Immobilien
Wird im Bezirk Thal vorsätzlich Bauland gehortet?

Die Thaler Gemeinde Laupersdorf scheint bei Zuzügern beliebt zu sein: Immer wieder wird nach Bauland nachgefragt. Doch die Besitzer wollen es nicht verkaufen. Das sagt Gemeindepräsident Edgar Kupper. Wie sieht es in anderen Thaler Gemeinden aus?

Alois Winiger
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Ist derzeit im Thal nicht allzu häufig anzutreffen: Eine Baustelle für neues Wohneigentum im Bereich Einfamilienhaus.

Ist derzeit im Thal nicht allzu häufig anzutreffen: Eine Baustelle für neues Wohneigentum im Bereich Einfamilienhaus.

Alois Winiger

«Immer wieder melden sich Interessierte, die sich gerne in Laupersdorf den Traum vom Bau eines Eigenheims erfüllen möchten. Die Suche gestaltet sich aber häufig schwierig.» So äussert sich der Laupersdörfer Gemeindepräsident Edgar Kupper im örtlichen Infoblatt. Die Suche sei deshalb schwierig, weil zum Teil Bauland gehortet werde, der Preis zu hoch sei, oder sich die Eigentümer innerhalb der Familie nicht zum Verkauf entschliessen könnten. Kupper ruft alle Grundeigentümer auf, ihr Bauland «zu vernünftigen Bedingungen anzubieten», denn Laupersdorf sei auf ein gesundes Wachstum angewiesen.

Auszonungen befürchtet

30 bis 50 erschlossene Bauplätze sind laut Gemeindeverwalter Stefan Schaad in Laupersdorf vorhanden. Es seien vorwiegend einzelne Parzellen in bereits bebauten Gebieten (siehe auch separaten Text «Flachdach»). Aufgrund des neuen Raumplanungsgesetzes sei nicht zu erwarten, dass in den nächsten 15 Jahren zusätzliches Bauland eingezont wird. «Viel eher ist zu befürchten», fügt Gemeindepräsident Kupper an, «dass Auszonungen gemacht werden müssen.» Direkt Druck machen will man trotzdem nicht, aber immerhin eine Vermittlerrolle einnehmen und mit den Grundeigentümern Gespräche führen.

Auch Herbetswils Gemeindepräsident Stefan Müller hat via «Gemeinsblättli» auf die Möglichkeit aufmerksam gemacht, dass Bauland ausgezont werden könnte. Er verstehe diesen Hinweis nicht als Druckmittel, sondern als klaren Hinweis. «Es kann dann keiner sagen, er habe von nichts gewusst», begründet Müller. «Wir haben noch einige schön gelegene und voll erschlossene Parzellen.» Zudem seien die Landpreise in einer Spannweite ab 90 bis um die 150 Franken pro Quadratmeter «doch recht interessant». Mit diesen Landpreisen liegt Herbetswil im unteren Segment, diese steigen an, je weiter man in Richtung Balsthal kommt, wo die Preise pro Quadratmeter – so wie vielerorts im Gäu – um 400 Franken und darüber liegen. Im Thaler Hauptort liegt derzeit keine aktuelle Liste über verfügbares Bauland vor. Die Daten werden im Zusammenhang mit der Ortsplanungsrevision erhoben.

Gesetzliche Grundlage fehlt

Sogar rund 60 eingezonte Bauparzellen stehen in Mümliswil-Ramiswil zur Verfügung, bei Preisen um die 120 Franken pro Quadratmeter. Druck auszuüben auf die Landbesitzer, die Parzellen zu veräussern, sei derzeit kein Thema, sagt Gemeindepräsident Kurt Bloch. «Abgesehen davon, dass die gesetzlichen Grundlagen dazu in unserem Kanton gar nicht vorhanden sind. Vorschläge für Massnahmen gibts aber schon, Mehrwertabschöpfung zum Beispiel oder Entschädigungsfonds.» Bloch verweist ebenfalls auf die laufende Ortsplanungsrevision, die Klarheit über das gesamte vorhandene Bauland bringen wird.

Zwei Häuser pro Jahr reichen

In Welschenrohr, wo aktuell 39 Parzellen fürs Bauen von Wohnraum vorhanden sind, sieht man ebenfalls keinen Handlungsbedarf. Desgleichen in Aedermannsdorf: Gemeindeschreiberin Regina Fuchs berichtet, dass der Gemeinderat das Thema gerade jüngst besprochen und festgestellt habe, dass nicht allzu viel Bauland vorhanden sei, nämlich rund 30 Parzellen, die meisten davon sind erschlossen. Je nach Lage schwanken die Quadratmeterpreise zwischen 120 und 150 Franken. «In den vergangenen 15 Jahren sind in Aedermannsdorf durchschnittlich je zwei Einfamilienhäuser gebaut worden. Geht man auch künftig von derselben Bautätigkeit aus, so dürfte die Baulandreserve noch für weitere 15 Jahre ausreichen.» Dass jemand Land horten würde, sei nicht bekannt.

Druck kommt automatisch

Ähnliches ist aus Matzendorf zu vernehmen. «Eine eigentliche Hortung von Bauland ist in nur ganz wenigen Fällen zu erkennen», erklärt Gemeindeschreiber Armin Kamenzin. Andererseits gebe es in der Wohnzone einige Parzellen, die keine Überbauung zulassen, weil sie entweder schlecht gelegen sind oder eine unglückliche Parzellierung aufweisen würden. Die Gemeinde sei derzeit am Implementieren einer Arbeitsgruppe, die ein räumliches Leitbild erarbeiten soll. Davon ausgehend würden dann Massnahmen – allenfalls eine Revision der Ortsplanung – in Angriff genommen. «Weil darin das neue Raumplanungsgesetz zu beachten ist, kann das alleine schon einen gewissen Druck auf Landbesitzer ausmachen», vermutet Kamenzin. Um 175 Franken werden für den Quadratmeter verlangt.

Lieber Druck von der anderen Seite

Bevor Holderbanks Gemeindepräsident Urs Hubler Druck machen will, setzt er auf das Gespräch. Allerdings scheint dies kaum mehr nötig zu sein. Hubler betrachtet die Situation von der anderen Seite aus und sagt: «Uns wäre es eigentlich lieber, es käme ein gewisser Druck von Leuten, die bei uns hier bauen möchten.» Rund zwölf erschlossene Parzellen sind in Holderbank derzeit zu haben. Eventuell könnten noch einige wenige im Bereich Thalgraben hinzukommen, ein entsprechendes Gesuch sei in Bearbeitung.