Oensingen

Wie Geld in unsicheren Zeiten angelegt werden sollte

Führte durch die Weltwirtschaft: Martin Neff, Chefökonom Raiffeisen Gruppe.

Führte durch die Weltwirtschaft: Martin Neff, Chefökonom Raiffeisen Gruppe.

Martin Neff, Chefökonom der Raiffeisen Gruppe, gab Tipps, wie Geld in unsicheren Zeiten angelegt werden sollte.

Wo lege ich mein Geld sicher an, in Zeiten des starken Frankens, des schwächelnden Euros und des tiefen Ölpreises? Diese Frage erörterte Martin Neff, Chefökonom der Raiffeisen Gruppe, im Bienkensaal in Oensingen.

Rund 160 Interessierte folgten der Einladung der Raiffeisenbanken Gäu-Bipperamt und Untergäu verfolgten Neffs «Wirtschaftliche Lagebeurteilung».

Um die Situation auf den Finanzmärkten verständlich zu machen, blickte Neff zurück auf Ereignisse in der Vergangenheit. Den Startpunkt setzte er bei der Globalisierung, mit der nicht nur neue aufstrebende Volkswirtschaften wie China, Russland, Brasilien und Indien aufkamen, sondern auch die weltweite Konvergenz der Zinsen in Gang kam. Man glaubte, die Konjunk turzyklen im Griff zu haben, bis zur Finanzkrise, als die amerikanische Investmentbank Lehman Brothers zusammenbrach.

Nicht ausgewogen sei die Entwicklung in den letzten zwanzig Jahren gewesen: Die Weltbevölkerung von 1990 bis 2010 verdoppelte sich von vier auf acht Milliarden Menschen, weltweit verdreifachte sich die Produktion von Gütern und Dienstleistungen, gar verdreihundertfacht hatten sich die spekulativen Kräfte in der Finanzindustrie, dem Markt für ausserbörslich gehandelte Finanzprodukte.

Eurozone bleibt Unruheherd

Früher habe es noch viel stärkere Realwirtschaftszyklen gegeben, erklärte Neff. Heute sorge der Finanzsektor für Unsicherheit. Parallel sei in den Industrienationen eine Sättigung erreicht, die marginale Konsumquote nehme ab. Zudem steige die Produktivität in vielen Bereichen, was die Teuerungsraten ebenfalls deutlich senkt.

Als Problemzonen der Weltwirtschaft nannte Neff neben der US-Konjunktur und China auch die Ölpreise. Diese stärkten zwar die Kaufkraft der privaten Haushalte und der Unternehmen, gefährdeten aber die Prosperität der rohölfördernden Länder. Latenter Herd für Unruhe bleibe auch die die Eurozone, die den Beweis schuldig bleibe, stabil und zuverlässig zu sein. Neff schloss nicht aus, dass der Euro – um überhaupt zu überleben – in einen harten und weichen Euro aufgespaltet werden muss.

Die permanente Frankenaufwertung habe mit der Stabilität der Wirtschaft und dem hohen Ertragsüberschuss zu tun. Die positive Entwicklung der Handelsbilanz stütze sich derzeit aber nur noch auf die pharmazeutische Industrie, der Frankenschock habe dem Rest der Exportindustrie massiv beschädigt.

Diversifikation als Anlagetipp

Wo nun Geld anlegen? Real verliere keine Kaufkraft, wer bei leicht negativer Teuerung sein Geld nicht investiere, sagte Neff. Teuerung sei nicht in Sicht, also sei auch kein Verlust an Kaufkraft zu befürchten. Von Staatspapieren rät er angesichts negativer Verfallsrenditen ab, Alternativen böten allenfalls Unternehmensobligationen, Gold oder Immobilien. Bei Aktien ist Neff eher zurückhaltend, er hält sie für korrekturanfällig, da hoch bewertet.
Das Zauberwort für eine zielführende Anlagestrategie heisse Diversifikation. Man hole zwar nicht das Maximum an Ertrag aus den Märkten heraus, könne dafür aber beruhigter schlafen, wenn man nicht alles auf eine Karte setze.

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