tieren dokumentierte. Dass sich daraus ableiten lässt, dass mehrere Hundert Edelkrebse im Biotop leben, zeigte sich beim Ausbruch der Krebspest im Juli 2015 durch das Massensterben auf dramatische Weise. Rückblickend bedauert Kühni, dass nicht schon vorher Krebse entnommen worden waren, um sie anderenorts wieder anzusiedeln. «Damit ging die gesamte Population verloren», sagt Kühni nachdenklich.

Neue Krebse ausgesetzt

Diese Gedanken will der 69-jährige Naturliebhaber hinter sich lassen. Denn inzwischen gibt es bereits wieder Edelkrebse im Biotop. Die ersten Exemplare hatte Kühni im Dezember 2016 entdeckt. Auf Nachfrage beim Kanton sei ihm bestätigt worden, dass im September etwas mehr als 100 Krustentiere aus einer Zucht aus dem Kanton Aargau ausgesetzt worden seien.

Kühni hat für den Kanton wieder die Beobachtung der Population übernommen und kennt bereits die Plätze, wo sich die Tiere am Tag aufhalten. So verbirgt sich etwa beim Auslauf des Teichs unter einem Stein ein prächtiges Männchen, dem Kühni den Namen «Grossvater» gab.

Ob er den Beginn einer neuen Ära von Edelkrebsen im Biotop markiert, wird die Zukunft weisen. Bei seinem letzten Besuch fand Kühni zu seiner Freude 26 äusserst aktive Edelkrebse beiderlei Geschlechts. Zu seinem Erstaunen entdeckte er aber keinen einzigen Jungkrebs, was mit Blick auf das erste Projekt im Jahr 2008 auffällig ist.

Dennoch ist Kühni zuversichtlich, dass die erneute Ansiedlung der Edelkrebse im Biotop erfolgreich sein wird. Seinen Beitrag in Form der Beobachtung leiste er gerne. Bleibt zu hoffen, dass der Weiher von der Krebspest verschont bleibt.