Vor dem Ende der elf Jahre dauernden obligatorischen Schulzeit erhalten die Schüler die Aufgabe, eine Abschlussarbeit zu schreiben. Dieses selbstständige Arbeiten erfordert aber bestimmte Kenntnisse, die im normalen Unterricht weniger zur Sprache kommen.

Aus diesem Grund organisierte die Sekundarstufe I Unteres Niederamt kürzlich eine Projektwoche, in der das Thema Abschlussarbeit vertieft zur Sprache kam. Vor allem ging es darum, den Schülerinnen und Schülern die «Werkzeuge» – also die Möglichkeiten – der Materialsammlung und der Darstellung eines Themas aufzuzeigen.

Inti mit ehemaligen Schülern

Unter dem Titel «Letztes Schuljahr vor 50 Jahren» erhielten die Jugendlichen die Aufgabe, ein Interview mit einer Person zu führen, die vor mehr als 50 Jahren ihr letztes Schuljahr erlebt hatte. Fragen, wie der Unterricht, der Abgang von der Schule und die Zukunftsplanung gestaltet wurden, sollten aufzeigen, was sich in den 50 Jahren in der Schule geändert hat. Eine Möglichkeit für Schülerinnen und Schüler also, ihre Grosseltern auszufragen.

Es dürfte in der Regel nicht schwierig sein, ein Thema für eine Abschlussarbeit zu finden. Aber woher nimmt man das Hintergrundwissen? Diese Frage wurde in der Lektion «Recherchieren, Zitieren und Bibliographieren» weitgehend beantwortet. Die Schülerinnen und Schüler von heute haben die Möglichkeit, über verschiedene Internetportale Antworten auf viele Fragen zu finden. Sicherer sind aber immer noch direkte Kontakte, bei denen die in der Arbeit erwähnten Menschen befragt werden können.

Dass bei der Dokumentation immer die Wahrheit im Vordergrund steht, ist eine Selbstverständlichkeit. Daher sollten Zitate immer als solche gekennzeichnet werden, wie auch alle Quellen in der Arbeit aufgezeigt werden müssen. Denn das persönliche Wissen besteht zu einem grossen Teil aus Gehörtem, Gelesenem und Erlebtem, das man in der eigenen Sprache weitergibt. Ein Besuch in der Stadtbibliothek Aarau brachte Einblick in den Aufbau einer öffentlichen Bibliothek und die Möglichkeiten zu deren Nutzung. Die Bedingungen der Ausleihe von Medien sind unkompliziert, so dass Hintergrundwissen aus dieser Quelle durchaus sinnvoll sein kann.

Das «gute» Interview

Wie ein Interview spannend und informativ gestaltet werden kann, erläuterte Pascal Meier von der Aargauer Zeitung. Der Journalist wies an Beispielen auf die gute Gestaltung einer Befragung hin. Vor allem wies er darauf hin, dass beginnend bei der Überschrift bis zu den gestellten Fragen eine Spannung vorhanden sein sollte, damit der Anreiz zum Lesen oder Zuhören vorhanden ist. Auf «langweilige» Fragen sollte verzichtet werden, und bei Unklarheiten oder Widersprüchen dürfe ruhig «nachgehakt» werden, auch wenn dies im Drehbuch nicht vorgesehen war. Auf diese Weise können Interviewpartner oft aus der Reserve gelockt werden.

Neben dem theoretischen Stoff wurden auch Betriebsbesichtigungen angeboten, so dass sich die angehenden Berufsleute ein Bild über die Tätigkeit an einem Arbeitsplatz machen konnten. Für einige Unentschlossene sicher eine Hilfe, den passenden Beruf zu finden. Zudem gab dies einen Einblick in die anbrechende Erwachsenenzeit. Es steht fest: Die Projektwoche war kein Spaziergang. Sie erforderte von Schülern und Lehrkräften eine grosse Leistung, die der Gesellschaft dient, damit die nächste Generation ein sinnvolles und existenzsicherndes Leben führen kann. Den Lehrerinnen und Lehrern gebührt der Dank für die akribische Vorarbeit, und den austretenden Schülerinnen und Schülern sei alles Gute für die Zukunft gewünscht.