Kestenholz

Wie Dietschis die drei Wochen im Mittelalter erlebt haben

Drei Wochen lang lebte die Familie Dietschi aus Kestenholz für ein SRF-Projekt wie im Jahr 1517 – und jetzt?

Zum Abendessen gibt es Spaghetti. Es hat noch Reste davon im Kühlschrank. «Die können wir doch einfach aufwärmen», schlägt Nicole Dietschi ihrem Mann und ihren beiden Töchtern vor. Die Familie steht in der Küche ihres Hauses in Kestenholz, die siebenjährige Ladina bereitet sich einen Tee zu. Die beiden Söhne sind nicht zu Hause. Maurin ist im Fussballtraining, Simon besucht für einige Tage seine Grossmutter. Ladina kippt einen grossen Schuss Zucker in ihren Tee. «Das reicht jetzt aber», warnen ihre Eltern. «Ein bisschen noch», widerspricht Ladina. Schnell gibt sie noch ein bisschen mehr dazu. Auf Süsses hat sie lange genug verzichten müssen.

Die Familie Dietschi ist definitiv wieder in der Moderne angekommen. Nach drei Wochen auf dem spätmittelalterlichen Bauernhof neben dem Schloss Neu-Bechburg fühlt sich der Alltag an wie Luxus. «Wir haben gelernt, die kleinen Dinge im Leben zu schätzen», erklärt Vater Christoph Dietschi. «Zum Beispiel, dass man einfach einen Apfel essen kann, ohne darüber nachzudenken, ob in den nächsten Tagen genug zum Essen da ist.»

Seine Frau und die Töchter bestätigen das mit einem Nicken. Und vor allem die Eltern sind froh, dass sie wieder in ihrem Bett schlafen können. Zum einen, weil sie mit der Zeit mit Rückenschmerzen zu kämpfen hatten. «Das ist wohl eine Alterserscheinung», sagt Christoph Dietschi lakonisch. Zum anderen aber auch, weil sie ihr Bett jetzt nicht mehr mit Mäusen teilen müssen. «Manchmal bin ich in der Nacht aufgewacht und habe gespürt, wie eine Maus auf meinem Bauch herumspaziert. Das war nicht so toll», erzählt Nicole Dietschi und schüttelt sich.

Die Zeit auf dem Hof war aber auch schön. Im Alltag gebe es selten die Möglichkeit, dass alle Familienmitglieder gemeinsam etwas unternehmen können. Geräteturnen, Fussball, Lauftraining – es ist immer etwas los. Und deshalb sei es wunderbar gewesen, zusammen mit der Familie drei Wochen lang den herausfordernden Alltag auf dem Bauernhof zu meistern, so Christoph Dietschi.

Die besten Bilder aus dem SRF-Sommerprojekt:

Plötzlich das Essen eingeteilt

Und auch wenn sie als Familie unter einem Dach zusammenleben: Die Familienmitglieder konnten in dieser Zeit neue Seiten aneinander entdecken. Zum Beispiel am 11-jährigen Maurin. «Er ‹schnaust› eigentlich gern Schokolade», erzählt Nicole Dietschi. «Da kann es schon vorkommen, dass er alleine eine ganze Packung isst.»

Auf dem Hof habe er aber angefangen, das Essen einzuteilen, erinnert sie sich. Von sich aus habe er beispielsweise auf Honig verzichtet, damit es für die nächsten Tage noch reicht. «Das hat mich total überrascht», gibt auch Christoph Dietschi zu.

Die letzten Wochen haben Dietschis zusammengeschweisst. «Wir haben richtig gut zusammenarbeiten müssen, damit wir das durchhalten», erzählt Tochter Katja. Diese Erfahrung werde sich in Zukunft auf das Familienleben auswirken, sind sich die anwesenden Familienmitglieder einig.

«Wir würden es wieder tun»

Als Familie haben sie am Samstag nach ihrer Rückkehr Bilanz gezogen und beschlossen: Die Zeit auf dem Hof war eine tolle Erfahrung. «Wir würden es wieder tun», sagen Dietschis einstimmig. Schön seien auch die vielen positiven Rückmeldungen, die sie seit dem Ende des Projekts erhalten haben: von Familie und Freunden, aber auch von Zuschauern, die sie nie persönlich getroffen haben. «Wir bekamen viele nette Briefe, zum Teil auch kleine Geschenke», so Nicole Dietschi.

Oft hätten sie mit der Sendung zu tun gehabt, erzählt sie, und muss lachen: «Weil unsere Hühner so legefaul waren, hat uns jemand zum Beispiel einen Karton mit Eiern geschickt.» Mit dem Medienrummel gehen sie locker um. «Das gehört ein bisschen dazu», sagt Christoph Dietschi und zuckt die Schultern. Aber wenn es dann wieder ruhiger werde, dann sei das auch nicht so schlimm.

Was Dietschis alles erlebt haben, können Sie in unserem Blog nachlesen:

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