Samichlaus

Wie der Schmutzli die Welt sieht: «Wenn man mir doch mal Beachtung schenkt...»

Die Schmutzli helfen dem Samichlaus bei den Vorbereitungen.

Die Schmutzli helfen dem Samichlaus bei den Vorbereitungen.

Der Gehilfe des Sankt Nikolauses, der sonst immer schweigt, erzählt von seinem Einsatz in Egerkingen.

«Wenns dosse donku werd ond d Glogge lüütet, wär chont denn?» Der Samichlaus, natürlich. Mit rot glänzendem, goldig schimmerndem Umhang und wallend weisser Mähne kommt er am Samichlaustag daher, um den Kindern Freude zu bereiten. Bei all der Pracht, die den Samichlaus umgibt, gehe ich, sein treuer Begleiter Schmutzli, oft unter.

Oder, wenn man mir doch mal Beachtung schenkt, dann ist diese meist negativ behaftet. Mein verschmutztes Gesicht, mein dreckiger, brauner Umhang und meine Rute scheinen den Kindern immer Angst zu machen. Dazu kommt, dass ich stets still hinter meinem Arbeitgeber stehe und keinen Laut von mir gebe. Das alles scheint eine angsteinflössende Stimmung zu vermitteln. Doch nun wird dem Schweigen ein Ende gesetzt: Heute, einen Tag nach dem Samichlaustag, spreche ich, der Knecht des heiligen Sankt Nikolauses.

Durch die Haushalte Egerkingens

Am Dienstagabend waren mein Arbeitgeber und ich in Egerkingen im Einsatz. Bereits am Nachmittag begannen die Vorbereitungen: Route planen, Säcke packen und Bärte kämmen sind nur einige davon. Um 17.30 Uhr starten wir unsere Reise durch die Häuser des Dorfs. Mit dem Sack voller Geschenke auf dem Rücken folge ich dem Samichlaus zur ersten Familie: Ein Junge soll getadelt werden, weil er seinen Eltern nicht gut zuhört.

Als der Samichlaus ihm das erklärt, fällt er ihm ständig ins Wort und ist unaufmerksam. Vor einigen Jahren hätte man diesem Kind noch mit der Rute des Schmutzlis gedroht, heute darf ich dies natürlich nicht mehr. Als Nächstes sind zwei Zwillinge an der Reihe: Brav sagen sie dem Samichlaus ein Versli vor, das die Mutter ihnen Zeile für Zeile zuflüstert. Für die Bemühungen gibts ein Geschenk, was meinen Sack schon etwas leichter macht. Minuziös geht die Route weiter. Im nächsten Haushalt treffen wir ein Mädchen an, das vor uns scheinbar viel Respekt, wenn nicht sogar grosse Angst hat. Einen selbst gemachten Grittibänz gibt sie uns trotzdem. Es fällt mir zum ersten Mal schwer, schweigend dazustehen und mich nicht bedanken zu können.

Glöckelnd gehen wir weiter zur nächsten Familie, wo wir neun Kinder antreffen. Eines nach dem anderen darf den Stab des Samichlauses halten und den Eltern versprechen, weniger Süsses zu essen oder ihren Schwestern nicht selber die Haare zu schneiden. Auch hier würde mich ein Kind zur Drohung verleiten, dass es in den Sack des Schmutzlis kommt, wenn es sich nicht benimmt. Doch auch dies darf heute nicht mehr gesagt werden.

Unordentliche Zimmer wurden am Dienstag oft bemängelt, doch auch Lob wurde ausgesprochen. Lieder wurden vorgesungen, Selbstgebackenes verschenkt. Auch die Lachmuskeln kamen zwischendurch zum Einsatz, als ein Junge während dem Versli seiner Schwester vom Sofa fiel und flach am Boden landete. Passiert ist ihm nichts, aber als Schmutzli ernst zu bleiben und das Lachen zu verkneifen, war in dieser Situation gar nicht so einfach. Das Ende eines erfolgreichen Abends zeigte am Schluss ein erschöpfter Samichlaus, müde Gehilfen und leere Chlausensäcke. Als der böse Genosse des Chlauses kann ich mich jedoch bei der Vorsicht, mit denen man die Kinder heutzutage behandeln muss, nicht mehr betiteln. Ich bin nicht mehr der böse, sondern der liebe Schmutzli.

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