An den Wald werden drei wesentliche Anforderungen gestellt. Er soll einen Nutzen abwerfen, er soll Schutzfunktionen erfüllen, und er soll als Erholungsraum der Allgemeinheit dienen. Dabei kommen sich diese verschiedenen Funktionen schnell einmal in die Quere. Die Bevölkerung erhebt den Anspruch, im Wald möglichst viel (unberührte) Natur anzutreffen. Die Waldeigentümer andererseits wollen einen wirtschaftlichen Nutzen erzielen. Hier gilt es, die richtige Balance zu finden. «Wir müssen einen Spagat machen zwischen Ökologie und Ökonomie», brachte es Revierförster Daniel Kleger auf den Punkt.

Ökonomie als Oberthema

Die Ökonomie, das heisst die Wirtschaftlichkeit des Waldes und wie diese erreicht werden kann, war das Oberthema am Gretzenbacher Banntag. Die Bürgergemeinde Gretzenbach hatte am Samstagnachmittag zum traditionellen Waldrundgang eingeladen, und Bürgergemeindepräsident Stefan Scherer konnte rund 70 Interessierte beim Waldhaus auf der Rottannhöhe willkommen heissen. Daniel Kleger, der Revierförster des neben Gretzenbach sechs weitere Niederämter Gemeinden umfassenden Forstreviers Werderamt, hatte einige Posten vorbereitet, wo er verschiedene Aspekte der Waldnutzung erläuterte und vor Ort veranschaulichte.

«Der Wald ist ein Unternehmen», rief Daniel Kleger in Erinnerung, «und wie jedes normale Unternehmen rechnet es mit Kosten und Erträgen». Speziell allerdings beim Wald sei, dass er nur ein Produkt liefern könne – Holz eben. Je nach Qualität könne es als Bau-, Industrie- oder Brennholz verkauft werden. Variieren könne die Produktepalette allenfalls in Bezug auf die Holzart.

Qualitativ gute Artenvielfalt

Nur ist der Wald naturgemäss sehr träge. Bis das Produkt «Baum» reif und lieferbar ist, dauert es gut und gern 100 bis 120 Jahre. Der Förster kann heute nur Bäume auf den Holzmarkt bringen, die seine Vorgänger in den letzten Jahrzehnten herangezogen haben. «Umgekehrt hoffe ich, dass was ich heute pflanze, in 100 Jahren gefragt sein wird», erklärte Daniel Kleger. Sein Rezept lautet deshalb, im Wald eine möglichst breite Artenvielfalt in guter Qualität zu erreichen.

Um den Wald rationell bewirtschaften zu können, muss er gut erschlossen sein. Die gefällten Bäume werden über sogenannte Rückgassen zu den geschotterten Waldstrassen gebracht, wo Lastwagen die Stämme übernehmen und dann auf dem öffentlichen Strassennetz an den Bestimmungsort transportieren.

Das Forstrevier Werderamt hat 62 Kilometer betriebliche Waldstrassen, die unterhalten werden wollen. Die Forstarbeiter müssen Äste und Gras zurückschneiden, damit der Weg nicht zuwächst, Schlaglöcher reparieren und Querrinnen reinigen, damit das Regenwasser abfliessen kann. Für den Unterhalt der Naturstrassen müssen jährlich 60 000 Franken aufgewendet werden. «Für jeden Laufmeter Waldstrasse geben wir jedes Jahr einen Franken aus», rechnete Kleger vor.

Pflege des Jungwaldes

Eine Investition in die Zukunft ist die Pflege des Jungwaldes. Im Tegermoos legte der Sturm Vivian 1990 alle Fichten um. Direkt vor Ort zeigte Daniel Kleger, was seither geschah. «Wir übernehmen die Naturverjüngung», erklärte er. Man liess die Fichten, die sich dort natürlich vermehrten, sich entwickeln. Wo wenig selber aufkam, setzte man 1992 Eichen oder Linden. Dieser Jungwuchs muss von unerwünschten Konkurrenten wie Brombeeren oder schnellwüchsigen Weiden befreit werden, das heisst, die Kraut- und Strauchschicht muss gemäht werden.

Da beispielsweise Buchen besser wachsen als etwa Kirschen oder Eichen, greift man nach sechs bis acht Jahren ein, um eine Artenvielfalt zu erhalten. Nach zwölf Jahren lichtet man erneut aus, um ausgewählten Qualitätsbäumen die optimalen Bedingungen zu schaffen. Schliesslich kann man die Früchte dieser Arbeiten ernten. Im Werderamt mit seinen 130 Hektaren Wald schlagen die Waldarbeiter jedes Jahr die Bäume auf einem Areal von 1,3 Hektaren. Sie ernten damit rund 1400 Kubikmeter Holz. Das entspricht ziemlich genau der Menge, die jährlich nachwächst.