Papierfabrik
«Wir sind auf gutem Weg»: Die Papieri Balsthal ist (wieder) zuversichtlich

Die vor 135 Jahren gegründete Papierfabrik Balsthal, ist nach einer wechselvollen Geschichte immer noch am Markt. Im Besitz der indischen Industriellenfamilie Soin kann sich die heutige Swiss Quality Paper AG in Nischenmärkten behaupten.

Franz Schaible
Drucken
Teilen

Bruno Kissling

«Wir wollen am Standort Balsthal festhalten. Es gibt keine Verlagerungs- oder gar Schliessungspläne», sagt Abhimanyu Soin. Er ist CEO der Swiss Quality Paper AG, die seit 135 Jahren Papier produziert. Nach Jahren mit Besitzerwechseln, Turbulenzen und Umstrukturierungen ist dies ein positives Bekenntnis zur Region Thal. «Wir sind auf gutem Weg.»

Im vergangenen Jahr produzierte die Fabrik insgesamt rund 24'000 Tonnen Papier, wie Soin erklärt. Nach Turbulenzen und Überproduktionen auf dem weltweiten Papiermarkt habe man sich seit 2012 auf die Fertigung von technischen Spezialpapieren fokussiert.

70 Prozent des Umsatzes werden mit sogenannten Masking Tapes erwirtschaftet. Auf dieses Rohpapier bringen Klebebandhersteller Leim oder Latex auf. In diesem Bereich sei man ein wichtiger Marktführer in Europa.

Die restlichen 30 Prozent entfallen je hälftig auf spezielle Papiere für die Anwendung in Zigarettenfiltern sowie auf Hygienepapier, etwa das bekannte Gourmenta-Metzgerkrepp.

95 Prozent Exportanteil

Umsatzzahlen will Soin nicht nennen. Nur so viel: Die Verkäufe seien im Jahr 2017 gegenüber dem Vorjahr um drei Prozent gestiegen. Und: Seit vier Jahren schreibe das Unternehmen Gewinne.

Die Beschaffungskosten für den Rohstoff Zellulose seien zwar gestiegen, gleichzeitig habe man aber auf dem Markt höhere Verkaufspreise durchsetzen können. Für das laufende Jahr zeigt sich der 28–jährige Geschäftsführer zuversichtlich – allerdings mit einem Vorbehalt. «Beim Einkauf unseres Rohstoffes sind wir der volatilen Preisentwicklung auf dem Weltmarkt voll ausgesetzt.»

Während die Zellulose bereits im vergangenen Jahr teurer geworden sei, liege der aktuelle Preis nun fast 30 Prozent über dem Niveau von Ende 2016. Zwar profitiere man beim Einkauf vom starken Franken; aber der wechselkursbedingte negative Einfluss auf den Umsatz könne bei einem Exportanteil von über 95 Prozent nicht kompensiert werden.

Geburtsort von Tela

Die Swiss Quality Paper AG in Balsthal hat eine turbulente und lange Geschichte hinter sich. Die 1883 gegründete Papierfabrik Balsthal beendete 1913 die eigene Zellstoffproduktion. Mit einem Aktientausch wurde ein Liefervertrag für den Rohstoff mit der neuen Eigentümerin, der Zellulosefabrik Attisholz untermauert.

1929 startete die Produktion von Zellwatte für hygienische Zwecke, die heutige Weltmarke Tela war geboren.

1966 wurde in Niederbipp ein Zweitwerk eingeweiht. 30 Jahre später zerstörte ein verheerender Brand das Werk komplett; 10 Monate später lief die Produktion bereits wieder.

1999 verkaufte Attisholz die Tela-Papierfabrik mit den Standorten Niederbipp und Balsthal an den US-Riesen Kimberly-Clark.

2006 ging der Standort Balsthal an die Papierfabrik Horgen, die Marke Tela blieb bei Kimberly.

2009 hat die indische Industriellenfamilie Soin das Werk gekauft.

2012 übernahm eine deutsche Beteiligungsgesellschaft die Fabrik, zwei Jahre später ging die Firma wieder zurück an die Familie Soin. (FS)

«Der Produktionsstandort Schweiz ist für ein vergleichsweise kleines Unternehmen teuer», betont denn auch Soin. Er, Sohn der indischen Industriellenfamilie Soin, welche die Papierfabrik 2009 übernommen hatte, leitet seit Anfang 2017 als CEO das Unternehmen (siehe links). Mit der erwähnten Konzentration auf hochwertige technische Spezialpapiere sei man in einem ausgesprochenen Nischenmarkt aktiv. «Hier ist es möglich, sich mit guter Qualität, hoher Lieferbereitschaft und gutem Service auf dem Markt behaupten zu können.»

Stabiler Personalbestand

Rückblickend betrachtet sei die einschneidende Massnahme im Herbst 2011 richtig gewesen, glaubt Soin. Damals legte die Swiss Quality Paper AG eine der beiden Papiermaschinen still. Auf ihr produzierte die Firma Massenware wie Tissuepapiere (Servietten, Tischtücher). Der Betrieb fuhr Verluste ein, über 50 der 120 Arbeitsplätze gingen verloren und es kam zu Entlassungen. Ohne die Fast-Schliessung wäre die Existenz des ganzen Betriebes stark gefährdet gewesen, ist Soin überzeugt.

Mit 67 Mitarbeitenden sei man heute personalmässig optimal organisiert. «Ein Stellenabbau ist beim aktuellen Geschäftsverlauf kein Thema», versichert Soin. Vielmehr sorgt er sich um den Erhalt des beruflichen Know-How. Einige Fachkräfte würden in den kommenden Jahren pensioniert. Es gelte nun, bereits heute entsprechende Spezialisten zu finden, um die Weiterproduktion zu ermöglichen.

Wird die Papierfabrik im unverändert schwierigen Markt auch noch in zehn Jahren existieren? «Ja», versichert Soin, der inzwischen auch in Balsthal wohnt. «Aber welches Papier gefertigt wird, ist angesichts der rasanten Entwicklung in der Papierbranche offen.»

Fabrikareal ist zu gross

Noch offen ist die Zukunft eines Teils des Firmengeländes. Das Areal der in den vergangenen 20 Jahren geschrumpften Papierfabrik sei zu gross. Deshalb arbeite man an einem Plan, die Hälfte des rund 3,5 Hektaren grossen Areals mitten im Dorf umzunutzen, etwa für Wohnen oder Kleingewerbe. Abhimanyu Soin legt entsprechende Planskizzen auf den Tisch. Einen Zeitplan gebe es nicht. «Die Idee steckt erst in der Projektphase.»

Aktuelle Nachrichten