Oensingen
Wer zieht nach der Puma AG in den Glaspalast ein?

Der Sportartikelhersteller Puma ist im repräsentativen Bau an der Autobahn A1 nur noch Mieter. Das Haus ist an eine Immobilienfirma aus Baar verkauft worden.

Alois Winiger
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In diesen gläsernen Designerbau zog Puma 2005 ein. Jetzt sind das Gebäude und die Parzelle verkauft.

In diesen gläsernen Designerbau zog Puma 2005 ein. Jetzt sind das Gebäude und die Parzelle verkauft.

Bruno Kissling

Optisch ist Puma noch immer stark präsent an der Autobahn in Oensingen. Doch innerlich ist er massiv geschrumpft, denn der Sportartikelhersteller Puma hat letztes Jahr den Grossteil seiner Aktivitäten an den Hauptsitz im deutschen Herzogenaurach verlegt (wir berichteten). Seither ist Oensingen noch eine Zweigniederlassung mit einem Factory Outlet, von früher 96 Angestellten sind noch deren 15 beschäftigt. Dass Puma den grossen repräsentativen Bau nicht behalten würde, war absehbar.

Tatsächlich sind nun das Gebäude samt dem 5533 Quadratmeter grossen Grundstück an der Ostringstrasse an das Immobilienunternehmen Alfred Müller AG, Baar, verkauft worden. Über den Verkaufspreis gibt es keine Angaben. Gemäss Puma kostete der 2005 bezogene Bau 16 Mio. Franken. Aktuell wird im Oensinger Industriegebiet der Quadratmeter Land plus, minus 350 Franken gehandelt.

Auch Vietnam und London

Für die Region und den Kanton war der Stellenabbau ein harter Schlag. Ein schwacher Trost, dass Oensingen nicht alleine von Restrukturierungen betroffen war, wie Puma letztes Jahres meldete: «Mit dem Umzug unserer für das globale und europäische Einzelhandelsgeschäft verantwortlichen Funktionen aus Oensingen in unsere Unternehmenszentrale zum 30. September haben wir das letzte von drei wichtigen Konsolidierungsprojekten in diesem Jahr abgeschlossen. Das Produktionsentwicklungszentrum in Vietnam ist seit
2. Mai, der Lifestyle-Geschäftsbereich in London seit 31. Mai geschlossen.»

Die Enttäuschung war nicht nur auf der Arbeitnehmerseite und in Oensingen gross, sondern auch beim Kanton Solothurn. Denn mit dessen finanziellen und organisatorischen Unterstützung zügelte die Puma (Schweiz) AG im Jahr 2005 von Lengnau nach Oensingen. Der dortige, von weit her sichtbare Designerbau sollte für das Image des Wirtschaftsstandorts Kanton Solothurn Gold wert sein, wie es damals hiess. Im Gegenzug für die Unterstützung verpflichtete sich Puma, bis ins Jahr 2019 im Kanton Solothurn zu bleiben.

Stellt der Kanton Forderungen?

Da Puma nun früher abgezogen ist, wird geprüft, ob Puma deshalb zur Kasse gebeten wird. «Aus Gründen der Vertraulichkeit können wir dazu keine Angaben machen», erklärt Kerstin Neuber, Sprecherin der Puma-Gruppe. Vonseiten des Kantons kann Regierungssprecher Dagobert Cahannes lediglich bestätigen, dass die Abklärungen erst jetzt richtig zu laufen beginnen, nachdem der Verkauf von Gebäude und Land urkundlich abgeschlossen ist.

Mittlerweile ist der Sportartikelhersteller in Oensingen nur noch eingemietet. Wie lange noch? Kerstin Neuber legt sich auf kein Datum fest, sie sagt: «Der Schweizer Markt wird weiterhin von Oensingen aus betreut werden.»

«Hervorragende Visibilität»

Die Liegenschaft passe gut ins Portfolio der Alfred Müller AG, darum hat man sie auch erworben, sagt Firmensprecherin Esther Lötscher. Ein grosser Pluspunkt sei die gut erschlossene Lage und die – wer möchte dies bestreiten – «hervorragende Visibilität», also Erscheinung bzw. Sichtbarkeit. Der Glaspalast mit dem riesengrossen, springenden, weissen Puma auf rotem Grund sticht schon von weitem ins Auge. Wie lange noch, da ja Puma nur noch einen kleinen Teil des Gebäudes gemietet hat? «Vorläufig bleibt die Werbung bestehen, wie sie ist», antwortet Esther Lötscher. Die Alfred Müller AG erstelle für alle ihre Geschäftsliegenschaften ein Vermarktungs- und Beschriftungskonzept. Je nachdem, wer ins Gebäude einzieht, würden die Werbemöglichkeiten angepasst.

Wie gut lässt sich ein Gebäude vermieten, das einen recht eigenwilligen Grundriss aufweist, ähnlich einer Raute mit spitzen Winkeln? «Wir haben mit der Vermarktung noch nicht begonnen. Denn zuerst musste ja die Liegenschaft in unserem Besitz sein», sagt Esther Lötscher und verweist noch einmal darauf, dass das Gebäude bestens ins Portfolio der Firma passe.

Nicht verkneifen lässt sich ein Blick zurück in jene Zeit, als die Parzelle Nr. 1117 an der Ostringstrasse noch frei war. Ein Unternehmer, dessen Firma nur wenige Meter daneben stand, wollte darauf nämlich das von der Expo.02 her bekannte Palais d’Équilibre darauf stellen lassen.

Das Palais d’Equilibre an der Expo.02.

Das Palais d’Equilibre an der Expo.02.

Zur Verfügung gestellt