Die anwesenden 128 Stimmberechtigten hatten an der Gemeindeversammlung in Kappel über das Budget 2014 zu befinden.

Während sie den dieses sowie die gleichbleibenden Steuer- und Gebührensätze diskussions- und oppositionslos genehmigten, kam Leben in die Mehrzweckhalle, als es um die beiden Investitionskredite von total 1.185 Mio. Franken für einen Werkhof-Neubau ging. Gemeinderätin Eveline Schärli und Architekt Klaus Hagmann stellten den Anwesenden das Projekt vor.

Im Frühling 2010 habe man im Werkhof Verwesungsgeruch und eine verfaulende Tragkonstruktion festgestellt. Ein Gutachten habe gezeigt, dass der Werkhof so nicht mehr benutzt werden dürfe.

Neben Unterstützungs- und Schutzmassnahmen wurden der Dachstock gesperrt sowie Büro und WC in einen Container verlegt. «Der marode Zustand des Werkhofs ist gefährlich», sagte Eveline Schärli. Das vorliegende Vorprojekt sei «kein Luxusbau und beschränkt sich auf das Realisierbare».

Der neue Werkhof im Rotsangel soll im Bereich Furrer GmbH gebaut werden.

Architekt Klaus Hagmann präsentierte ein Gebäude im Erdgeschoss mit Halle, Werkstatt, Reserveraum, Magazin für den Brunnenmeister, Chemielager, Büro-/Aufenthalts- und Technikraum sowie vor dem Gebäude einem Entsorgungsplatz mit versenkbaren Mulden.

Im Obergeschoss würde ein per Krananlage bedienbarer Lagerplatz eingebaut. Der Werkhofbau kostet schätzungsweise 990 000, der Entsorgungsplatz 175 000 Franken.

«REZ bietet alles, was es braucht»

Nach Angaben von Gemeindepräsident Rainer Schmidlin gelangte der Fussballklub ab 2009 mehrmals an den Gemeinderat, erst in Sachen Platzneubeleuchtung und später bezüglich Duschen- und Garderobenbenützung im (neuen) Werkhof.

«Aus Kostengründen vermag die Gemeinde dies nicht», so Schmidlin. Für den FC bestünden mehrere andere Nutzungsmöglichkeiten wie das Schulhaus oder die Anlage des FC Hägendorf.

«Zur Erbringung der nötigen Dienstleistungen braucht die Gemeinde einen neuen Werkhof. Das vorgestellte Projekt ist ein reiner Werkhof.»

Hanspeter Schmid, der an diesem Abend eine federführende Rolle einnahm, wandte sich nun erstmals an den Gemeinderat. «Das Werkhofprojekt ist super, ebenso der Standort».

Schmid zeigte jedoch kein Verständnis dafür, «dass wir für 200 000 Franken einen Entsorgungsplatz planen. Wir haben 800 Meter Luftlinie entfernt das Regionale Entsorgungszentrum, das uns alles bietet, was es braucht».

Der als Pensionär beim REZ tätige Schmid schlug dem Gemeinderat vor, «die Sache noch einmal zu diskutieren» und den Kontakt mit dem Entsorgungsanbieter Huber zu suchen.

Auf Rückfrage von Eveline Schärli bestätigte Schmid, dass die Rolf-Huber-Transport-Unternehmung zu den gleichen Bedingungen wie die Gemeinde alles zu Entsorgende annimmt und nur Möbelstücke kostenpflichtig sind.

Klaus Hagmann wies darauf hin, dass «man mit dem Weglassen der Entsorgung nicht 175 000 Franken spart; der Werkhof würde dadurch etwas teurer als 990 000 Franken».

Hanspeter Schmid stellte den Antrag, einen Werkhofbau ohne Entsorgungsplatz zu planen. Die 128 Anwesenden folgten ihm mit 66 Ja- und 62 Nein-Stimmen.

«Ohne Mehrkosten für Gemeinde»

Sportchef Bruno Stalder meldete sich als Vertreter des FC zu Wort. «Wir befürworten das Werkhof-Projekt sehr, doch fehlt ein i-Tüpfelchen zum Angebot.» Es solle noch einmal überarbeitet und mit Garderoben geplant werden.

«Für die Gemeinde entstehen keine Mehrkosten; sie werden vom FC übernommen», versprach Stalder. Er und Hanspeter Schmid stellten den Antrag, den Werkhof-Neubau zurückzustellen und an die Planung eines zweiten Projekts mit Garderoben zu gehen.

Diese müssen aber nicht im Werkhofgebäude eingebaut werden, sagte Stalder – und sorgte damit beim Gemeinderat und einem grossen Teil der Versammlungsteilnehmer hörbar für ein Aha-Erlebnis; bis dahin war nach ihrem Verständnis stets von einem Einbau die Rede gewesen.

FC-Förderer Hanspeter Schmid präzisierte die Pläne des Klubs nach der Versammlung so: «Wir wollen absolut nichts verändern am Werkhof-Projekt, sondern ein eigenes Projekt mit Garderobe und zwei Duschen auf eine Seite des Werkhofs stellen und die gleichen Wasser- und Stromleitungen nutzen können. Die Verhandlungen mit der Gemeinde sollen sauber und fair geführt werden, und diese Chance gibt sie uns jetzt.»

Die Gemeinde ändere ihre Vorgaben nicht, stellte Rainer Schmidlin an der Versammlung klar. Und: «Wenn der FC die Kostendifferenz übernimmt, wollen wir erst einen Finanzierungsnachweis haben.»

Robert Lack und Beat Schmidlin stellten den Antrag, das Projekt an den Gemeinderat zurückzuweisen, alle Bereiche auf seine Nachhaltigkeit zu prüfen, zusammen mit den FC-Verantwortlichen die Bedürfnisse und Kosten abzuklären und danach mit einer «neuen, guten Lösung» an den Souverän zu gelangen.

Die Versammlung stimmte dem diskussions- und oppositionslos zu.

«Wir werden so schnell wie möglich ein neues Projekt erarbeiten, damit wir es der Versammlung im Sommer vorlegen könnten», erklärte Gemeindepräsident Rainer Schmidlin.

In der Hoffnung, diesen Zeitplan realisieren zu können, wurden die beiden Kredite von total 1.185 Mio. Franken für den Werkhof-Neubau nicht aus der Investitionsrechnung 2014 gestrichen.