Oensingen

Wie weiter? Wasserpumpwerk Moos droht Schliessung

Das Grundwasserpumpwerk Moos in der Industrie wurde in den 60er Jahren gebaut. Auf dem Schutzzonenplan unten sind die Schutzzonen ersichtlich

Das Grundwasserpumpwerk Moos in der Industrie wurde in den 60er Jahren gebaut. Auf dem Schutzzonenplan unten sind die Schutzzonen ersichtlich

Das Wachstum der Industriezone bringt die Gemeinde Oensingen in Zugzwang bei der Suche nach Wasserbezugsquellen. An der Sitzung vom vergangenen Montag hat der Gemeinderat darüber beraten.

Die Gemeinde Oensingen verfügt über Trinkwasser von hervorragender Qualität. Dieses stammt zum grössten Teil aus dem Grundwasserpumpwerk Moos, das in den 60er Jahren in der damals noch spärlich überbauten Industriezone südlich der Autobahn errichtet wurde.

Aktuell werden jährlich aus 40 Metern Tiefe rund 1,4 Mio. Kubikmeter Wasser gefördert. Das soll sich auf Verlangen des Kantons ändern, wie Gemeinderat Georg Schellenberg, Ressortleiter Infrastruktur, an der Gemeinderatssitzung vom Montagabend erwähnte.

Dies, weil beim geplanten Projekt des Fleischverarbeiters Bell (mit Schweinezerlegerei und Parkhaus auf der benachbarten Parzelle Hohlinden) die sogenannte 100-Meter-Regel nicht eingehalten wird. Dabei geht es insbesondere um das Parkhaus, welches weniger als 100 Meter vom Zentrum der Wasserfassung des Pumpwerks zu stehen kommen soll.

«Bell ist nur Auslöser»

Würde diese 100-Meter-Regel vom Kanton angewendet, wären die Bauvorhaben von Bell, weil nicht schutzzonenkonform, gefährdet. Auf Anfrage erklärt Gemeindepräsident Fabian Gloor, dass es bereits bestehende Gebäude gibt, welche die 100-Meter-Regel nicht erfüllen. «Bell ist nicht der Hauptgrund für die Überprüfung der Schutzzone, es die Summe der Konflikte insgesamt», so Gloor.

In Zusammenarbeit mit dem Amt für Umwelt (AFU) wurden deshalb Auflagen erarbeitet, damit die vorgesehene Schutzzone auf der Grundlage der Gesetzgebung dennoch genehmigt werden kann. Geprüft werden soll unter anderem die Reduzierung der Entnahmemenge, die Stilllegung der zwei südlichen Filterstränge des Pumpwerks unter dem erwähnten Parkhaus von Bell sowie der Anschluss an eine regionale Wasserversorgung.

Abschaltung wird zum Thema

Die vorgeschlagene Schutzzonenausscheidung soll gemäss AFU vom Regierungsrat aber nur befristet auf zehn Jahre als Übergangslösung bewilligt werden. In dieser Zeit soll die Gemeinde Ausschau nach einer alternativen Wasserbeschaffung halten. Dies mit Blick auf eine allfällige Abschaltung des Pumpwerks Moos.

Der Fleischverarbeiter Bell will auf der Parzelle Holinden, in der weiteren Schutzzone des Pumpwerkes, einen Neubau errichten

Der Fleischverarbeiter Bell will auf der Parzelle Holinden, in der weiteren Schutzzone des Pumpwerkes, einen Neubau errichten

Im Rat löste diese Vorstellung wenig Freude aus, zumal die Gemeinde hochgradig vom Grundwasserpunkwerk Moos abhängig ist. Für Oensingen kommt in Bezug auf einen möglichen Wasserverbund eher das Thal infrage. Keine Möglichkeit sieht der Rat, auf eigenem Gemeindegebiet oder im Gäu neue Wasserbezugsquellen zu schaffen.

Die Wasserversorgung Gäu komme derzeit wegen der hohen Nitratwerte im Grundwasser nicht infrage. Und eine Verschiebung der Oensinger Wasserfassung in Richtung Osten mache keinen Sinn, weil sich darunter derselbe Grundwasserstrom wie im Gäu befinde.

Beizug von Experten

Schellenberg schlug vor, das Büro BSB + Partner Ingenieure, Oensingen, beizuziehen, um die Vorgaben des Kantons zu erfüllen. Dieses Büro habe Kenntnis von zurzeit laufenden Studien für die Quellwassernutzung im Thal sowie solchen im Gäu. Die im Thal vorhandenen Wassermengen würden ausreichen, um den Oensinger Bedarf abzudecken.

Allerdings gelte es zu bedenken, dass ein Teil dieses Quellwassers in die oft wenig Wasser führende Dünnern geleitet werden müsse. Der Antrag, 30 000 Franken für die Ausarbeitung möglicher Wasserbezugsquellen zu sprechen, wurde vom Rat einstimmig gutgeheissen. Nach Vorliegen der Ergebnisse soll über das weitere Vorgehen entschieden werden.

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Autor

Erwin von Arb

Erwin von Arb

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