Rund 4000-jährig ist das «Tal des Baltso» mit den zwei weissen Schlangen auf dem blauen Wappen. Die Gemeinde mit etwas mehr als 6100 Einwohnern gehört zu den zehn grössten auf solothurnischem Boden und ist Mittelpunkt des Thals. Entgegen seiner unscheinbaren Präsenz - versteckt hinter der ersten Jurakette - hat das Dorf doch einiges zu bieten.

Davon überzeugt ist zumindest der gebürtige Balsthaler Stephan Berger, der mit seinem Herzensort in der Sendung des Schweizer Fernsehens «Mini Schwiiz, dini Schwiiz» gegen vier weitere Solothurner Gemeinden antritt: Solothurn, Grenchen, Flüh und Oensingen. Im 30-jährigen Salonwagen der OeBB am Balsthaler Bahnhof, der ebenfalls einige Minuten Fernsehpräsenz geniessen wird, gibt der 50-Jährige gemeinsam mit dem OeBB Geschäftsführer Markus Schindelholz einen Einblick hinter die Kulissen der Sendung.

«Das ganze kam für mich recht überraschend», beginnt er. Letzten August habe er einen Anruf der Geschäftsstelle des Naturparks Thal erhalten, die damals eine Anfrage des SRF pendent hatte. Das Fernsehen sei auf der Suche nach einem Kandidaten aus Balsthal für die Sendung «Mini Schwiiz, dini Schwiiz», der eng mit seiner Gemeinde verbunden ist und sich aktiv am Dorfleben beteiligt. Dass sich der Naturpark an den Oberamtvorsteher der Amtei Thal-Gäu wendet, überrascht nicht: Der gelernte Kaufmann und Mediator hat seine gesamte Ausbildung ausschliesslich im Thal absolviert und engagiert sich heute in der Organisation diverser regionaler Anlässe sowie als Präsident des Balsthaler Feuerwehrveteranen-Vereins.

Ein weiteres Kriterium des SRF jedoch sei die zeitliche Flexibilität des Kandidaten gewesen: Er müsse bereit sein, eine Woche Freizeit für die Dreharbeiten zu opfern. «Das war wegen der Kurzfristigkeit nicht einfach zu koordinieren», erzählt Berger weiter. Verständlich, denn nach nur einer Woche sei das Kamerateam bereits für erste Probeaufnahmen vor der Türe gestanden. Die Sendung sei kurz darauf im September aufgenommen worden. «Ich habe es als Chance gesehen, Balsthal und den Naturpark Thal der ganzen Schweiz zu präsentieren», erklärt Stephan Berger seinen Beweggrund für die Teilnahme.

Geduldsprobe bis Mitternacht

«Mini Schwiiz, dini Schwiiz» ist die Nachfolgesendung zu «Mini Beiz, dini Beiz» und funktioniert ungefähr nach demselben Prinzip: Pro Staffel treten fünf Vertreter verschiedener Gemeinden eines Kantons gegeneinander an. Ziel ist es, den anderen Kandidaten im Verlauf eines Tagesdrehs sein Dorf vorzustellen und ein möglichst unvergessliches Erlebnis für sie zu kreieren. Am Ende des Tages beurteilen die Kandidaten ihr Erlebnis mit Punkten.

Der Gewinner am Ende der Woche darf sich schliesslich über 1000 Franken freuen. «Es war nicht einfach, eine Auswahl der Programmpunkte zu treffen: Balsthal hat so vieles zu bieten», sagt Berger lachend. In den Kategorien Tradition, Freizeit und Kulinarik habe er jeweils zwei Vorschläge bringen müssen, aus welchen dann die SRF-Redaktion eine Auswahl traf. «Bis kurz vor den Dreharbeiten wussten wir daher nicht, was genau gedreht wird.» Die Dreharbeiten haben an seinem Gastgebertag um 10 Uhr begonnen und erst um Mitternacht geendet. «Wir hatten aber einen minuziösen Plan», sagt Berger.

Dass dieser aber mehr als Richtlinie diente und nicht der Wirklichkeit entsprach, daran erinnert sich der Geschäftsführer der OeBB Markus Schindelholz noch sehr gut. Mit der Hilfe von drei Angestellten der OeBB holte er den «Chluser Schnägg» sowie zwei alte Salonwagen im Anhang aus dem Depot, um den «Konkurrenten» ein Spektakel bieten zu können. Die Lok habe zu ihrer Zeit 34 Jahre lang als Werklokomotive der von Roll gedient, weiss Schindelholz. Sie sei fester Bestandteil der 120-jährigen Geschichte der OeBB und somit auch von Balsthal.

Doch nicht alles lief an diesem Tag so geschmiert wie die Oldtimer-Lok: «Wir mussten relativ lange auf das Filmteam warten», sagt er. Immer wieder musste das Lok-Team während der stundenlangen Wartezeit Druck aus dem Dampfkessel der Lok ablassen. Nervös machten die Männer zusätzlich die Bauarbeiten in der äusseren Klus. «Wir wussten, dass dort gebaut wird und die Lichtsignale sowie die Bahnübergangsanlage ausgeschaltet sein werden am Abend.» Stunden später erschien schliesslich auch die Filmcrew. «Ich hatte ein schlechtes Gewissen den Kollegen der OeBB gegenüber», sagte Berger etwas verlegen. «Der Dreh der Programmpunkte nahm viel Zeit in Anspruch. Jede Szene wurde mehrmals gedreht, damit der Kameramann genug Filmmaterial hat.

Probieren bis es sitzt

Anfahren, anhalten, zurückfahren – anfahren, anhalten, zurückfahren. Auch die Dreharbeiten mit der Lokomotive seien laut Schindelholz eine kleine Geduldsprobe gewesen. «Sie haben probiert, die Lok möglichst spektakulär zu inszenieren», erinnerte er sich. Jeder Winkel der Lok sei mit einer GoPro-Kamera ausgestattet worden. «Ich hatte Angst, dass es sie irgendwann einfach wegfegt», sagt er halb belustigt, halb ernst. Spektakel hin oder her, auch simple Handlungsabläufe, wie das Ein- und Aussteigen wollen richtig gedreht sein. Naheinstellung, Weitwinkelaufnahme – so dauert selbst das Betreten des Salonwagens locker einmal fünfzehn Minuten. «Aber ich durfte ja zuschauen. Daher war es für mich sehr amüsant und interessant», sagt der Geschäftsführer der OeBB leicht neckisch. Wegen der erfolgten Verspätung sei allerdings auf der Rückkehr von Oensingen mit der historischen «Chluser Schnägg» dann auch die schlimmste Befürchtung eingetreten: «Alle Lichtsignale in der äusseren Klus waren bereits ausgeschaltet, auch die Barrieren.» Ein Lotse habe sich wegen der Bauarbeiten um einen problemlosen Ablauf kümmern müssen. «Ich bin gespannt, welche Aufnahmen es tatsächlich in die Sendung geschafft haben», sagt Schindelholz.

Was tatsächlich ausgestrahlt wird, das erfahren Gastgeber Stephan Berger und Markus Schindelholz erst bei der Erstausstrahlung am 3. Juni. «Mir ist wichtig, dass an meinem Gastgebertag rüberkommt, was mir persönlich wichtig gewesen ist. Die Traditionen, die ich gezeigt habe, sollen auch richtig vorgestellt werden.» Besonders die Erwähnung der «Samichlaus»-Tradition der Gemeinde liege Stephan Berger am Herzen. «Mir ist klar, dass nicht alles in den 23 Minuten Platz finden kann. Aber ich wäre enttäuscht, wenn das nicht kommt.»

Schindelholz ergänzt: «Wir wollten zeigen, dass Balsthal neben der Natur noch viel mehr zu bieten hat.» Seit dem Dreh in September herrscht für die beiden jedoch Schweigepflicht zum Inhalt der Sendung. Aber auch über den Einsatz des hypothetischen Gewinns schweigt Berger. Lässt sich vielleicht eine kleine Überraschung vermuten?