Welschenrohr

Wo bleibt ein Kandidat fürs Gemeindepräsidium?

Idylle in Welschenrohr: Doch sucht man fast schon verzweifelt einen Nachfolger für den im Sommer 2019 abtretenden Gemeindepräsidenten Stefan Schneider.

Idylle in Welschenrohr: Doch sucht man fast schon verzweifelt einen Nachfolger für den im Sommer 2019 abtretenden Gemeindepräsidenten Stefan Schneider.

Die Budget-Gemeindeversammlung diese Woche in Welschenrohr verlief harmonisch, doch ein grosses Fragezeichen bleibt. Wer wird Nachfolger von Stefan Schneider als Gemeindepräsident?

Eine Gemeinde, mit voraussichtlichen Ertragsüberschuss 2019, mit dem tiefsten Steuersatz im Thal, mit einem Gemeinderat, der seine Aufgaben zügig bewältigt und die vor einer bevorstehenden Fusion steht, wird aber zunehmend von Zukunftsangst beherrscht. Das ist Welschenrohr derzeit. Denn seit ein paar Monaten ist bekannt, dass Gemeindepräsident Stefan Schneider nach 22 Jahren Gemeinderat, sieben Jahren als Statthalter und elf Jahren Gemeindepräsident im kommenden Juli sein Amt abgeben will.

Noch ist die Suche nach einem Nachfolger bei allen politischen Parteien ohne Resultat geblieben. So war es diese offene Frage, welche die 28 erschienenen Einwohner an der Budgetgemeindeversammlung diese Woche beschäftigte. «Jetzt sollten wir alles daran setzen, eine Kandidatin oder einen Kandidaten für das Amt zu finden», mahnte Gemeinderat Thomas Mägli an der Versammlung. Und er ermunterte die Welschenrohrer, sich umzuhören: «Vielleicht interessiert sich jemand, und wir wissen einfach nichts davon. Also bitte: Meldet euch.»

Denn in Zahlen geht es Welschenrohr gut. «Auch wenn der kantonale Finanzausgleich nicht in der Höhe ausfallen wird, in der wir ihn eigentlich erwarteten», erläuterte Fiko-Präsident Beat Allemann. Es könne mit 1,55 Mio. Franken, rund 20'000 Franken weniger als im letzten Budget, gerechnet werden. «Es sind mehr Nehmergemeinden dazugekommen; Gebergemeinden gibt es etwas weniger», führte Allemann aus. Gerechnet habe man zunächst noch mit einer Zunahme des Finanzausgleichs von 150'000 Franken gegenüber dem vergangenen Jahr, so Allemann.

Dennoch Ertragsüberschuss

Das Budget schliesst mit einem Ertragsüberschuss von 7850 Franken. «Der Selbstfinanzierungsgrad, der mindestens bei 80 Prozent liegen soll, können wir mit 83,35 Prozent angeben.» Investiert sollen netto 445'700 Franken. Darin eingeschlossen sind sieben Posten, welche die Gemeindeversammlung gleich zu Beginn der Versammlung genehmigte. 50'000 Franken für die Erneuerung des roten Belags beim Schulhaus; 8200 Franken Anteil der Gemeinde für die Sanierung der Dünnernbrücke; 35'000 Franken Anteil der Gemeinde zur Sanierung der Dorfeinfahrt West; 50'000 Franken für die Sanierung der Kirchstrasse; 82'000 Franken Kredit zur Renaturierung des Kahlenplatz; 60'000 Franken jährlicher Unterhalt der Kanalisation und 130'000 Franken für verschiedene Investitionen im Thalhof.

Bei den Spezialfinanzierungen schliesst das Wasser mit einem Ertragsüberschuss von knapp 25'000 Franken; das Abwasser mit einem Überschuss von 21 000 Franken und die Abfallbeseitigung mit 3500 Franken im Plus ab. Die Wassergebühren liegen bei 2 Franken pro Kubikmeter und 1.60 Franken fürs Abwasser pro Kubikmeter. Dem Gemeindepersonal wird eine Teuerung von 1 Prozent, analog dem Staatspersonal, zugesichert. Der Steuersatz von 124 Prozent für natürliche Personen und für 115 Prozent für juristische Personen wurde belassen. Man rechnet 2019 mit Steuererträgen von 2,433 Mio. Franken. Die Verschuldung pro Einwohner wurde mit 1656 Franken angegeben.

An der Gemeindeversammlung von Gänsbrunnen vom 16. Juli 2018 wurde beschlossen, dass der Einwohnergemeinde Welschenrohr ein Antrag für die Aufnahme von Fusionsverhandlungen zu stellen sei. Die Begründung liegt nahe: Für eine Gemeinde von rund 100 Einwohnern wird es heute zunehmend schwierig, alle Aufgaben zu erfüllen. In den Bereichen Schulen und Feuerwehr besteht schon eine Zusammenarbeit zwischen den beiden Gemeinden. Und viele Gänsbrunner Einwohner machen in Welschenrohrer Vereinen mit. Deshalb gab auch die Gemeindeversammlung Welschenrohr den Behörden ohne grosse Diskussion einstimmig grünes Licht zur Aufnahme von Fusionsverhandlungen mit Gänsbrunnen.

Welschenrohr zahlt auch

Traktandiert war auch der freiwillige Beitrag zur Unterstützung von Balsthal für die Verkehrsanbindung Thal. Nach dem von der Gemeindepräsidentenkonferenz errechneten Schlüssel würde für Welschenrohr ein Anteil von rund 242'000 Franken berechnet. Dieser Beitrag würde, auf zehn Jahre verteilt, mit dem Baubeginn frühestens 2021 fällig. Schneider erklärte, damit mache man nicht nur etwas für Balsthal, sondern für das ganze Thal, denn: «Wir alle werden die Umfahrungsstrasse nutzen. Es ist auch ein Zeichen gegen aussen, dass wir Thaler uns einig sind und diese Verkehrsanbindung wollen.» Die Versammlung genehmigte den Beitrag nach kurzer Diskussion einstimmig.

Auch bei der Erneuerung des Naturparklabels für die Jahre 2020 bis 2029 war die Versammlung einstimmig dafür. Allerdings wurde gesagt, dass die Naturpark-Vertreter in manchen Bereichen etwas mehr «Gas geben könnten». Schliesslich stimmte die Gemeindeversammlung einer Änderung der Gemeindeordnung zu, welche die Finanzkompetenzen des Gemeinderates zum Teil anhebt. Ebenfalls Zustimmung gab es für das neue Musikschulreglement und den Musikschulvertrag für die Musikschule Hinteres Thal.

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