Gemeindefinanzen

Wie es in Holderbank nach der Lockerung des finanziellen Korsetts weitergeht

Urs Hubler, Gemeindepräsident von Holderbank

Urs Hubler, Gemeindepräsident von Holderbank

Der Kanton sieht Holderbanks Finanzen als saniert an und erlaubt der Gemeinde, den Steuerfuss wieder zu senken. Gemeindepräsident Urs Hubler nimmt Stellung.

Weil in Holderbank die Gemeindefinanzen aus dem Ruder liefen, verfügte der Kanton im Mai 2014 auf der Grundlage des kantonalen Gemeindegesetzes die Erhöhung des Steuerfusses von 130 auf 150 Prozent.

Nun hat der Regierungsrat der Thaler Gemeinde erlaubt, das Budget 2017 wieder in eigener Regie zu erarbeiten. Gemeindepräsident Urs Hubler sagt, wie es in Holderbank weitergeht.

Urs Hubler, was bedeutet diese Lockerung des finanzeilen Diktates des Kantons für Holderbank?

Urs Hubler: Wir sind zuerst einmal froh, wieder selbst über unsere Gemeindefinanzen bestimmen zu können und auch ein weinig stolz auf das Erreichte.

Aus dem finanziellen Tief schaffte es die Gemeinde auch mit dem Verkauf des Mehrfamilienhauses
in Grenchen. Ist damit das Tafelsilber verscherbelt und neue Finanzprobleme nur eine Frage der Zeit?

Nein, die Gemeinde verfügt derzeit über eine solide finanzielle Basis mit einem Eigenkapital von 1,3 Millionen Franken.

Klingt nach viel, könnte aber rasch verbraucht sein.

Unser Finanzplan sieht vor, dass die Gemeinde 2021 noch über ein Eigenkapital in dieser Höhe verfügen wird.

Wie will der Gemeinderat dieses Ziel erreichen?

Indem wir Gemeinderechnungen mit Ertragsüberschuss budgetieren.

Scheitert dieser Plan nicht wegen der aufgeschobenen Investitionen?

Solche gibt es durchaus. Sie sind aber im erwähnten Finanzplan bereits enthalten.

Wird der Gemeinderat die vom Kanton gewährte Senkung des Steuersatzes auf 135 Prozent im Budget 2017 in einem Schritt vollziehen?

Nein, wir werden 2017 einen Steuersatz von 140 Prozent der einfachen Staatssteuer ins Auge fassen.

Wie geht es dann weiter?

Der erwähnte Finanzplan sieht bis ins Jahr 2021 eine Senkung des Steuersatzes auf 135 Prozent vor. Dies bei einem Ertragsüberschuss von 100 000 Franken.

Wann wird der Steuerfuss auf 130 Prozent oder darunter gesetzt?

Ein Steuersatz von 130 Prozent ist bis ins Jahr 2021 nicht realistisch. Wenn es die Situation aber zulassen würde, wäre aber danach auch ein Steuersatz unter 130 Prozent denkbar.

Was wäre dafür nötig?

Ein Ertragsüberschuss in der Gemeinderechnung von über 250 00 Franken. Die in der Gemeindeordnung aufgenommene Defizitbremse schreibt vor, dass der Steuerfuss nicht gesenkt werden darf, wenn das Eigenkapital nicht mindestens 15 Prozent eines durchschnittlichen Gemeindesteuerertrages beträgt.

Kann dank der regen Bautätigkeit im Dorf bald mit mehr Steuergeldern gerechnet werden und diese Hürde damit genommen werden?

Das glaube ich eher nicht. Das Steueraufkommen wird in Zukunft wohl etwa das Selbe sein wie heute, auch wenn die Bevölkerung wachsen sollte. Das gilt auch bei den juristischen Personen.

Verwandtes Thema:

Meistgesehen

Artboard 1