Neuendorf
Wirt widersetzt sich Räuber: «Die Polizei fand die Aktion gar nicht cool»

Ein bewaffneter Mann hat am Donnerstagabend in Neuendorf versucht, das Café Werd zu überfallen. Wirt Magus Wyss glaubte zuerst an einen Scherz und begab sich deshalb in Gefahr.

Erwin von Arb
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Magnus Wyss geht am Tag nach dem Überfall wie gewohnt seiner Arbeit nach.

Magnus Wyss geht am Tag nach dem Überfall wie gewohnt seiner Arbeit nach.

Erwin von Arb

«Gib ä Gäld», sagte der dunkel gekleidete Mann am Donnerstagabend kurz nach 20 Uhr in gebrochenem Deutsch zu Magnus Wyss, dem Wirt des Café Werd in Neuendorf. Der Unbekannte war vorgängig durch den Hintereingang ins Restaurant geschlichen. Um seiner Forderung Nachdruck zu verleihen, richtete der elegant gekleidete Mann mit einer ins Gesicht gezogenen Baseballmütze und brauner Brille eine Pistole auf den 48-jährigen Wirt.

Magnus Wyss, der die ganze Zeit hinter der Theke stand, rührte sich aber nicht von der Stelle und gab stattdessen dem Unbekannten unmissverständlich zu verstehen, dass er nicht gewillt war, auch nur einen Franken herauszurücken. «Es gibt kein Geld, habe ich zu dem Typ gesagt», erinnert sich Wyss. Zu diesem Zeitpunkt sei er immer noch davon ausgegangen, dass es sich jemand einen schlechten Scherz erlaube.

Aussenansicht des «Café Werd»

Aussenansicht des «Café Werd»

Erwin von Arb

«Mann trug Don -Johnson-Brille»

Als der Mann danach aber einen Schritt zurückgegangen sei und bei seiner Waffe eine Ladebewegung gemacht und auf seine Brust gezielt habe, sei ihm der Ernst der Situation langsam bewusst geworden. «Und als ich dann zum immer bereitliegenden Pfefferspray greifen wollte, stürzte der Mann plötzlich zum Hinterausgang und stieg auf dem Parkplatz in einen blauen Seat und brauste in Richtung Härkingen davon», berichtet Wyss, der dem Räuber hinterhergelaufen war.

Das Nummernschild habe er sich in der Aufregung nicht merken können. «Ich weiss nur, dass es ein älteres Seat-Modell war, vielleicht ein ‹Ibiza› mutmasst der Wirt.

Eines weiss Magnus Wyss hingegen genau: Der bewaffnete Mann trug eine braune Don Johnson-Brille. «Das ist mir aufgefallen, weil ich als Miami-Vice-Fan selbst eine solche Brille hatte. Diese seien aber meist schwarz gewesen, braun war eher selten». In den 80er-Jahren habe er die US-Krimiserie bis zum Umfallen geschaut, meint Wyss zu seinen einschlägigen Kenntnissen.

Gäste alarmierten die Polizei

Warum der Räuber ohne Beute Hals über Kopf geflüchtet ist, kann sich Wyss nicht wirklich erklären. «Vielleicht war ich ihm einfach eine Spur zu cool und hat dann hat er halt die Nerven verloren», erklärt Wyss am Morgen nach dem Überfall in Restaurant schmunzelnd. Seine Frau Sibylle findet die Bemerkungen ihres Mannes hingegen weniger lustig, schliesslich hätte das auch ins Auge gehen können, bemerkt sie dazu.

Diese Auffassung vertritt auch die Kantonspolizei Solothurn, die von einem im Lokal anwesenden Pärchen alarmiert worden war, während Wyss auf der Verfolgung des flüchtenden Räubers war. «Die Polizei fand meine Aktion nicht ganz so cool wie ich, eher gefährlich», berichtet Wyss im Rückblick auf das Gespräch mit den Beamten.

Das sei ihm aber erst bei der Einvernahme auf dem Polizeiposten in Egerkingen so richtig bewusst geworden. Einen Schock habe allerdings die Frau des beim Überfall anwesenden Pärchens erlitten. Ihr Partner, ein etwa 50-jähriger Mann, habe das Ganze relativ gut weggesteckt.

Wirt will künftig vorsichtiger sein

Auch Wyss hat keine Probleme. «Ich mache einfach weiter, als ob nichts passiert wäre», versichert er. Das habe er auch der Polizei erklärt, die ihn und das Pärchen am Donnertagabend nach der Einvernahme zurück ins ‹Werd› gebracht hätten. Dennoch will der «Werd»-Wirt künftig etwas mehr Vorsicht walten lassen, falls es wieder zu einem ähnlichen Vorfall kommen sollte.

Gewisse Vorkehrungen habe er getroffen, darüber sprechen werde er aber nicht, «aus Sicherheitsgründen.» Wyss, der das Restaurant zusammen mit seiner Frau seit drei Jahren führt, glaubt indessen nicht an eine Wiederholung in nächster Zeit.

Die Polizei sucht Zeugen

Die umgehend eingeleitete Fahndung nach dem Täter ist bislang negativ verlaufen, wie Bruno Gribi vom Mediendienst der Kapo auf Anfrage erklärt. Die Polizei hofft auf Hinweise aus der Bevölkerung. Der Gesuchte ist zwischen 25 und 30 Jahre alt, 170 bis 180 Zentimeter gross, schlank, hatte dunkle kurze Haare, einen Dreitagebart und war von gepflegter Erscheinung.

Zur Tatzeit trug er schwarze Jeanshosen, ein dunkles Oberteil, eine dunkle Baseballmütze und eine Sonnenbrille. Er sprach gebrochen Deutsch. Personen, die am Donnerstagabend beim Café Werd»verdächtige Wahrnehmungen gemacht haben oder Angaben zur Täterschaft machen können, werden gebeten, sich mit der Kantonspolizei in Egerkingen (062 387 70 51) in Verbindung zu setzen.