Der Gemeinde Neundorf bietet sich die einmalige Chance, in einem Zug die Zukunft des Volg-Ladens sicherzustellen und gleichzeitig neuen Schulraum zu schaffen. Möglich macht dies die Raiffeisenbank Gäu-Bipperamt, welche der Gemeinde das Gebäude mit Volg-Laden im Untergeschoss zum Kauf anbietet.

Die im Obergeschoss befindlichen Räume der ehemaligen Raiffeisen-Geschäftsstelle stehen seit der Schliessung Ende 2015 leer. Sie würden sich eignen, um darin die Gemeindeverwaltung unterzubringen, wie Gemeindepräsident Rolf Kissling am Montagabend an der Gemeinderatssitzung erwähnte.

Dies hätte einerseits den Vorteil, dass die Zukunft des im Untergeschoss eingemieteten Volg-Ladens sowie die geplante Post-Agentur über den bis 2025 laufenden Vertrag hinaus sichergestellt wären. Andererseits würde sich mit dem Auszug der Gemeindeverwaltung aus dem aktuellen Gebäude an der Roggenfeldstrasse 2 die Möglichkeit bieten, ohne grossen Aufwand neuen Schulraum zu schaffen.

Ein solcher Bedarf ist mit Blick auf die rege Bautätigkeit im Dorf absehbar. Die Gemeindeverwaltung belegt derzeit das Erdgeschoss des vorher vollständig als Schulhaus genutzten Gebäudes.

Bancomat ist ein Kriterium

Die Räumlichkeiten im Obergeschoss der Raiffeisen-Liegenschaft an der Dorfstrasse 70 entsprechen flächenmässig etwa jenen der aktuellen Gemeindeverwaltung. Ein Umzug wäre deshalb wohl nicht mit Einschränkungen verbunden, wie Kissling bemerkte. Die Bankleitung der Raiffeisenbank Gäu-Bipperamt habe ihm gegenüber verlauten lassen, dass es mittlerweile rund fünf Interessenten für die Liegenschaft gebe, die Bank aber einen Kauf der Liegenschaft durch die Gemeinde favorisiere. Dies, um der Gemeinde nach der Schliessung der Geschäftsstelle etwas zurückzugeben und um den Betrieb des Bancomaten beim Eingang zum Volg-Laden auch nach dem Verkauf des Gebäudes zu gewährleisten.

Der Rat war sich bei der Beratung des Geschäfts einig, dass ein allfälliger Umzug der Gemeindeverwaltung in das Raiffeisen-Gebäude ernsthaft geprüft werden sollte. Diese Chance, mit dem Auszug der Verwaltung Platz für neuen Schulraum zu schaffen, und gleichzeitig die Zukunft des Volg-Ladens sicherzustellen, sei einmalig, so der Tenor im Rat. Nach einer Besichtigung der erwähnten Räumlichkeiten will der Gemeinderat über das weitere Vorgehen beraten.

Bürgergemeinde soll einspringen

Unbestritten war, dass die Einwohnergemeinde aufgrund des angespannten Finanzhaushaltes selbst nicht in der Lage ist, die Liegenschaft käuflich zu erwerben. Deshalb ist angedacht, dass die Bürgergemeinde das Gebäude erwirbt und die Räume danach der Einwohnergemeinde und der Volg Konsumwaren AG vermietet. Bei der benötigten Investition geht es um eine Summe von rund 700'000 Franken, bei einer voraussichtlichen Rendite von etwa 5 bis 6 Prozent.

Bürgergemeindepräsident Emil Lämmle könnte sich einen Kauf der Liegenschaft durch die Bürgergemeinde durchaus vorstellen. Erste Kontakte vonseiten der Bankleitung hat es gemäss Lämmle zwar gegeben, konkret über einen allfälligen Kauf sei aber nicht gesprochen worden. «Wenn die Raiffeisenbank Gäu-Bipperamt mit einer solchen Anfrage an uns gelangt, wird der Bürgerrat das Angebot sehr ernsthaft prüfen», so Lämmle.

«Für die Raiffeisenbank Gäu-Bipperamt wäre auch ein Verkauf der Liegenschaft an die Bürgergemeinde eine gute Lösung», erklärt Andreas Furrer, Vorsitzender der Bankleitung, auf Anfrage. «Uns ist wichtig, dass der zentral im Dorf gelegene Standort für den Bancomaten erhalten bleibt». Das sei mit ein Grund gewesen, der Einwohnergemeinde als erster Partei ein Kaufangebot zu unterbreiten.

Der Einwohner- und Bürgergemeinde will Furrer genügend Zeit einräumen, um die für den Kauf notwendigen Abklärungen und Entscheidungen zu treffen. «Sofern dieser Prozess nicht Jahre dauert und wir uns finanziell einig werden» so Furrer. Wenn das Geschäft nicht zustand komme, werde die Raiffeisenbank Gäu-Bipperamt Verhandlungen mit anderen Interessenten aufnehmen.