Classionata Mümliswil

«Wir sind schon fast eine Familie hier»

In den Classionata-«Startlöchern»: (v.l.) Thomas Mittmann, Rouwen Huther (oben), Luisa Albrechtova und Andreas Spörri.

In den Classionata-«Startlöchern»: (v.l.) Thomas Mittmann, Rouwen Huther (oben), Luisa Albrechtova und Andreas Spörri.

Ein Augenschein bei zwei Sängern, dem Regisseur und Intendanten kurz vor der Premiere des «Bettelstudenten», der Operette von Carl Millröcker.

Als Zaungast in der Aula Schulhaus Brühl Mümliswil letzte Woche: Auf der Bühne proben die Solistinnen und Solisten der Classionata den Schlussakt des «Bettelstudenten», der Operette von Carl Millröcker. Alles läuft wie geschmiert, Korrepetitorin Stella Timenova «haut» in die Tasten, denn Dirigent Andreas Spörri macht auf Tempo und Regisseur Thomas Mittmann gibt kurze Zwischenkommandos. «Glu, glu, glu... immerzu. Glu, glu, glu... immerzu», singt das Ensemble und tanzt dazu – und Schluss.

Man sinkt in die Bühnenmöbel, nimmt sich einen Schluck Wasser, scherzt untereinander. Jetzt ist Gelegenheit, ein wenig zu plaudern. Rouwen Huther, der Tenor, der den Part des Oberst Ollendorf innehat, erzählt, wie er zu seinem nun jetzt schon dritten Engagement an der Classionata gekommen ist. «2011 kam ich eigentlich nur mal als ‹Ersatz› und spielte in der ‹Nacht von Venedig› mit.» 2013 spielte er sich dann als «Zsupan» in «Der Zigeunerbaron» in die Herzen des Publikums.

Meist ein Bariton, hier ein Tenor

Auch mit dem jetzigen Part ist der Deutsche sehr zufrieden. «Wir besetzen meine Rolle im Bettelstudent hier mit mir als Tenor, so wie das Millröcker ursprünglich vorgesehen hatte. Dabei wird Ollendorf heute meist mit einem Bass/Bariton besetzt. In Mümliswil kann man also die Rolle in Originalbesetzung sehen», freut sich Huther. Auch Sopranistin Luisa Albrechtova ist nicht zum ersten Mal für ein Engagement ins Guldental gekommen. Die gebürtige Pragerin war ebenfalls 2013 schon da. «Als mich Andreas Spörri wieder fragte, sagte ich sofort zu», erzählt sie. Es sei hier immer sehr angenehm. «Man fühlt sich im Ensemble, aber auch in der Umgebung sehr wohl hier. Wie in einer Familie». Für Mümliswil habe sie gerne auf andere Engagements verzichtet, sagt sie noch.

Ebenfalls zum zweiten Mal ist auch Regisseur Thomas Mittmann mit dabei. Es sei ausser einem Sänger wieder die gleiche Crew wie bei der Aufführung 2013. «Auch alle anderen, die mithelfen, sind Leute, auf die man sich verlassen kann. Das macht eben auch eine Stärke der Classionata aus.» Zufrieden, aber doch angespannt ist Intendant Andreas Spörri. «Jetzt sind wir in der wichtigsten Phase. Solisten, Chor und Orchester müssen zusammengeführt werden». Er sei aber zuversichtlich, dass bis zur Premiere am 16. April alles steht. «Wir sind ja auch ‹alte Hasen› mittlerweile.» Dennoch: alle arbeiten hoch konzentriert und mit viel Disziplin, weil ja die Probe-Zeit relativ kurz ist, hebt Sängerin Albrechtova hervor. Rouwen Huther freut sich auf jeden Fall, wieder hier zu sein. «Gerade war ich am Postschalter und wurde erkannt. Das ist doch eine schöne Sache, wenn einem fremde Leute auf die Schultern klopfen und erzählen, dass sie sich auch schon die Operetten-Tickets gekauft haben.»

Operette, wie sie sein soll

Die Operetten an der Classionata werden so aufgeführt, wie sie sein sollen, sagen die Ausführenden noch. «Natürlich sind hier keine Regieexperimente gefragt», präzisiert der Regisseur. Sänger sagt Hurther dazu: «Ich habe treue Fans, die kommen aus Deutschland explizit hierher, weil sie hier Operette in ihrer Ursprünglichkeit erleben können». Und weiter ergänzt er: «Die Operette steht der Oper in künstlerischer Hinsicht in nichts nach. Im Gegenteil. Das sängerische und schauspielerische Vermögen eines Künstlers muss hier besonders ausgeprägt sein.» Und die Sänger nennen noch ein weiteres Argument, welches ihrer Ansicht nach die Operette schwieriger macht: «Sänger sprechen nicht gerne auf der Bühne. Sie haben Angst um ihre Stimme, wenn sie viel Sprechtext haben.» Regisseur Mittmann ergänzt: Die Leute wollen Unterhaltung, die Tiefgang hat. Menschliche Anliegen, die ernst sein können, aber kurzweilig präsentiert werden. Das kann die Operette.»

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