Der Nebel, im Volksmund der älteste Gäuer, hielt, wie so manchen Tag in dieser Jahreszeit, auch den Neujahrstag fest in seinen grauen, feuchten Händen. Kein Blick gestand er all jenen Sonnenhungrigen zu, welche das neue Jahr mit freundlicher Sonnenwärme starten wollten.

So musste, wer sein Vitamin-D-Konto tüchtig auffüllen wollte, in höhere Gefilde aufsteigen.
So stand dann auch eine regelrechte Blechlawine am 1. Januar dort, wo in den Sommer- und Herbstmonaten ein kleines Postauto seine Endstation anpeilt: auf dem Oensinger Roggen.

Die Neujahrslethargie aus den Knochen zu bringen war das Ziel vieler. Familien mit Hunden, sportlich gekleidete Wandererinnen und Wanderer, aber auch Sonntagsschuhträger bevölkerten den Jurahügel.

Alpenpanorama satt

Ein leichter Kater, Nachwehen einer feucht-fröhlichen Silvesterparty, wäre garantiert bereits nach den ersten zehn Minuten Aufstieg auf die Roggenflue verflogen gewesen. Dort rauf musste, wer der Sonne entgegenblinzeln wollte. Und das wollten viele.

Auf den Bänkchen auf dem höchsten Punkt des Oensinger Juras herrschte emsiges Treiben. Es wurde gewerweisst, welcher Berg wo denn nun in der Ferne das Alpenpanorama ziert, die Handykameras waren im Dauereinsatz, jeder Schritt und jede Aussicht musste dokumentiert werden.

Schliesslich hält fotografisch fest, wer sich aus dem grauverhangenen Nebeldunst auf die Jurahöhen emporwuchtete. Ein Selfie hier, ein Selfie dort: für die Ewigkeit festgehaltene Sonnenanbeter in modischer Outdoorkluft.

Auch weiter den Weg entlang Richtung Tiefmatt ob Oberbuchsiten stand an aussichtsreichen Plätzen das Wandervolk. «So viele Menschen habe ich wohl noch nie gesehen hier oben», liess sich im Vorbeigehen aufschnappen. Und wahrlich, kaum ein paar Meter vergingen, ohne dass einem ein freundliches «Hallo» oder ein ehrwürdigeres «Grüess Gott» entgegnet wurde.

Kampf zwischen Sonne und Nebel

Ein Blick gen Osten entpuppte sich derweil als Stimmungskiller: Weiter unten hatte der Nebel im Kampf mit der Sonne Stück für Stück des Juras eingenommen. Und genau dorthin führte der Weg. Also gings erst mal runter, ein vermeintlich letzter Blick aus sonnenerfüllter Gegend in Richtung des Thals, welches an diesem Tag unter grauem Schleier verborgen blieb.

Der Abstieg vom Gratweg führte über eine schwindelerregende Treppe, und unten wartete er, schon, der älteste Gäuer. Immer wieder schwappte eine neue Nebelwelle über die Wiese westlich der Tiefmatt. Die Sonne hielt tapfer dagegen, doch je länger der Abstieg dauerte, desto weniger war von ihr zu sehen.

So wenig gar, dass fast schon verzweifelt gefragt wurde: «Aber etwas weiter oben gibts schon noch Sonne, oder?» Dies konnte man nur bejahen und hoffen, dass die Sonne wirklich noch zu sehen war, wo sie zehn Minuten zuvor noch in aller Pracht die Gemüter erfreute.

Zurück im Grau

Wir aber kämpften uns am Restaurant Tiefmatt vorbei, Nebelschwaden hielten uns fest im feucht-kalten Griff. Auf den Mützen setze sich der Nebel ab und so entstanden in minutenschnelle Eisgebilde. Dieselben, welche Bäume, Sträucher und gar den Boden zierten.

So trugen gewöhnliche Buchen plötzlich Nadeln aus Eis. Ein vergängliches Schauspiel, würde denn die Sonne über längere Zeit draufscheinen. Doch die Pracht war sicher, obwohl da und dort ein Lichtschimmer merklich durch die Nebelschwaden drückte.

Die Hoffnung auf etwas Sonne trieb auch auf dem Weg von der Tiefmatt auf die Blüemlismatt das Wandervolk in die Kälte hinaus. Und auch hier wurde der Wille, das neue Jahr aktiv und in der Natur zu starten, belohnt.

Auf der Schlosshöchi zum Beispiel gewann die Sonne eben noch ein Stück Jura vom Nebel zurück. Ein letztes Aufbäumen wars jedoch nur, denn bereits beim Restaurant Blüemlismatt kam der Nebel in seiner tristen, grauen Monotonie zurück.