Wolfwil
«Wir sind nicht die Ersten, die auf das Betrüger-Pärchen hereinfielen»

Die Vermietung eines Einfamilienhauses wird für Konrad und Liselotte Wullschleger aus Wolfwil zum Verlustgeschäft. Die Mieter hatten zwar einen lupenreinen Betreibungsauszug, doch dahinter versteckten sich trotzdem Unmengen an Schulden.

Erwin von Arb
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Konrad und Liselotte Wullschleger hinter dem A4 Ordner mit den inzwischen umfangreichen Akten des noch nicht abgeschlossenen Falls.

Konrad und Liselotte Wullschleger hinter dem A4 Ordner mit den inzwischen umfangreichen Akten des noch nicht abgeschlossenen Falls.

Erwin von Arb

So hatten sich Konrad und Liselotte Wullschleger ihre Pension nicht vorgestellt. Statt ihren wohlverdienten Ruhestand zu geniessen, musste sich das Wolfwiler Ehepaar in den vergangenen Monaten mit den Mietern ihres vor vier Jahren in der Nachbargemeinde erworbenen Einfamilienhauses herumschlagen. Dabei ging es vor allem um die Miete, welche der 36-jährige Deutsche und seine 32-jährige kroatischstämmige Frau* ein halbes Jahr nach ihrem Einzug im April 2012 nur noch unregelmässig oder gar nicht mehr bezahlt haben.

Ein Ultimatum gestellt

«Deshalb haben wir den Mietvertrag auch per Ende Dezember 2013 gekündigt», berichtet Konrad Wullschleger. Das Ehepaar liess sich in der Folge aber erweichen, die Kündigung für nichtig zu erklären. Der als Generalbauer tätige Sanitärinstallateur habe ihnen zwei Monatsmieten bar ausgehändigt. Damit sei die Sache für sie erledigt gewesen, so die Wullschlegers. Weil danach aber wieder keine Zahlung eintraf, folgte bereits im März die nächste Mahnung und Ende April schliesslich die zweite Kündigung. Dem Pärchen wurde ein Ultimatum gestellt, das Haus bis 31. März 2014 zu räumen. Dieses durchzusetzen war indessen nicht möglich, weil dem Wolfwiler Ehepaar bei der Kündigung ein Formfehler unterlaufen war.

Zur für den 15. April angekündigten polizeilichen Räumung der Liegenschaft kam es nicht mehr. Das zahlungsunwillige Paar hatte mit seinen drei Kindern bereits vorher das Weite gesucht. Die Freude darüber währte bei Konrad und Liselotte Wullschleger aber nicht lange. Das vorher von Grund auf renovierte Einfamilienhaus strotze nur so vor Dreck und wies zudem an diversen Orten Beschädigungen auf. So auch in der Küche, wo eine Kante der Granitabdeckung der Kochinsel offenbar mutwillig beschädigt worden war. «Wir haben viel Zeit und Geld investiert und das Haus so hergerichtet, dass man es wieder vermieten kann», erklärt Konrad Wullschleger. Vor zwei Monaten sei ein neuer Mieter eingezogen.

30'000 Franken fehlen

Den erlittenen Schaden inklusive Mietausfälle beziffert das Ehepaar auf rund 30'000 Franken. Einfordern können sie bei ihrem ehemaligen Mieter, der sich bei Vertragsabschluss sogar zum Kauf der Liegenschaft innerhalb von fünf Jahren verpflichtet hatte, noch rund 20'000 Franken. Konrad und Liselotte Wullschleger glauben aber nicht daran, dass sie davon je einen Franken sehen werden. Bei ihren Nachforschungen hätten sie nämlich herausgefunden, dass auf den Namen ihres ehemaligen Mieters zwischen dem 14. Mai 2012 und 17. März 2014 insgesamt 219 Betreibungen und Verlustscheine im Gesamtbetrag von 880'000 Franken registriert seien. «Eine unglaubliche Summe», so Liselotte Wullschleger.

Davon hätten sie vorher keine Ahnung gehabt, zumal das Paar bei der Bewerbung für den Mietvertrag des Einfamilienhauses einen lupenreinen Betreibungsauszug vorgelegt habe. Dieser stammte allerdings vom Betreibungsamt Olten-Gösgen, in dessen Zuständigkeitsbereich das Paar vor dem Umzug ins Gäu lebte. «Wir hatten keine Ahnung, dass das Gäu betreibungsrechtlich einem anderen Kreis angehört. Eigentlich müsste es dafür ein gesamtschweizerisches oder zumindest kantonales Register geben, findet Liselotte Wullschleger: «Dann hätten wir womöglich herausgefunden, dass unser Mieter so hoch verschuldet ist.»

Im Kanton Solothurn ist damit nicht zu rechnen, wie Amtschreiber Marcel Huber von der Amtschreiberei Thal-Gäu mit Verweis auf einen Beschluss des Solothurner Regierungsrats vom Mai dieses Jahres erklärt. Der Regierungsrat hatte den Antrag der Geschäftsprüfungskommission (GPK), die sechs Betreibungsamtskreise im Kanton in einem Betreibungsregister zusammenzuführen, als zu aufwendig erachtet. Er befürwortet stattdessen ein eidgenössisches Betreibungsregister, welche auf Bundesebene geschaffen werden soll.

In den Raum Zofingen gezogen

Kein Trost ist für das Ehepaar Wullschleger, dass das Pärchen vor ihnen auch andere Vermieter offenbar mit System und ohne Skrupel um ihre Miete geprellt hat. Entsprechende Nachfragen bei den letzten zwei Vermietern von Wohnungen und Geschäftsräumen hätten das klar bestätigt. Unerträglich sei für sie auch der Gedanke, dass das Pärchen ungeniert einfach so weitermache, ohne für die angerichteten Schäden aufkommen zu müssen. Inzwischen sei das Paar in den Raum Zofingen gezogen, um dort weiter sein Unwesen zu treiben. Dank fehlender Vernetzung der Betreibungsämter sei das ja durchaus möglich. Gegen ihre ehemaligen Mieter erwägen sie eine Klage wegen Sachbeschädigung und Betrug. «Die kann man doch nicht einfach so davonkommen lassen», sind sich die Wullschlegers einig.

Bis zur Einführung eines nationalen Registers empfiehlt Amtsschreiber Marcel Huber Hausbesitzern, ihre künftigen Mieter genau anzusehen. Besondere Vorsicht sei bei einem Wohnortwechsel geboten. Wer sichergehen wolle, müsse sich am ehemaligen Wohnort, respektive beim dort zuständigen Betreibungsamt erkundigen.

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