Worldskills

Wie ein Sanitärmeister aus Oensingen vom Silbergewinner zum Goldtrainer wird

17. Oktober 2017: Nach vollbrachter Leistung freuen sich Experte Florian Müller (r.) und sein Schützling Marcel Wyss.  zvg

17. Oktober 2017: Nach vollbrachter Leistung freuen sich Experte Florian Müller (r.) und sein Schützling Marcel Wyss. zvg

Florian Müller gewann 2011 bei den Worldskills in London Silber. Im Oktober führte er seinen Schützling in Abu Dhabi zu Gold.

Im letzten Oktober fanden in Abu Dhabi die 44. Worldskills statt. An den Berufsweltmeisterschaften schloss die Schweiz mit einem Rekordergebnis ab und holte 20 Medaillen. Der 28-jährige Sanitärmeister Florian Müller aus Oensingen war als Experte und Trainer vor Ort und liefert im Gespräch Einblicke in seine Passion.

Florian Müller, was waren Ihre Aufgaben als Experte bei den Worldskills?

Florian Müller: Als Experte bin ich im Vorfeld für das fachliche Training des Kandidaten zuständig. Das Spektrum reicht vom einfachen Vorbereiten des Arbeitsplatzes bis hin zum Einüben komplexer Installationen. Wir verbessern die Arbeitsmethodik des Kandidaten und studieren die Reglemente, dass er im Ernstkampf möglichst schnell und genau die erhaltene Aufgabe erledigen kann.

Wie läuft ein solcher Einsatz ab?

Am Austragungsort angekommen erarbeiten alle Experten zusammen – dieses Jahr waren es 31 aus 31 Ländern – die definitive Aufgabe und das Bewertungsschema. Während des Wettkampfs unterstützen und kontrollieren wir alle Kandidaten. Nach dem Wettkampf bewerten wir in einem Team aus Experten uns zugeloste Punkte. Am Ende ergeben die Resultate der Expertenteams das Ergebnis.

Wie kommen Sie zu dieser Aufgabe?

Nach meinem Silbermedaillengewinn an den Worldskills 2011 als Kandidat wurde ich von meinem damaligen Experten Martin Niederer und dem Gebäudetechnikverband «suissetec» angefragt, ob ich während der Vorbereitungen zu den nächsten Worldskills unterstützend wirken möchte. Für mich war es selbstverständlich meine Erfahrungen mit meinen Nachfolgern zu teilen. Vor den Worldskills 2013 in Leipzig war ich als Hilfskraft im Training engagiert.

Läuft das Auswahlprozedere in jeder Berufsbranche so ab?

Der jeweilige Verband muss jedem Kandidaten einen Experten zuteilen, und durch die Schaffung eines zweiten Schweizer Expertenamtes im Bereich Heizungs- und Sanitärinstallation konnte ich 2015 meine jetzige Tätigkeit übernehmen. Seit diesem Zeitpunkt trainieren Markus Niederer und ich den Kandidaten zusammen und sind ein Team. In São Paulo und Abu Dhabi war ich dann als Experte mit an Bord.

Was muss man können, um Experte zu werden?

Ein Experte muss sein Handwerk im Griff haben, weil er den Kandidaten trainieren muss. Um dies zu gewährleisten, muss jeder Experte im Vorfeld eine fachliche Zulassungsprüfung und vor Ort ein Expertentraining absolvieren. Der wichtigste Punkt, um für ein Expertenamt qualifiziert zu sein, ist aber wohl die englische Sprache zu beherrschen.

Erweitern Sie deshalb momentan Ihre Englischkenntnisse in Honolulu?

Ja, denn alle Dokumente im Vorfeld sowie die gesamten Meetings und Diskussionen vor Ort sind in Englisch. Ohne diese Sprache zu verstehen, ist es praktisch unmöglich, einen Kandidaten richtig zu informieren. Wenn der Experte schon Vorwissen zu den Worldskills besitzt, ist das von grossem Vorteil.

Was für Vorteile bringt Ihrem Kandidaten Marcel Wyss, der Gold holte, dieser Titel?

Marcel bekam vom Gebäudetechnikverband einen Gutschein für den ersten Weiterbildungsschritt. Was ich aber als viel wichtiger betrachte, sind die Erfahrungen, welche er während der Vorbereitung und auch während des Wettkampfs gemacht hat. Die Bekanntheit, die er durch den Titel in der Branche erlangt hat, bringt ihm sicher auch gute Jobaussichten. Egal, wie seine Zukunft aussehen wird, ein Berufsweltmeistertitel in einem Lebenslauf sieht immer gut aus.

Wie viel Zeit wenden Sie für Ihr Amt als Experte auf?

Für die Worldskills in Abu Dhabi betrug die Trainings- und Wettkampfzeit gesamthaft etwa 70 Tage. Diese waren aufgeteilt in einwöchige Trainingsblocks, welche im Ausbildungszentrum von «suissetec» in Lostorf stattgefunden haben. Marcel Wyss hatte zudem die Möglichkeit, sich an internationalen Wettkämpfen in Russland und Deutschland vorzubereiten. Ich selbst war davon etwa 30 Tage dabei. Den restlichen Teil hat Expertenkollege Markus Niederer abgedeckt.

Bringen Sie diese Tätigkeit problemlos mit Ihrem Job unter einen Hut?

Neben einem 100%-Job ist es schwierig, so viel Zeit für mein Hobby, das ja eigentlich auch mein Beruf ist, freizuräumen. Meine Firma unterstützt mich zwar bei meinem Engagement, doch trotzdem muss ich einen Teil durch Ferientage abdecken. Die offiziellen Termine werden von «Swissskills» und dem Gebäudetechnikverband entschädigt, doch alle anderen Arbeiten zur persönlichen Vorbereitungen mache ich ehrenamtlich.

Wie wird man Kandidat an den Worldskills?

In der Schweiz führt der Gebäudetechnikverband jährlich Schweizer Meisterschaften durch, bei denen die besten Lehrabgänger teilnehmen können. Die Medaillengewinner der Berufe Heizungsinstallateur und Sanitärinstallateur, welche bei den Worldskills in einer Kategorie zusammengefasst sind, qualifizieren sich für den Schweizer Ausscheidungswettkampf. Bei diesem nehmen maximal zwölf Kandidaten teil und der Gewinner wird der Kandidat für die Worldskills 2019.

Laufen bereits wieder die Vorbereitungen für die nächste Austragung?

Die Vorbereitungen für 2019 in Kazan beginnen im Herbst 2018. Meine persönliche Zukunft steht noch in den Sternen, da es auf internationaler Ebene noch Änderungen geben kann und die Schweiz dann vielleicht nur noch einen Experten stellen darf. Ich persönlich hoffe natürlich, dass es für mich weitergeht.

Was war das Schönste, das Sie bisher an den Worldskills erlebt haben?

Das Schönste, was ich dort erlebt habe, war ganz sicher die Siegerehrung bei der letzten Austragung. Unser Kandidat Marcel Wyss durfte das Podest besteigen und bekam die Goldmedaille überreicht: Das war ein Moment, den ich nie mehr vergessen werde.

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