Geduld. Das brauchten die Besucher des diesjährigen Zibelimärets am vergangenen Wochenende in Oensingen. Denn wer sich auf den Anlass freute, musste erst einmal den mühsamen Weg hinter sich bringen, den Stau, der sich teilweise bis in die Nachbardörfer erstreckte und die langwierige Suche nach einem Parkplatz. Erst dann konnten die Besucher die bunten Lichter, das vielfältige Essen und das gemütliche Zusammensein am 50-jährigen Anlass geniessen.

In diesem Jahr führte das Organisationskomitee um Hans Schnider ein neues Verkehrskonzept ein. Der Druck des Kantons aufgrund von Beschwerden der Nachbargemeinden wurde zu gross. Deshalb führte die Umfahrung nun durch Oensingen selbst. Durch die Nähe zur Autobahn, auf welcher es am Samstag ebenfalls zu mehreren Staus kam, kam es auch auf den Nebenstrassen zu schleichendem Verkehr.

Umstellung in Verkehrsführung

Für die Standbetreiber bedeutete die neue Verkehrsführung ebenfalls eine Umstellung. «Die hat uns alle auf Trab gehalten», sagt OK-Präsident Schnider lachend. «Bei einigen hat die Ablösung nicht geklappt, weil sie nicht pünktlich am Märet ankamen.» Deshalb findet das Konzept bei einigen Betreibern wenig Anklang. «An eine Umstellung muss man sich gewöhnen. Dem Einen gelingt das besser als dem Anderen», meint Schnider schlicht.

Die Kantonspolizei Solothurn kann zu der neuen Verkehrsführung noch keine genaue Stellungnahme abgeben. «Die Erfahrungen aus diesem Jahr werden mit dem Veranstalter besprochen und sind für künftige Veranstaltungen zu berücksichtigen», sagt Andreas Mock, Leiter Kommunikation und Medien. Schliesslich sei aber nicht der Zibelimäret ausschlaggebend für die Staus gewesen, sondern die Autobahn.

Neue Konzepte sollten verbessern

Eine Neuerung führte das OK auch am Mehrwegskonzept durch. Bereits im Jahr 2016 gaben die Standbetreiber Getränke nur noch in Mehrwegbechern ab. In diesem Jahr wurde das Konzept um Geschirr und Besteck erweitert. «Dass wir weniger Abfall haben, ist der Verdienst jedes Einzelnen», lobt der Präsident. Denn die Vereine hätten sich, bis auf wenige Ausnahmen, an das Konzept gehalten.

Trotz der guten Zusammenarbeit der Vereine und den neuen Konzepten, die der Verbesserung des Zibelimärets dienen sollten, kamen weniger Besucher nach Oensingen als in den letzten Jahren. Einzig der Samstag war sehr gut besucht. Aber bereits am Sonntag spielte das Wetter nicht mehr mit. Starke Winde und Regen machten den Veranstaltern zu schaffen.

So mussten am Sonntagmorgen auch einige Zelte wieder neu aufgebaut werden, die unter den Böen gelitten hatten. «Das Wetter machen wir nicht selber. Und doch hat es einen grossen Einfluss auf den Erfolg des Märets», so Schnider. Für die umliegenden Restaurants brachte das schlechte Wetter jedoch Vorteile: Sie waren zum Bersten gefüllt.

Besucher vermissten Stand

Wer draussen an den Ständen nach Crêpes suchte, wurde zum ersten Mal nicht mehr fündig. Der Badminton-Club, der den Stand normalerweise betreibt, hatte kurzfristig abgesagt. So ist der Stand auf dem Lageplan des Zibelimärets zwar vermerkt, auf der Strasse klaffte jedoch ein Loch.

«Der Badminton-Club wollte schon am Samstag vorher den Stand aufbauen», erzählt Schnider. «Aber wir konnten das erst am Mittwoch zulassen.» Deshalb wohl die kurzfristige Absage. Auf der Internetseite des Klubs lautet die Begründung folgendermassen: «Aus organisatorischen Gründen und den neuen Auflagen beziehungsweise Verordnungen verzichtet der BC Oensingen auf eine Teilnahme.»

Den Besuchern fiel auf, dass der Stand fehlte. So meldeten sich denn mehrere Leute auf der Facebook-Seite von Oensingen und fragten nach dem Crèpes-Stand. Uneinig waren sich die User auch über den Fortbestand des Märets. «Es ist einfach nicht mehr das, was es einmal war», schrieb ein Besucher.

Auch Schnider gibt zu: «Wir hatten schon bessere Jahre.» Aber die Bilanz könne man nicht aus einem einzelnen Jahr ziehen. «Dafür müssen wir betrachten, wie sich der Zibelimäret über mehrere Jahre hinweg verändert.»