Neuendorf

«Wir sind gegen Haltestellen auf der Fahrbahn»: Strassensanierung sorgt für Diskussionen

Der Sanierungsbedarf an der Dorfstrasse ist im Bereich der Bushaltestelle Kirche augenfällig.

Der Sanierungsbedarf an der Dorfstrasse ist im Bereich der Bushaltestelle Kirche augenfällig.

Ab Herbst 2020 will der Kanton die Dorfstrasse für knapp 10,2 Millionen Franken sanieren. Die Bushaltestellen sorgen für Diskussionen.

Wer von Niederbuchsiten nach Härkingen fährt, der spürt in Neuendorf die vielen Buckel, Dellen und Löcher in der Fahrbahn. Ab Herbst 2020 will nun das Amt für Verkehr und Tiefbau die Dorfstrasse – eine Kantonsstrasse – von Grund auf neu bauen. Am Donnerstagabend stellte er das Projekt der Bevölkerung im Detail vor.

«Die Dorfstrasse hat grosse Schäden am Belag und an den Kunstbauten», erklärte Bauingenieur Raphael Vogt von der KFB Pfister AG die Situation in Neuendorf. «Die Bushaltestellen entsprechen nicht mehr den gesetzlichen Anforderungen. Wir wollen sie nun behindertengerecht gestalten.» Die Schwierigkeit: «Das schöne Dorfbild ist geschützt und die Dorfstrasse gehört zum Inventar der historischen Wege.» Exakt 2250 Meter Strasse, von der einen Dorfgrenze bis zur anderen, werden neu gebaut, wobei der Verlauf der Kantonsstrasse gleich bleiben müsse.

Mit dem Einbahnregime die Bauzeit halbieren

Ausserorts wird die Strasse auf sieben Meter verbreitert. Das Trottoir im Dorfzentrum wird an verschiedenen Stellen verlängert und die Fussgängerstreifen werden mit Warteinseln für die Fussgänger sicherer gemacht. Die Bushaltestellen Hardeck, Unterdorf und bei der Kirche werden neu gebaut. Auch will der Kanton den stellenweise neben der Dorfstrasse fliessenden Chrebskanal ökologisch aufwerten. Weiter lässt er die Brücke zur Fridaustrasse neu bauen, weil heute bei Hochwasser der Abfluss ungenügend ist.

Die Kosten werden auf knapp 10,2 Millionen Franken veranschlagt, für welche der Kanton Solothurn aufkommt. Bereits im Herbst 2020 sollen die Arbeiten beginnen und rund zwei Jahre dauern, erklärte Projektleiter Jürg Stuber vom Amt für Verkehr und Tiefbau (AVT). Zwischen der Fulenbacher und der Wolfwilerstrasse soll rund ein Kilometer im Einbahnregime gebaut werden. «Die andere Fahrtrichtung wird via Bifangstrasse umgeleitet», sagte Stuber. Für den Bau der restlichen Abschnitte wird der Verkehr auf beiden Seiten des Dorfes mit Lichtsignalanlagen geregelt. «Diese Aufteilung des Verkehrsregimes bedeutet eine Halbierung der Bauzeit von vier auf nur noch zwei Jahre», erläuterte der Projektleiter. Die Zubringerstrassen müssten je nach Bauphase gesperrt werden. Stuber versprach: «Entweder die Fridaustrasse oder die Neustrasse bleibt immer offen.»

«Die Bauzeiten haben unangenehme Situationen für uns zur Folge. Ich danke den Anwohnerinnen und Anwohnern schon jetzt für die Geduld und das Verständnis», würdigte Gemeindepräsident Rolf Kissling das Projekt. Und er sprach gleich einen wunden Punkt an: «Kanton und Gemeinde sind sich noch nicht einig bei der Positionierung der Bushaltestellen. Wir sind gegen Haltestellen auf der Fahrbahn, insbesondere bei der Kirche.»

Einiges an Skepsis im Dorf

Ähnlich wie der Gemeinderat sah dies in der anschliessenden Diskussion die Bevölkerung. Die Haltestellen auf der Fahrbahn wurden kritisiert, weil dadurch der Verkehr ins Stocken komme. Das sei besonders schlimm, wenn ein Bus auf Passagiere wartet, die umsteigen, meinte ein Einwohner. «Es sind im Fahrplan keine Wartezeiten vorgesehen», erklärte Daniel Schwarz von der Abteilung öffentlicher Verkehr im Amt für Verkehr und Tiefbau. «Mit den Fahrbahnhalten schützen wir das Dorfbild. Der Bau einer seitlich versetzten Bushaltestelle würde grosse Eingriffe bedeuten.»

Weiter stellten sich die Anwohner der Bifangstrasse gegen die Umleitung durch ihre Strasse. «Es ist zu gefährlich für die Kindergärtler.» So und ähnlich trug die Bevölkerung im Plenum ihre Bedenken vor. «Wir werden gezielte Massnahmen ergreifen, damit die Sicherheit der Kinder gewährt bleibt. Wenn es sein muss, mit Personen, die den Verkehr regeln», versprach Daniel Zimmermann, Leiter des Projektmanagements.

Ein anderer Bewohner hatte Angst vor dem Fluchtverkehr in den Quartieren, weil die Autofahrer den Baustellen ausweichen würden. Zimmermann versprach, dass der Kanton alles unternehmen werde, um die Sicherheit für die Anwohner zu garantieren. Wenn nötig mit Fahrverboten und Polizeikontrollen.

Ab Montag und bis zum 17. Dezember liegen die Erschliessungspläne auf. Am 27. November und am 2. Dezember führen Kanton und Gemeinde gemeinsam Fragestunden zum Projekt durch. Von Januar bis April sind mögliche Einspracheverhandlungen vorgesehen. Im März kommt das Projekt vor den Kantonsrat.

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