Mümliswil-Ramiswil
Wie das stockfinstere Tal zum Pionier für Strassenlicht wurde

Eigentlich wollte die Gemeinde Mümliswil-Ramiswil bei der Strassenbeleuchtung sparen und sie in der Nacht abschalten. Doch die Bewohner wehrten sich. Nun sind praktisch alle Gemeindestrassen mit LED-Leuchten ausgestattet.

Josef Tschan-Studer
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Mit den neuen Lampen lässt sich die Ausleuchtung gezielter steuern als bisher.

Mit den neuen Lampen lässt sich die Ausleuchtung gezielter steuern als bisher.

pd

Die im Jahr 2013 angedachte Nachtabschaltung der Strassenbeleuchtung hätte jährliche Einsparungen von rund 8000 Franken bringen sollen. Bei den Guldentalern stiess die Aktion aber auf wenig Verständnis. Nach einem mehrmonatigen Versuch mit stockdunklen Nächten und nach einer Umfrage bei der Bevölkerung wurde der Test abgebrochen. Damit war das Problem der Kosten und der Lichtverschmutzung aber nicht aus der Welt geschafft. Dank der Zusammenarbeit der Einwohnergemeinde mit der Elektra verfügt das Guldental seit Kurzem nun flächendeckend über eine topmoderne LED-Beleuchtung – als einzige Gemeinde in der weiteren Region.

Dem Gesetzgeber voraus

Auf dem Gemeindegebiet von Mümliswil-Ramiswil dienen 376 Strassenleuchten der Verkehrs- und allgemeinen Sicherheit. Davon stehen 82 an Kantonsstrassen, für deren Erstellung und Unterhalt ebenfalls die Gemeinde verantwortlich ist. Der Unterhalt des gesamten Beleuchtungssystems wurde Jahre 2007 an die Elektra Mümliswil-Ramiswil ausgelagert. Dieser zukunftsgerichtete Entscheid hat sich gelohnt, denn die Elektra leistet hervorragende und kostengünstige Arbeit.

Die Staatsstrassen werden mit modernen Natriumdampflampen (NAV) mit Gelblicht ausgeleuchtet; die Fussgängerstreifen mit verstärkten Einheiten. Neue Quartiere wurden ebenfalls seit Langem mit NAV versehen, von denen einige in die Jahre gekommen sind. Was ist mit den 229 alten Quecksilberdampflampen (HQL)? Diese «Stromfresser» werden ab diesem Jahr nicht mehr produziert und es dürfen nur noch Lagerbestände aufgebraucht werden.

Nach dem abgebrochenen Versuch Nachtabschaltung berechnete das Ingenieurbüro Gobet ETB AG aus Deitingen einen Gesamtersatz der alten NAV- und HQL-Leuchten. Im Rahmen der neuen Vereinbarung liess die Elektra letztes Jahr 255 neue LED installieren und es sind nun insgesamt 271 LED und nur noch 22 NAV (neuere Quartiere) an Gemeindestrassen im Einsatz. Die Offerte der Elektra wurde auf 20 Jahre berechnet: Unterhalt, Stromkosten, Kapitalkosten, Umrüstung auf LED, bauliche Anpassungen, Netzunterhalt sowie Ersatz der LED nach Ablauf der garantierten Betriebsstunden nach 10 Jahren. Für die Gemeinde entstehen somit jährliche Kosten von rund 61 000 Franken inkl. Investitionskosten. Zum Vergleich: In den Jahren 2007 bis 2013 kosteten alleine Unterhalt und Energie durchschnittlich 54 700 Franken pro Jahr.

Individuelle Anpassungen

Die alten NAV- und HQL-Leuchten wurden mit LED-Lampen «Streetlight» der Firma Siteco ersetzt. Da sich die LED-Technik etwa ähnlich rasant weiterentwickelt wie die Computertechnik, konnten entgegen der ersten Offerte noch effizientere Lampen der neusten Generation angeschafft werden – und das bei gleichem Preis. Das Siteco-System konnte praktisch ohne grosse Anpassungen auf die bestehenden Kandelaber gesteckt werden. Die garantierte Betriebsdauer des neuen Modells beträgt rund 100 000 Stunden, was dem Doppelten des ersten Angebotes entspricht. Die Einsparung bei den Stromkosten liegt bei 38 Prozent.

Die Leuchtkörper sind in verschiedenen Baugrössen mit entsprechendem Lichtstrom verfügbar und je nach Strassenkategorie wurden unterschiedliche Baugrössen montiert. «Bei jeder Leuchte lässt sich zudem der Neigungswinkel verstellen», erklärte Projektleiter André Gobet. Dadurch können Kreuzungen und Strassen optimal ausgeleuchtet werden, ohne Anwohner zu blenden. Ferner ist jede Leuchte einzeln programmierbar.

Zu grelles Licht?

Nach der Installation gab es Reklamationen, die neuen Lampen würden viel zu grell leuchten. Gobet kann beruhigen: «Jede Lampe programmiert sich nach Inbetriebnahme innert drei Tagen selber.» Die sogenannte «Nachtmitte» wird ermittelt und der Zeitpunkt der Nachtabsenkung programmiert; zum Beispiel: Im Winter um ca. 23 Uhr auf 60 %, um 1 Uhr nachts auf 40 %, um 5 Uhr wieder auf 60 % und um 6 Uhr wieder auf Volllicht.

Das Ein- und Ausschalten erfolgt automatisch von der Zentrale Untere Altmatt. Ein weiterer positiver Effekt der neuen LEDs kommt der Lichtverschmutzung entgegen, weil sie nur beleuchten, was beleuchtet sein muss und nicht unnötig in den Nachthimmel abstrahlen.