Abstellplätze für Lastwagen oder Anhänger sind rar, vor allem entlang der Autobahn. Deshalb verwundert es nicht, dass findige Chauffeure immer neue Plätze ausmachen, wo sie ihre Fahrzeuge für einige Stunden abstellen können. Problemlos geht das zum Beispiel ausgangs Egerkingen an der in Richtung Hägendorf führenden Kantonsstrasse H 5. Auf dem südlich der H 5 angelegten Flurweg herrscht an Werktagen reges Kommen und Gehen. Abgestellt werden vor allem Anhänger, welche dann im Verlauf des Tages wieder abgeholt werden.

Die Kolonne abgestellter Fahrzeuge, darunter auch immer mehr Lastwagen, wurde in jüngster Zeit immer länger und erstreckt sich in Spitzenzeiten einige Hundert Meter in Richtung Olten. Sehr zum Ärger der Landwirte, die ihre Felder nicht mehr über die dafür vorgesehene Flurstrasse erreichen können oder wegen der schlechten Übersicht bei der Querung der H 5 mit dem Traktor mehr Risiko auf sich nehmen müssen. «Die parken mir fast die Einfahrt zu», sagt Jörg Aregger vom Hüslerhof. «Es ist wieder schlimmer geworden, bemerkt der 35-jährige Landwirt. Ein italienischer Lastwagen sei kürzlich vier Tage dort gestanden.

Verbotstafeln sind bestellt

Manchmal muss Aregger zur Selbsthilfe greifen. Etwa wenn ein Anhänger den Weg versperrt. «Den ziehe ich mit dem Traktor an einen anderen Platz.» Dank Druckluftaggregat sei das kein Problem. Dennoch hält Aregger fest: «Das ist ein Feldweg und kein Parkplatz.» Er habe das auch schon der Gemeinde gemeldet. Nun soll es endlich ein Parkverbot geben. Ein solches brauche es auch auf der Nordseite, wo auch immer wieder Fahrzeuge abgestellt würden.

Markus Thommen, Bereichsleiter Bau, bestätigt, dass in den nächsten Wochen Parkverbotstafeln aufgestellt werden. «Die Signale sind bestellt, wir warten nur noch auf die Auslieferung.» Montiert werden diese von den Werkhofmitarbeitern.

Parkverbot im Frühjahr beschlossen

Dem Gemeinderat sei das Problem bekannt gewesen. Das Ganze hat sich schleichend zu einem Problem entwickelt, so Thommen. Der Rat habe sich im Frühjahr für ein Parkverbot ausgesprochen, das auch vom Kanton abgesegnet worden sei. Auch auf der Nordseite ist ein Parkverbot vorgesehen. Dort sei das Problem zurzeit aber weniger akut, sagt Thommen.

Landwirt Ernst Schneider vom Schlegelhof findet es richtig, dass auch auf der Nordseite ein Parkverbot gilt. Sonst wechselten einige Chauffeure einfach die Seite. Am Treiben auf der Südseite der H 5 hat der 52-Jährige keine Freude, zumal die Lastwagen beim Manövrieren immer wieder Landschäden verursachten. «Am Schluss ists keiner gewesen» so Schneider.

Die Schuld, dass die Flurwege an der Kantonsstrasse zu Lastwagenparkplätzen mutierten, ortet Schneider beim Kanton. Dieser habe es versäumt, auf der Südseite auch einen befestigten Radweg zu bauen. Dieser hätte den Flurweg klar abgetrennt, findet Schneider. Die aktuelle Situation lade Lastwagenfahrer geradezu dazu ein, ihre Fahrzeuge auf dem Feldweg abzustellen. «Ich glaube, der Kanton hat es darauf angelegt, dass es so herauskommt, oder nimmt es zumindest billigend in Kauf», moniert der Landwirt in Richtung Solothurn. Er selbst sei aber auch nicht ganz unschuldig, räumt Schneider ein. «Als das Projekt für die Sanierung der Kantonsstrasse auflag, haben wir uns nicht darum gekümmert. Nun müssen wir mit den Folgen leben.»

Kanton unterstützt Gemeinden

«Das war ganz klar nicht unsere Absicht», sagt Peter Portmann vom Amt für Verkehr und Tiefbau (AVT) zur von Schneider reklamierten Situation an der H5. Der Kanton werde die weitere Entwicklung verfolgen und die betroffenen Gemeinden im Bestreben, die Lastwagen von den Flurwegen wegzubringen, unterstützen, führt der Leiter Projektmanagement Kreis II dazu aus.

Dafür muss allerdings zuerst der Gemeinderat einer betroffenen Gemeinde aktiv werden, wie Rolf Ziegler, Leiter Verkehrsmassnahmen AVT, auf Anfrage dazu erklärt. Um ein Parkverbot aufstellen zu können, brauche es wie in Egerkingen einen Beschluss des Gemeinderates. Die Bewilligung durch den Kanton sei dann in der Regel nur noch eine reine Formsache. «Wenn die Gemeinde mit ihrem Gesuch nicht völlig daneben liegt, unterstützen wir solche Anliegen», so Ziegler. Das gelte auch für Hägendorf, falls sich das Problem mit parkierenden Lastwagen nach der Platzierung der Parkverbote in Egerkingen in Richtung Osten verlagern sollte. Hägendorf würde dieser Entwicklung nicht tatenlos zusehen, wie Gemeindepräsident Albert Studer auf Anfrage erklärt. Im Moment gebe es aber keinen Handlungsbedarf.