Welschenrohr
Wingeier-Haus ist aus dem Ortsbild verschwunden

Das alte Bauernhaus an der Balmbergstrasse wurde abgebrochen. Mit ihm verschwindet auch ein Stück Dorfgeschichte.

Walter Schmid
Merken
Drucken
Teilen
Das Wingeier-Haus wird mit einem Abbruchbagger fachgerecht zerlegt.

Das Wingeier-Haus wird mit einem Abbruchbagger fachgerecht zerlegt.

Walter Schmid

Mit dem Abbruch des alten Bauernhauses an der Balmbergstrasse ist eines der ältesten Gebäude aus dem Welschenrohrer Dorfbild verschwunden. Seit einiger Zeit stand das baufällige Gebäude leer, nachdem der letzte Mieter ausgezogen war. Er machte noch Schlagzeilen mit der Haltung seiner Tiere, die oft im Dreck standen und einen verwahrlosten Eindruck hinterliessen.

Grundstück in der Gewerbezone

Vor Jahrzehnten betrieb die Familie Wingeier den Kleinbauernbetrieb, daher auch der Dorfname für das Haus. Nach der Aufgabe der Landwirtschaft wurde die Liegenschaft verkauft. Lange Zeit war das Wohnhaus noch vermietet.

Da Gebäude und Umschwung mit einer Fläche von 5611 Quadratmetern in der Gewerbezone liegen, versuchten verschiedene Interessenten das Grundstück zu erwerben, erhielten jeweils einen negativen Entscheid. Einzig die Firma Bimbosan konnte für ihren Erweiterungsbau einen Streifen erwerben.

Auch im Rahmen der Revision der Ortsplanung machte man sich Gedanken über das eingezonte Grundstück und fasste gar eine Rückzonung ins Auge, falls das Areal nicht überbaubar wäre. Schliesslich meldete sich die Eigentümerin bei der Gemeinde und bot die Liegenschaft zum Verkauf an.

Nach den Kaufverhandlungen einigte man sich auf einen Kaufpreis von 90 Franken pro Quadratmeter. Die Budgetgemeindeversammlung vom vergangenen Juni stimmte dem Kredit in der Höhe von rund 500 000 Franken zu. Dazu kommen noch die Kosten für den Abbruch des baufälligen Gebäudes im Rahmen von 50 000 Franken.

Abbruch in den Herbstferien

Bereits wenige Monate nach der Gemeindeversammlung ist der Abbruch vollzogen. Man hat dazu die Herbstferien der Schulen gewählt, damit die Kinder nicht unnötig den Gefahren ausgesetzt wurden. Arbeiter und Maschinen der Firma Dörflinger sind im Einsatz und brechen das Gebäude fachgerecht ab. Das Material wird sortiert und vorschriftsgemäss entsorgt. Somit verfügt nun die Gemeinde wieder über Baulandreserven in der Gewerbezone und hat folglich die Möglichkeit über Neubauten zu entscheiden.

Früher Mühle oder Säge?

Ob bei der Liegenschaft früher eine Mühle oder eine Säge betrieben wurde, geht aus der Dorfchronik nicht schlüssig hervor. Fest steht, dass sowohl am Mühlebach wie auch am Schafbach Mühlen bestanden. Der Chronist vermutet, dass diese Mühle aufgrund eines Lehensbriefs bis ins 17. Jahrhundert in Betrieb war, die Sägerei sogar bis zu Beginn des 19. Jahrhunderts. Daraufhin deutet der Dorfname «Sagekarlis» und «Sagehüsli».

Hinweise kamen beim Abbruch nicht zum Vorschein. Zu den Bewohnern im Bauernhaus schreibt Armin Allemann in seiner Broschüre «Vom Rosinlithal: «Vis-à-vis des Schulhauses hiess es ‹Bis Briefträgers äne›. Hier wuchs eine Briefträgergeneration auf. Karl Allemann, leicht behindert, mit üppigem Vollbart, besorgte treu seinen Dienst. Seine Söhne Bernhard und Karl wurden ebenfalls Briefträger. Der Verdienst war nicht allzu gross. Deshalb betrieben die Familien nebenbei einen Bauernbetrieb.»