Welschenrohr
Wie die Wirtschaftsförderung in den Achzigerjahren begann

Die kommunale Wirtschaftsförderung der Achtzigerjahre hat Welschenrohr nachhaltig beeinflusst. Teil 1 einer zweiteiligen Serie.

Walter Schmid
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Das war das «Flaggschiff» der Welschenrohrer Wirtschaftsförderung: die Bimbosan von Toni Hosang.

Das war das «Flaggschiff» der Welschenrohrer Wirtschaftsförderung: die Bimbosan von Toni Hosang.

Maddalena Tomazzoli

Mit der Schliessung der Bimbosan vor wenigen Wochen verliert Welschenrohr den letzten Betrieb in seiner ursprünglichen Form aus der Zeit der kommunalen Wirtschaftsförderung in den Achtzigerjahren. Andere Unternehmen verschwanden, wechselten den Besitzer oder verlegten sich auf andere Produkte. Dennoch hat sich dadurch die Struktur der Gemeinden grundlegend verändert.

Zur Zeit der 800-Jahr-Feier im Jahre 1979 ging die Ära der Uhrenindustrie zu Ende. Dies war der Anlass für die bereits bestehende Wirtschaftsförderungskommission, vertieft aktiv zu werden. Dafür wurde Frédy Grimm als Delegierter des Gemeinderates eingesetzt. Mit zum Teil unkonventionellen Methoden warb die Gemeinde für neue Industrie- und Gewerbebetriebe. Mit Inseraten, Prospekten, Radio- und Fernsehbeiträgen, Präsentationen an Ausstellungen und Presseberichten machte Welschenrohr schweizweit auf sich aufmerksam. Für weitere Publizität sorgte damals auch die Balmbergtunnel-Initiative. Die Erfolge blieben nicht aus: Zehn neue Unternehmen konnten in den Achtzigerjahren angesiedelt werden.

Was Welschenrohr zu bieten hatte

In der Uhrenindustrie wurden Arbeitskräfte frei, die für Montage bestens geeignet waren. Viele Uhrmacher wechselten in andere Berufe, wurden zu Pendlern oder zogen weg. Verschiedene Fabrikgebäude standen leer und konnten günstig übernommen werden. Zudem verfügte die Gemeinde über eine grosse erschlossene Gewerbezone, in der fünf Fabrikneubauten entstanden. Grimm konnte zudem den Interessenten Zugang zu den kantonalen Behörden mit Rolf Ritschard als Wirtschaftsförderer und zu den Banken verschaffen.

So richteten sich in den leeren Uhrenfabriken neue Firmen ein. Im Hauptgebäude der Technos stellte die Firma Schleuniger – später Kirsten und dann wieder Schleuniger – Kabelverbindungen und Lötmaschinen her und beschäftigte bis zu 60 Mitarbeitende.

HR Aeschbacher

Im Bijou produzierte die Werolab mikrochirurgische Nadeln und in der ehemaligen Tourist stellten ehemals Uhrmacher Leiterplatten her. In der Donada baute Ingenieur Franz Oel elektronische Waagen und Metalldetektoren. So entstanden rund 200 neue Arbeitsplätze. An der Balmbergstrasse produzierte die Roseba bis Mitte der Achtzigerjahre Ebauches für die Roskopf-Uhren. Seit der Schliessung lag diese Liegenschaft mehr oder weniger brach.

Eine rege Bautätigkeit wurde ausgelöst

Somit herrschte Aufbruchsstimmung in Welschenrohr in den Achtzigerjahren. Die Bevölkerung schaute zuversichtlich in die Zukunft und eine rege Bautätigkeit stellte sich ein. Davon profitierte das einheimische Gewerbe.

Die Gemeinde realisierte grosse Infrastrukturprojekte wie die Abwasserreinigungsanlage, die Wasserversorgung und das Mehrzweckgebäude. Nach längerem Stillstand entwickelte sich auch der Wohnungsbau. Wohnzonen für Einfamilienhäuser wurden erschlossen und bebaut. In Mehrfamilienhäusern entstanden moderne Wohnungen. Mit Zuversicht schaute Welschenrohr in die Zukunft.