In der Nacht von Montag auf Dienstag fuhren zwei Lastwagen mit Polizeibegleitung von Hohenstein/Oberstetten in Deutschland über die Schweizer Grenze nach Egerkingen. Im Gepäck hatten sie zwei fixfertig vorgefertigte Häuser. Um drei Uhr morgens standen die Schwertransporter dann an der Ramelenstrasse, bereit für die Montage. Um sieben Uhr wurde das Kleinhaus, das direkt neben dem Kran stand, ausgepackt. Dann fallen den Bauarbeitern die Kinnladen runter: Es handelt sich um das obere Modul des doppelstöckigen Kleinhauses, das natürlich erst als zweites installiert werden soll. Doch die Arbeiter behalten einen ruhigen Kopf und manövrieren die zwei Lastwagen in die richtige Position. Um acht Uhr hätte die Montage beginnen sollen, mittlerweile ist es halb zehn. Das untere Modul wird ausgepackt, die Haken befestigt, der Kran ist bereit, die Seile spannen sich. Dann steigt der Kranfahrer aus und schüttelt den Kopf. «Zu windig.»

«Na, so haben wir das eigentlich nicht geplant», sagt Bauleiter Stefan Brüngger lachend. «Aber das Wetter kann man eben nicht beeinflussen.» Seit 2014 führt der Lenzburger das Projekt kleinhaus.ch der Firma PlanProjekt AG. Hergestellt werden die Häuser in Deutschland von der SchwörerHaus KG. Es handelt sich dabei um container-förmige Häuser in Holzständer-Bauweise. «Die Module haben aber ausser der Form nichts mit einem Metallbehälter gemein», sagt Brüngger. Die Wohnelemente werden fixfertig per Lastwagen und Kran angeliefert. Der Kunde kann sein Haus aber trotzdem individuell gestalten. Pro Jahr werden in der Schweiz etwa 100 solcher Häuser gebaut und finanziert. Alle Bauteile entsprechen dabei denen eines normalen Fertighauses. Der einzige Unterschied zu einem Fertighaus ist, dass das Kleinhaus in einer Halle in Deutschland zusammengesetzt wird.

Montage Kleinhaus Egerkingen

Montage eines Kleinhaus in Egerkingen.

«Gleicht dem ‹Stöckli› von früher»

Die Kosten eines solchen Kleinhauses bewegen sich etwa im selben Rahmen, wie die eines Fertighauses. «Das Modul selbst kostet 180'000 Franken», erzählt Brüngger. Dieses bietet 50 Quadratmeter Wohnfläche und hat eine Länge von 14,5 und eine Breite von 4,35 Metern. «Hinzu kommen aber noch die ganzen Nebenkosten. Die Häuser in Egerkingen haben insgesamt etwa 700'000 Franken gekostet.» Obwohl die Häuser in der Halle innerhalb nur eines Monats fertiggestellt werden, dauert es von der Bestellung bis zum tatsächlichen Einzug trotzdem rund ein Jahr. Also etwa gleich lange wie bei einem normalen Hausbau. Der Vorteil eines solchen Hauses besteht folglich weder im Preis noch in der Baudauer. Aber worin dann?

«Wir beobachten, dass vor allem ältere Leute den Trend der Kleinhäuser schätzen», erzählt der Bauleiter. Im Alter sei es schwieriger, ein grosses Haus zu unterhalten. Und doch möchte man nicht auf «etwas Eigenes» verzichten. «Hier bieten Kleinhäuser eine gute Alternative», so Brüngger. «Es ist wie früher das ‹Stöckli›.» Dieses war ein kleines Häuschen neben dem Bauerhof, in dem die Eltern nach der Übergabe des Betriebs an die nächste Generation wohnten.

«Wie Lego für Erwachsene»

Gegen Mittag ist es dann doch noch vollbracht: Der 130-Tonnen-Pneukran hat die beiden jeweils 22 Tonnen schweren Module aufeinandergestapelt. «Es ist fast ein wenig wie Lego für Erwachsene, nicht?», fragt Hans Brüngger, der Bruder des Bauleiters, scherzhaft. Die beiden 3½-Zimmer-Wohnungen sind fünf Meter versetzt, so ergibt sich für den oberen Stock gleich ein Balkon und für den unteren ein Unterstand. Normalerweise sind die Kleinhäuser aber einstöckig. Aufgrund des Zonenreglements an der Ramelenstrasse in Egerkingen musste aber eine doppelstöckige Lösung daher. «Das ärgert uns zwar ein bisschen, aber was will man machen?», meint Bauherr Philipp Fischer. Er wird das obere Kleinhaus beziehen, seine Schwester Gabriela das untere. «Sie hat vor vier Jahren im Oltner Tagblatt einen Bericht über Kleinhäuser gelesen und meinte, das wäre doch was für uns», erzählt Fischer. Das Geschwisterpaar wollte sein Elternhaus verkaufen und suchte etwas Neues. «Also schauten wir uns das Muster-Kleinhaus an und waren sofort Feuer und Flamme.»

Nachdem die beiden Häuser nun auf dem vorgefertigten Fundament montiert sind, werden die Anschlüsse installiert. Für diese wurde im Fundament bereits alles ausgelegt, sodass die Anschlüsse zwischen Haus und Boden nur noch verbunden werden müssen. Um die Küche, das Bad oder den Einbauschrank müssen sich Philipp und Gabriela Fischer nicht mehr kümmern, nur die Einrichtung fehlt noch. «In einer Woche sind sie bezugsbereit», so Brüngger. Stolz schwingt in seiner Stimme mit. «Ist eben doch alles ein wenig einfacher mit so einem Kleinhaus.»