Thal
Wisente sollen erst nach fünf Jahren ausgewildert werden

Weil die zweijährige Vorlaufzeit bis zur Auswilderung der Wisente als zu kurz empfunden wurde, wird die Versuchsphase um drei Jahre verlängert. Mit dieser Massnahme will der Verein Wisent Thal den Bedenken der Waldbesitzer Rechnung tragen.

Erwin von Arb
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Der Verein Wisent Thal ist von seinem Plan abgerückt, in einer ersten Phase nur ein vergrössertes Schaugehege zu errichten. Dies aufgrund der heftigen Reaktionen gegen das Wisent-Auswilderungsprojekt.

Stattdessen soll nun eine etwa zehn Tiere umfassende Herde Wisente auf einem 100 Hektar grossen Gebiet bei und oberhalb der Sollmatt in Welschenrohr angesiedelt werden. Neu soll die Anfangsphase nicht wie beim ersten Projekt vorgesehen nur zwei, sondern fünf Jahre dauern.

Kurze Vorlaufzeit in der Kritik

Damit wolle man vor allem den Bedenken der Thaler Waldbesitzer Rechnung tragen, sagt Vereinsmitglied Darius Weber. Im Gespräch, auch mit den anderen Bedenkenträgern, wie etwa Jägern und Landwirten, habe sich gezeigt, dass vor allem die zweijährige Vorlaufzeit bis zur Auswilderung der Wisente als zu kurz empfunden worden sei. Mit der Verlängerung auf fünf Jahre sei auch die Hoffnung verbunden, dass sich Mensch und Tier besser aneinander gewöhnen könnten.

Wenn sich die Befürchtungen in diesem nun relativ langen Zeitraum aber bewahrheiten würden und die Schäden zu gross seien, könne das Projekt mit Überzeugung abgebrochen werden. Wichtig sei nun aber, diese Erfahrungen überhaupt erst gemacht werden könnten, betont der Wildbiologe.

Das mit einem Elektrozaun abgesicherte Areal liegt zu 90 Prozent auf dem Waldgebiet der Bürgergemeinde Solothurn, 10 Prozent befinden sich gemäss den Plänen des Vereins neu auf dem Landwirtschaftsland von Benjamin Brunner, dem designierten Wisent-Ranger. Damit könne das Verhalten der Tiere im und auch ausserhalb des Waldes beobachtet werden, bemerkt Weber.

Um die Wisentherde an den Standort zu binden, sollen in der Nähe eines Bachlaufes im Wald zudem zwei Tränken eingerichtet werden. Diese seien vor allem bei Wasserknappheit von Bedeutung. «Damit die Tiere nach der Auswilderung nicht in Richtung Dünnern losziehen», so Weber.

Kanton will sich zuerst beraten

Ob der vom Verein anvisierte Start des Projekts bereits in diesem Sommer erfolgen kann, ist noch offen. «Wir stehen an beim Kanton», sagt Darius Weber mit Verweis auf die nötigen Baubewilligungen für die Errichtung des Elektrozauns im erwähnten Gebiet.

Nach einem Treffen mit Vertreten des Kantons anfangs dieses Jahres sei dem Verein signalisiert worden, dass ein koordiniertes Vorgehen erwünscht sei. «Was darunter zu verstehen ist, wurde nicht definiert», so Weber. Klar sei lediglich, dass der Kanton zu weiteren Gesprächen einladen werde, was bisher noch nicht geschehen sei.

Bernhard Staub, Chef vom kantonalen Amt für Raumplanung, bestätigt die im Januar mit Vertretern des Vereins Wisent Thal geführten Gespräche. Einbezogen worden seien kantonale Fachstellen des Amtes für Wald, Jagd und Fischerei, der Veterinärdienst, das Amt für Landwirtschaft sowie Vertreter des Raumplanungsamtes.

Der neue Zeitplan des Vereins Wisent Thal

März 2018: Gesuche für die nötigen Bewilligungen stelle.

Sommer 2018: Projektstart, sobald die Bewilligungen vorliegen (Anstellung des Projektteams).

2018: Gehege Phase I bauen, Tiere beschaffen, wissenschaftliche Begleituntersuchungen starten. Die Testherde wird vom Wildnispark Zürich Langenberg bereitgestellt.

2019: Gehege Phase I für das Publikum öffnen.

2020: Gehege für Phase II erweitern 2022: Schaugehege für Phase III vorbereiten.

2023: Zaun Auswilderungsgehege entfernen, Testherde in betreuter Halbfreiheit.

2023: kleine Wisentherde ins Schaugehege bringen, Routinebetrieb Schaugehege.

2019 bis 2027: intensive Beobachtung und Betreuung der Testherde, wissenschaftliche Begleitforschung, Routinebetrieb Schaugehege.

2027: Auswertung der Erfahrungen, Entscheid über Tragbarkeit frei lebender Wisente in Zusammenarbeit mit den zuständigen Behörden des Kantons Solothurn.

2027: Gesuch um Aussetzung der Wisente an den Bund oder Einfangen/Abschiessen der Testherde. (mgt)

Zum Projekt will sich Staub erst nach der sogenannten KABUW äussern. Diese Abkürzung steht für die koordinierte Sitzung der Departementssekretäre des Bau- und Justizdepartementes und des Volkswirtschaftsdepartements, den Chefs der Ämter für Raumplanung, Umwelt, Wirtschaft und Arbeit, Verkehr und Tiefbau, Landwirtschaft sowie Wald, Jagd und Fischerei.

An dieser alljährlich durchgeführten Sitzung würden grössere oder heikle Geschäfte beraten, erklärt Staub. Erst nach dieser Ende April abgehaltenen Sitzung werde der Kanton dem Verein Wisent Thal mitteilen, wie mit dem Projekt weiter verfahren werde. Dies gelte auch für das vom Verein in Aussicht gestellte Baugesuch für den Elektrozaun.

Start kostet 873'000 Franken

Der Verein Wisent Thal sei bereit und könne das Gesuch nach dem OK des Kantons umgehend einreichen, bemerkt Darius Weber. Bezüglich der Finanzierung der ersten fünf Jahre des wissenschaftlich begleiteten Projektes sehe es gut aus, so Weber. Die dafür benötigten 873'000 Franken seien schon fast zusammen.

Das Budget für das mit einer Laufzeit von 10 Jahren veranschlagte Gesamtprojekt beträgt etwa 3,3 Millionen Franken. Rund rund 1,3 Millionen Franken davon sollen durch den Betrieb des Schaugeheges erwirtschaftet werden. Bis zu dessen Inbetriebnahme im Jahr 2023 soll mit Führungen im für Menschen zugänglichen Gehege ab 2019 Geld in die Kassen des Vereins fliessen.

Der Rest der Finanzierung soll über Drittmittel sichergestellt werden. Finanzielle und ideelle Unterstützung erwartet Weber auch vom kürzlich gegründeten Verein «Freunde Wisent Thal», der sich an Jugendliche, natürliche und juristische Personen sowie Gönner richtet.

Rund 15 Anmeldungen sollen schon vorliegen. Auf dieser Plattform könnten sich Personen, Firmen und Institutionen einbringen, die das Projekt unterstützen. «Ich bin überzeugt, dass es davon viele gibt», so Weber.

Infos zum Verein «Freunde Wisent Thal» und zum Auswilderungsprojekt: www.wisent-thal.ch