Derzeit ist die SBB daran, die Stellwerktechnik und die Bahninfrastruktur auf der Strecke Olten Hammer bis Luterbach Attisholz zu erneuern. Im Rahmen dieser Arbeiten werden westlich des Oensinger Bahnhofs vier Weichen umgebaut sowie deren zwei neu eingebaut. Für die Koordination dieser Arbeiten ist der SBB-Ausführungsverantwortliche Bruno Hofmann zuständig. Mit den vor etwas mehr als einer Woche angelaufenen Arbeiten hat die SBB den europaweit tätigen Schweizer Bahntechnikkonzern Sersa Group beauftragt. «Wir haben nicht das Personal und die nötigen Gleisbaumaschinen, um diese Arbeiten selbst auszuführen», sagt Hofmann zu dieser seit Jahren erfolgreichen Zusammenarbeit.

Sersa Group ist in Oensingen mit 13 Leuten und schwerem Gerät präsent. Zum Einsatz gelangen auch Spezialmaschinen wie etwa die Schotterreinigungsmaschine, in der SBB-Sprache WRM genannt. Ein Spezialgerät steckt auch hinter dem Namen «WTW», was nichts anderes heisst als Weichentransportwagen. Auf diesen werden die in der SBB-Werkstätte in Hägendorf vorfabrizierten neuen Weichen angeliefert. Die Schwellen dieser über 20 Meter langen Weichen bestehen ausschliesslich aus vorgespannten Betonbauteilen. Eine Technik, die sich bewähre und robust sei, erwähnt Hofmann dazu.

Arbeiter gehen auf Nummer sicher

Bevor die Weichen eingebaut werden können, müssen die alten Gleise entfernt und der Untergrund vorbereitet werden. «Hier müssen wir noch 40 Zentimeter tiefer graben und danach eine 30 Zentimeter dicke Sandschicht sowie 20 Zentimeter Schotter auftragen», sagt Sersa-Equipenchef Hansruedi Gehrig, worauf der 22-Tonnen-Bagger in Stellung gebracht wird. Allerdings geschieht die Verschiebung dieser Maschine nicht ohne das Einverständnis von Heinz Egger, der als SBB-Sicherheitschef für sämtliche Arbeiten auf der Baustelle zuerst sein Okay geben muss. Er gehört zu den 14 Einsatzkräften der SBB, welche die Mitarbeiter der Sersa Group im technischen sowie im Sicherheitsbereich unterstützen.

Der Sicherheitswärter weiss jeweils ganz genau, wann der nächste der täglich rund 700 Züge die Baustelle passieren wird oder mit Bewegungen im Cargo-Bereich zu rechnen ist. Diese Infos bekommt er von zwei Vorwarnern, welche die Baustelle auf beiden Seiten visuell absichern, sowie von der Leitstelle. Freie Fahrt haben die Züge allerdings nur, wenn der Sicherheitswärter der SBB die eingehenden Meldungen quittiert. Geschieht dies aus irgendeinem Grund nicht, stoppt der Vorwarner den nahenden Zug. Dieser Sicherheitsmechanismus wird in jedem Fall eingehalten, wie Hofmann betont. «Wir können uns keine Fehler erlauben, sonst gibt es Verletzte oder sogar Tote.»

Nicht selten müssen deswegen die Arbeiten auf der Baustelle für einige Minuten eingestellt werden. Bei den Fahrgästen im Zug kommt dann ob den vielen wartenden Leuten auf der Baustelle der Eindruck auf, dass hier nicht gearbeitet, sondern Geld verschwendet wird. «Mit diesem in Tat und Wahrheit nicht zutreffenden Klischee müssen wir aus Sicherheitsgründen leben», sagt Bruno Hofmann zu dieser oft gehörten Einschätzung.

In der ganzen Schweiz unterwegs

Gearbeitet wird in Oensingen in zwei sich überschneidenden Schichten von 6.30 bis 22 Uhr. Die teilweise lauten Bauarbeiten können wegen des dichten Zugverkehrs tagsüber vielfach nur nachts ausgeführt werden. So auch am vergangenen Wochenende. Seit Freitag um 23.30 Uhr wird eine Sonderschicht gefahren, welche um 5 Uhr endet.

«Wir sind uns solche Einsätze gewohnt», sagt Hansruedi Gehrig, der seit 40 Jahren in der ganzen Schweiz für die Sersa Group als Gleisbauer unterwegs ist. «Wir führen halt ein Zigeunerleben», meint der 58-Jährige, der meist in Hotels absteigt. Nach seinem Einsatz in Oensingen, der am 4. August enden soll, wird Gehrig zwei Tage in Läufelfingen BL Gleisbauarbeiten für seine Firma an die Hand nehmen. «Dann steht Chiasso auf dem Programm», meint er mit einem breiten Lachen im Gesicht, um sich danach wieder seiner Arbeit zu widmen.