Kestenholz
Wie Dietschis die drei Wochen im Mittelalter erlebt haben

Drei Wochen lang lebte die Familie Dietschi aus Kestenholz für ein SRF-Projekt wie im Jahr 1517 – und jetzt?

Rebekka Balzarini
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Familie Dietschi und ihr Abenteuer Mittelalter
14 Bilder
Freunde und Familie hiessen die Familie in Kestenholz willkommen.
Dietschis am Frühstückstisch: Sie geniessen das erste üppige Zmorge zurück zu Hause.
Das Familienfoto vor dem Projekt...
... und in mittelalterlichen Klamotten. Für die Sendung gabs für jeden je ein farbiges Obergewand aus Wolle, einen Mantel und ein Paar Schuhe. Dazu zwei Garnituren weisse Unterkleider aus Leinen.
So sah das Frühstück auf dem mittelalterlichen Bauernhof aus
In dieser Küche mussten Dietschis für drei Wochen kochen.
Während des Projektes musste sich die Familie um den Hof und auch die Tiere kümmern.
Einmal gings in die Kirche
Ein Team von SRF war stets dabei
Für den Markt mussten Dietschis ganz viele Zwiebelzöpfe flechten
Maurin und Simon bewiesen sich am 1. August als Knappen.
Wer Mehl will, muss zum Müller ins Nachbardorf wandern.
Dietschis mussten sich fürs Projekt in einem Casting beweisen

Familie Dietschi und ihr Abenteuer Mittelalter

Bruno Kissling

Zum Abendessen gibt es Spaghetti. Es hat noch Reste davon im Kühlschrank. «Die können wir doch einfach aufwärmen», schlägt Nicole Dietschi ihrem Mann und ihren beiden Töchtern vor. Die Familie steht in der Küche ihres Hauses in Kestenholz, die siebenjährige Ladina bereitet sich einen Tee zu. Die beiden Söhne sind nicht zu Hause. Maurin ist im Fussballtraining, Simon besucht für einige Tage seine Grossmutter. Ladina kippt einen grossen Schuss Zucker in ihren Tee. «Das reicht jetzt aber», warnen ihre Eltern. «Ein bisschen noch», widerspricht Ladina. Schnell gibt sie noch ein bisschen mehr dazu. Auf Süsses hat sie lange genug verzichten müssen.

Die Familie Dietschi ist definitiv wieder in der Moderne angekommen. Nach drei Wochen auf dem spätmittelalterlichen Bauernhof neben dem Schloss Neu-Bechburg fühlt sich der Alltag an wie Luxus. «Wir haben gelernt, die kleinen Dinge im Leben zu schätzen», erklärt Vater Christoph Dietschi. «Zum Beispiel, dass man einfach einen Apfel essen kann, ohne darüber nachzudenken, ob in den nächsten Tagen genug zum Essen da ist.»

Seine Frau und die Töchter bestätigen das mit einem Nicken. Und vor allem die Eltern sind froh, dass sie wieder in ihrem Bett schlafen können. Zum einen, weil sie mit der Zeit mit Rückenschmerzen zu kämpfen hatten. «Das ist wohl eine Alterserscheinung», sagt Christoph Dietschi lakonisch. Zum anderen aber auch, weil sie ihr Bett jetzt nicht mehr mit Mäusen teilen müssen. «Manchmal bin ich in der Nacht aufgewacht und habe gespürt, wie eine Maus auf meinem Bauch herumspaziert. Das war nicht so toll», erzählt Nicole Dietschi und schüttelt sich.

Die Zeit auf dem Hof war aber auch schön. Im Alltag gebe es selten die Möglichkeit, dass alle Familienmitglieder gemeinsam etwas unternehmen können. Geräteturnen, Fussball, Lauftraining – es ist immer etwas los. Und deshalb sei es wunderbar gewesen, zusammen mit der Familie drei Wochen lang den herausfordernden Alltag auf dem Bauernhof zu meistern, so Christoph Dietschi.

Die besten Bilder aus dem SRF-Sommerprojekt:

Den Bauernhof verlassen und oben auf der Burg angekommen, gab es als Erstes einen Schokoladenkuchen für die Familie Dietschi.
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Dietschis kehren dem Bauernhof den Rücken. Im Karren transportieren sie den Zehnten, dem sie dem Vogt abgeben müssen.
Eines der Schweine wurde am 3. August geschlachtet. Dietschis durften für ihre Arbeit zwei Filets behalten.
Die Geissen Jessy, Jelly und Josephine laufen Dietschis mittlerweile hinterher. Keine würde jetzt noch abhauen wollen.
Die Pilgerer sind in der Hitze teilweise im leichten Gewand unterwegs
Die Familie Dietschi hat am 1. August ein Höhenfeuer aufgestellt.
Maurin und Simon beweisen sich als Knappen. Zum Schutz gibts einen Helm.
Die beiden machen ihre Sache gut. Sie müssen aber noch stärker werden, meinen die Ritter.
Die fünf Pilgerer in Solothurn
Die Pilger übernachten im Kloster Namen Jesu und lassen sich von Schwester Priska die Räume zeigen.
Dietschis in der lateinischen Messe im Dorf. Alle verstehen Bahnhof.
In Wanderschuhen gehts zum Müller und zurück – wobei die Gruppe auf dem Rückweg von einer Kutsche mitgenommen wird.
Am Freitag wandern Dietschis zusammen mit zwei Pilger nach Laupersdorf, um Getreide mahlen zu lassen.
Besuch ist gekommen: Die fünf Pilgerer und Dietschis beim Abendessen. Nur Radio-Moderator Ralph Wicki schläft nicht im Bauernhaus, sondern in der Burg.
Geiss Josephine ist im Stall stecken geblieben. Mit Hilfe des Schlosswarts wird sie befreit.
Nicole nimmt eine Wabe mit Honig heraus
Der Imker macht die Bienen schläfrig, danach werden die Waben herausgenommen.
Dietschis haben keine Socken. Deshalb stopfen sie Heu in die Schuhe.
Als Strafe für den Ausflug in den Wald müssen Dietschis für 2 Stunden im Schlossgarten arbeiten.
Ein Jäger kommt zu Besuch und bietet an, mit ihnen auf die Jagd zu gehen. Nicole weist auf die Rechte im Mittelalter hin. «Wir werden umgebracht», bringt sie mit ihrer Hand zum Ausdruck.
Christoph und Simon gehen mit dem Jäger in den Wald. Allerdings sehen sie nur Rehe und Gämsen – beide befinden sich in der Schonzeit.
So sieht die Toilette der Familie aus. Wegen der Juraschutzzone darf das Geschäft nicht in ein Erdloch gemacht werden.
Am Samstag gab es einen öffentlichen Mittelaltermarkt auf dem Schloss
Simon verkauft einen Korb mit Zwiebeln für sieben Schilling
Dietschis gehen am Freitag auf den Markt
Christoph bastelt, damit seine Hosen auch ohne Wams oben bleiben.
Den Nachmittag dürfen die Geissen in einem neuzeitlichen Gehege verbringen, das haben die Zuschauer entschieden.
Die drei Geissen vereint: Auch Josephine taucht wieder auf.
Ladina und Katja auf dem Zwiebelfeld Am Freitag wollen sie auf dem Mittelaltermarkt auf der Burg Zwiebelzöpfe verkaufen
Dietschis posieren vor dem Bauernhaus für die Kamera
Christoph und Simon bringen am Abend zwei von drei Geissen nach Hause. Drei Leute von SRF begleiten sie.
«Leben vor 500 Jahren»: Die besten Bilder aus der SRF-Doku-Soap
Die Wachskerze passt nicht in eine Bauernfamilie des Mittelalters. Diese Kerzen waren damals zu teuer. Dietschis bekamen aber eine für mehr Licht.
Die störrische Ziege will nicht nach dem Willen von Ladina, der Jüngsten im Bunde.
Die Familie vereint beim Abendessen mit der ersten Mahlzeit im Bauernhaus.
Ein Geduldsspiel: Feuermachen mit Feuerstein und Heu
Mutter Nicole schnürt Ladina die Lederschlappen.
Gemeinsam machen sich die Familienmitlieder auf den Marsch vom Zuhause in Kestenholz zum Bauernhaus im Schatten von Neu-Bechburg.
Familie Dietschi in stilechten Mittelalter-Kluft, welche sie gleich zu Beginn überstreifen durften.

Den Bauernhof verlassen und oben auf der Burg angekommen, gab es als Erstes einen Schokoladenkuchen für die Familie Dietschi.

Screenshot SRF

Plötzlich das Essen eingeteilt

Und auch wenn sie als Familie unter einem Dach zusammenleben: Die Familienmitglieder konnten in dieser Zeit neue Seiten aneinander entdecken. Zum Beispiel am 11-jährigen Maurin. «Er ‹schnaust› eigentlich gern Schokolade», erzählt Nicole Dietschi. «Da kann es schon vorkommen, dass er alleine eine ganze Packung isst.»

Auf dem Hof habe er aber angefangen, das Essen einzuteilen, erinnert sie sich. Von sich aus habe er beispielsweise auf Honig verzichtet, damit es für die nächsten Tage noch reicht. «Das hat mich total überrascht», gibt auch Christoph Dietschi zu.

Die letzten Wochen haben Dietschis zusammengeschweisst. «Wir haben richtig gut zusammenarbeiten müssen, damit wir das durchhalten», erzählt Tochter Katja. Diese Erfahrung werde sich in Zukunft auf das Familienleben auswirken, sind sich die anwesenden Familienmitglieder einig.

«Wir würden es wieder tun»

Als Familie haben sie am Samstag nach ihrer Rückkehr Bilanz gezogen und beschlossen: Die Zeit auf dem Hof war eine tolle Erfahrung. «Wir würden es wieder tun», sagen Dietschis einstimmig. Schön seien auch die vielen positiven Rückmeldungen, die sie seit dem Ende des Projekts erhalten haben: von Familie und Freunden, aber auch von Zuschauern, die sie nie persönlich getroffen haben. «Wir bekamen viele nette Briefe, zum Teil auch kleine Geschenke», so Nicole Dietschi.

Oft hätten sie mit der Sendung zu tun gehabt, erzählt sie, und muss lachen: «Weil unsere Hühner so legefaul waren, hat uns jemand zum Beispiel einen Karton mit Eiern geschickt.» Mit dem Medienrummel gehen sie locker um. «Das gehört ein bisschen dazu», sagt Christoph Dietschi und zuckt die Schultern. Aber wenn es dann wieder ruhiger werde, dann sei das auch nicht so schlimm.

Was Dietschis alles erlebt haben, können Sie in unserem Blog nachlesen: