Hochwald

Wie das Wohnmobil eines exzentrischen Skistars nach Hochwald gekommen ist

Heinz Gaugler aus Hochwald besitzt das frühere Wohnmobil von Skistar Bode Miller. Mit dem riesigen Gefährt reist er gemeinsam mit seinem Sohn an nationale und internationale Motorcross-Rennen.

Zwölf Meter lang, dreieinhalb Meter hoch, 7500 Kilo schwer, 450 PS: Die Traummasse eines Gefährts, das bis vor wenigen Jahren der ganzen Welt bekannt war. Es machte an Ski-Weltcup-Stationen in ganz Europa halt – das frühere Wohnmobil von Skistar Bode Miller. Nun besitzt es Heinz Gaugler aus Hochwald.

Sein bald 20-jähriger Sohn Mike fährt Motocross-Rennen. Nachdem er letztes Jahr noch bei den Junioren gefahren ist und zu den Top Ten der Schweiz gehört hat, startet er heuer auf einer 250-Kubikzentimeter-Maschine in der höchsten nationalen Klasse. Nächstes Jahr möchte sich Mike Gaugler als Halbprofi versuchen. Will heissen: Er wird vermehrt internationale Wettbewerbe bestreiten.

Alles, was das Herz begehrt

Dazu benötigt der gelernte Heizungsmonteur nicht nur leistungsfähige Töffs, auch das Drum und Dran muss stimmen. Mit dem vor drei Jahren erworbenen Wohnmobil, mit dem Bode Miller einst von Skiort zu Skiort gependelt ist, sind die Gauglers optimal ausgerüstet. «Für mich passte dieses Wohnmobil einfach, seine Vergangenheit interessierte mich nicht so sehr», erzählt Heinz Gaugler. Es verfüge über viele Dinge, die sie gewollt hätten und für sie auch finanzierbar gewesen seien.

Die fahrbare Wohnung bietet einen Topkomfort: Polstergruppe, Schlafzimmer, Küche, Dusche, WC und – ganz wichtig – im hinteren Teil eine kleine Garage für die Motocross-Töffs. Heinz Gaugler – er ist Inhaber einer Firma für Heizung, Sanitär und Lüftung – konnte das Wohnmobil zu einem vorteilhaften Preis erwerben. Der Kilometerzeiger stand bei gut 70 000. Der Neuwert betrug rund 340 000 Franken. Das mächtige, vierrädrige Ding hat zudem automatische Stützen, die es per Knopfdruck in unebenem Gelände automatisch ins Lot bringen.

Lange reisten Heinz Gaugler und sein Sohn mit einem kleinen Bus an die Rennen. Dieser genügte den Ansprüchen nicht mehr. Zudem mussten Heinz Gauglers Partnerin und dessen Tochter Gina immer zu Hause bleiben, weil sie im Bus keinen Platz fanden. Die Lösung konnte nur ein grösseres Wohnmobil sein.

«Plötzlich meldete sich ein Kollege bei mir. Dieser kannte jemanden, der ein Wohnmobil zu verkaufen hatte», blickt Heinz Gaugler zurück. Er habe diesen Mann kontaktiert. «Es war der Manager von Bode Miller. Er ist Schweizer. Mit Bode Miller selber hatte ich nie Kontakt», sagt Heinz Gaugler. Das Wohnmobil war auf eine deutsche Firma für Reisemobile eingelöst. Sie war damals Sponsor des US-Skistars und stellte es diesem kostenlos zur Verfügung. Nachdem sich das Unternehmen von Miller getrennt hatte, gab es das Gefährt zum Verkauf frei.

Millers vergessene Medaille

Heinz Gaugler und Sohn Mike besichtigten das Wohnmobil bei einem Betrieb in Langenthal, der es regelmässig gewartet hatte. «Es gefiel uns. Wir wurden mit dem Verkäufer einig und lösten es in der Schweiz ein», erklärt der 51-jährige Heinz Gaugler. Diesem war damals gar nicht bewusst, wie bekannt dieses Wohnmobil war. «Ich kannte zwar Bode Miller als Skifahrer, dass er aber jeweils in einem Wohnmobil unterwegs war und nicht in Hotels logierte wie seine Konkurrenten, wusste ich nicht», gesteht Gaugler.

Nachdem Heinz Gaugler dieses Wohnmobil gekauft hatte, wurde er viel auf dessen ruhmreiche Vergangenheit angesprochen. Diese Zeit sei jetzt aber vorbei, meint Gaugler. Das Einzige, was er aus dem mobilen Zuhause entfernt hatte, war eine riesige Discokugel, die an der Decke hing.

Ein Mitarbeiter der Wartungsfirma habe ihm erzählt, dass Miller in diesem Wohnmobil einige Partys gefeiert habe, berichtet Gaugler. Der Skifahrer habe darin sogar eine WM- oder Olympia-Medaille zurückgelassen, an der er jedoch kein Interesse mehr gezeigt habe. Miller soll beim Telefonat mit diesem Mitarbeiter gesagt haben, die Auszeichnung sei ihm nicht wichtig, er könne sie behalten, schmunzelt der neue Besitzer.

Nicht zuletzt dank dieses Wohnmobils wird Mike Gaugler seine Karriere als Motocrossfahrer weiter forcieren können. Dies ist nur möglich, weil der Sohn in der Firma seines Vaters arbeitet, seine Arbeitszeit flexibel einteilen kann und Heinz Gaugler Zeit und Geld in die Passion seines Sohns investiert. Die Gauglers haben inzwischen 50 000 Kilometer mit ihrem Luxus-Wohnmobil zurückgelegt. Es sollen noch viele werden. Der Dieseltank fasst 180 Liter. Das reicht von Hochwald nach Turin und retour.

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