«Es wäre eine einmalige Chance, das ergäbe einen starken Anziehungspunkt für Touristen», sagt Stefan Müller-Altermatt.

Der Nationalrat ist Präsident des Netzwerks Schweizer Pärke und erfuhr von dessen Geschäftsführer Christian Stauffer vom Projekt bzw. der Vision «Wisente zurück im Jura». So kam es, dass Christian Stauffers Mitstreiter Darius Weber die Vision im Thal vor Exponenten aus Forst, Jagd und Landwirtschaft präsentieren konnten.

Wie eine Wiederansiedlung funktionieren kann, beweise ein Wisentpark am Rothaarsteig in Deutschland. Dort lebt eine Herde mit 13 Tieren mit eigenem Nachwuchs.

Fast ausgerottet

Der Wisent gehöre hierher, denn hier habe er früher auch gelebt. «Ohne ihn sind die Wälder nicht vollständig», schicken die Fachleute voraus. Der Wisent, mit einer Länge von drei Metern, einer Schulterhöhe von zwei Metern und einem Gewicht von bis zu einer Tonne, ist das grösste und schwerste Landtier Europas.

Vor rund 100 Jahren wurde er in Europa beinahe ausgerottet. Gut 50 Tiere überlebten in Zoos und Wildpärken. Davon gelang eine Aufzucht und heute ist von mehr 3000 Wisenten die Rede, die vor allem in Osteuropa in Herden durch die Lande ziehen.

Unsinn oder Leuchtturm?

An der erwähnten Besprechung nahm auch Bruno Born, Aedermannsdorfs Gemeindepräsident, teil. «Ich habe zwei Seelen in meiner Brust», gibt er zu. «Die eine stellt mir die Frage, ob es sinnvoll und natürlich ist, etwas wieder anzusiedeln, dessen Lebensraum längst nicht mehr derselbe ist wie vor hundert Jahren.» Als Präsident des Vereins Naturpark Thal dagegen denke er sich, «diese Vision muss man sich unbedingt näher anschauen. Das könnte derjenige Leuchtturm für den Naturpark sein, den wir uns wünschen.»

Auch für den Geschäftsführer des Naturparks, Richard Bolli, ist der Gedanke prüfenswert. Er ist sich sicher: «Diese Vision hilft die Diskussion darüber voranzutreiben, wie sich der Naturpark auszeichnen kann.»

Eine Touristenattraktion

20 Hektaren gross ist die besagte Wisent-Wildnis am Rothaarsteig in Bad Berleburg, auf der Höhe zwischen Köln und Kassel gelegen. Initiant ist Richard Prinz zu Sayn-Wittgenstein-Berleburg. Das Schweizer Fernsehen hat am letzten Donnerstagabend in der Sendung «Einstein» darüber berichtet. Darin gab es Aussagen, wonach der Tourismus durch die Anlage kräftig in Schwung gekommen sei. Anderseits klagten Waldbesitzer über gravierende Schäden an Buchen. Wisente haben sich an der Rinde gütlich getan und dabei Bisspuren hinterlassen.

Keine negativen Meldungen gab es offenbar von Konflikten zwischen Mensch und Tier. Befürchtungen seien unbegründet, von Angriffen von Tier auf Mensch seien nicht bekannt.

Wo soll die Wisent-Herde leben?

Erwähnt wurde ferner, die Wisente hätten ausreichend Rückzugsmöglichkeiten, weshalb es nicht zu Konflikten komme. Da stellt sich die Frage, wo denn der Bezirk Thal über ein passendes Gebiet verfügen würde? «Man denkt da an die nach Norden gerichtete Flanke der ersten Jurakette. Dort befindet sich die grösste zusammenhängende Waldfläche der Schweiz», antwortet Stefan Müller-Altermatt.

Zwölf Jahre bis zum Ziel

Für alle Befragten und die Initianten ist klar, dass eine solche Vision nur eine Chance zur Umsetzung hat, wenn sich die Bevölkerung damit identifizieren kann. Wie das konkret gehen soll, daran wird gearbeitet.

Im Projekt «Wisente zurück im Jura» ist ein Zeitplan enthalten, wonach es rund zwölf Jahre dauern würde, bis frei lebende Wisente anzutreffen wären. Nachdem eine Trägerschaft gegründet und die Startphase finanziell gesichert ist, werden Tiere in einem Grossgehege ausgesetzt, nach etwa sechs Jahren in Halbfreiheit und nach weiteren fünf Jahren ganz in Freiheit entlassen.