Im Guldental kennen ihn gewiss alle: Josef Scacchi, im Dorf als «Scacchi Sepp» bekannt, der Mümliswiler Mundartautor. Der Historische Verein Guldental hat im Rahmen seines Projektes «Guldentaler Kunstschaffende» alle, die sich mit dem hellwachen 90-jährigen Verseschmied verbunden fühlen, kürzlich zu einer Würdigung ins Martinsheim in Mümliswil eingeladen. Ðas kurzweilige Programm mit vielen Überraschungen wurde dem mannigfachen Wirken von «Scacchi Sepp» gerecht.

Scacchi war auch Schultheiss

‹Zum Auftakt sangen Drittklässler unter der Leitung von Peter Haefeli einige Lieder in der Guldentaler Mundart. Anschliessend erhielten die zahlreichen Gäste von Vereins-Präsident Fredi Fankhauser einen kurzen Einblick in das private und berufliche Leben des Geehrten. Auch das Wirken in der Freizeit in und für die Gemeinde Mümliswil-Ramiswil wurde erwähnt. Der Kommentar von Scacchi dazu kam kurz, trocken und mit einem Lächeln auf dem Gesicht: «Ich habe ja gar nichts in der Freizeit gemacht, weil ich nie freie Zeit hatte.» Doch ein altes Theatervideo bewies, das Sepp in der Rolle als Schultheiss von Solothurn durchaus seine Freizeit auszufüllen wusste. Auch heute noch kann man sich keine Fasnacht ohne den ersten Mümliswiler Obernarr von 1978 vorstellen.

Verse geschmiedet hat Scacchi schon fast sein ganzes Leben lang. Irgendwann hat der Mundartautor sich entschlossen, seine Verse zu veröffentlichen. Der Grund dafür sei ganz einfach, erzählte er: «Es geht darum, den Guldentaler Dialekt zu erhalten und zu pflegen.» Es gebe ja so viele Eingewanderte hier in Mümliswil, begründet er schmunzelnd. Wobei sein Nachname verrät, dass auch seine Vorfahren einst zu dieser Gruppe gehörten. Dass das Verseschmieden auch vererbbar ist, zeigten die Reime eines Grosskindes, das einige Anekdoten aus dem Zusammenleben mit dem Grossvater vortrug. Mehrere Gedichte, die «Scacchi Sepp» schrieb, wurden dann von Josef Haefely als Tango oder als Rap vertont, dem verblüfften Publikum vorgetragen.

Der Jodlerclub Passwang ehrte den vor Kurzem 90 Jahre alt gewordenen Mümliswiler mit mehreren, im Guldentaler Dialekt vorgetragenen Jodelliedern. Fredi Fankhauser liess es sich dann nicht nehmen, Scacchi und allen Beteiligten in Reimform für den gelungenen Abend zu danken. Bhb/frb