Die Stiftung Landschaftsschutz Schweiz (SL) setzt sich gegen Windenergieanlagen auf der ersten Jurakrete zur Wehr. «Ein absolutes No-Go für uns», versicherte SL-Geschäftsführer Raimund Rodewald. Der streitbare Lobbyist war in Balsthal Gastreferent an der 1. Generalversammlung des vor einem Jahr in Laupersdorf gegründeten Vereins Thaler Landschaft ohne Windräder (TLoW). Rodewald beglückwünschte den Gemeinderat von Laupersdorf mit TLoW-Vorstandsmitglied Edgar Kupper an der Spitze zum am letzten Montag gefällten Entscheid, das Nutzungsplanverfahren für einen Windpark auf der Schwängimatt einzustellen. «Bei diesem Standort», versicherte Rodewald, «hätte ich das Rekursrecht voll ausgeschöpft.» Die Auswirkungen wären hier enorm – bei minimalem Ertrag, betonte er. Der Jura sei die Schweizer Landschaft mit der grössten Horizontwahrnehmung und in der Juraschutzzone hätten Windräder schlicht keinen Platz. Seiner Meinung nach ist die Juraschutzzone den im Bundesinventar der Landschaften und Naturdenkmäler von nationaler Bedeutung (BLN) aufgeführten Gebieten ebenbürtig.

Dass Rodewald und der vom Solothurner FDP-Nationalrat Kurt Fluri präsidierten Stiftung der Kampf für die Unversehrtheit der Schwängimatt-Silhouette auf Dauer erspart bleibt, ist keineswegs so sicher. Wohl ist nach dem Übungsabbruch durch den Gemeinderat Laupersdorf die im Besitz der Services Industrielles de Genève (SIG) befindliche Ennova SA aus Le Landeron so gut wie weg vom Fenster, doch hat der auf der Schwängimatt ansässige örtliche Initiant Jürg Lehmann diese Woche wiederholt gegenüber Medien verlauten lassen, dass er, wenn irgendwie möglich, mit neuen Investoren für sein Projekt weiterkämpfen wolle.

Erst ein Meilenstein

Der an der Generalversammlung zusammen mit dem ganzen Vorstand bestätigte TLoW-Präsident Roland Stampfli, sprach denn auch bloss von einem ersten positiven Schritt, einem Meilenstein. Eine neue Investorengruppe, sagte Vizepräsident Kurt Bader, werde es aber schwerer haben als die Ennova. Klar sei inzwischen nämlich, dass künftige potenzielle Investoren ihr Dossier nicht nur in Laupersdorf, sondern auch in Balsthal einzureichen hätten. Gemeindepräsident von Balsthal, wo der Widerstand eher noch heftiger ist als in Laupersdorf, ist TLoW-Präsident Roland Stampfli.

Windpark Grenchenberg

Ein anderes, relativ weit fortgeschrittenes Projekt auf der ersten Jurakette ist der Windpark Grenchenberg. Da der TLoW ein junger Verein ist, war er hier noch nicht einspracheberechtigt. Einsprache machte dafür die Interessengemeinschaft Naturschutz Thal (INT). «Relativ salopp», meinte Kurt Bader, hätten die Städtischen Betriebe Grenchen die Einsprachen abgewiesen. Die INT und andere Einsprecher würden daher an ihren Einwendungen festhalten und den Rechtsweg via Verwaltungsgericht und Regierungsrat beschreiten. Max Rütti, der (aus Sorge um das Wasser aus den Quellen im Karstgebiet) als Privatperson Einsprache gemacht hatte, gab bekannt, dass ihm gedroht worden sei, wenn er seine Einsprache nicht zurückziehe, habe er mit Gebühren und andern Kosten zu rechnen.

Auch die Stiftung Landschaftsschutz war beim Projekt Grenchenberg tätig geworden. Mit ihrem Vorschlag, kantonsübergreifend zu planen und die Anlagen in Richtung des geplanten bernischen Windparks Montoz–Pré Richard – und damit von der Krete weg – zu versetzen, stiess sie laut Rodewald in Grenchen aber auf keine Gegenliebe.

Kein Ausstieg aus dem Landschaftsschutz

Ohne Vereine wie der TLoW mit seinen aktuell rund 125 Mitgliedern seien die SL-Leute immer «Fremde vor Ort», erklärte Rodewald. Und wie der Thaler Verein halte auch er die erneuerbaren Energien grundsätzlich für eine gute Sache – aber nicht für ein Allerweltsheilmittel. Der Ausstieg aus der Atomkraft dürfe nicht den Ausstieg aus dem Natur- und Landschaftsschutz bedeuten. Rund 800 Windkraftanlagen der Top-Klasse seien in der Schweiz nötig, um die punkto Windkraft in der Energiestrategie vorgesehenen Ziele zur erreichen. Der Verzicht auf Kleinanlagen sei richtig, aber dass die Anlagen möglichst hoch sein müssten, sei für ihn auch keine Antwort. «Ich fürchte», so Rodewald, «dass wir in 20, 30 Jahren neue Atomkraftwerke haben – die Landschaft mit Windrädern zugepflastert und die Umwelt mit Kohlekraftwerken zerstört ...»