Oensingen
Wer alles Rat sucht bei der Schulsozialarbeit

Das Pensum Schulsozialarbeit ist im Jahr 2014 von 50 auf 75 Stellenprozente erhöht worden. Während der Schulzeit ist in Oensingen nun die ganze Woche über ein Sozialarbeiter erreichbar. Was hat es gebracht?

Alois Winiger
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Im Jahr 2014 suchten 58 Personen Rat bei einem Schulsozialarbeiter. (Symbolbild)

Im Jahr 2014 suchten 58 Personen Rat bei einem Schulsozialarbeiter. (Symbolbild)

Keystone

Die Pensenerhöhung habe in mehrerer Hinsicht etwas gebracht, schreibt der Schulsozialarbeiter Christian Zbinden im Geschäftsbericht 2014 der Einwohnergemeinde Oensingen. Die Erreichbarkeit während der Schulzeit konnte auf die ganze Woche ausgedehnt werden. Und weil eine weibliche Fachperson angestellt wurde, sei bei spezifischen Anliegen von Mädchen bzw. jungen Frauen bessere Beratung möglich.

Ganz generell sei durch die Schaffung der Abteilung für Kinder, Jugend und Familie erreicht worden, die Arbeitsfelder Jugendarbeit und Schulsozialarbeit besser miteinander zu koordinieren. «Die Lebenswelt der Kinder und Jugendlichen wird dabei als Ganzes in Fokus genommen und nicht mehr separat im Kontext der Schule bzw. der Freizeit angeschaut», heisst es weiter. Die neue Abteilung bestehe aus vier tragenden Säulen: Schulsozialarbeit, Jugendarbeit, Familien und Anschlusslösungen an die obligatorische Schulzeit.

Liegt es an der Pausenpräsenz?

Sehr hoch halten will man weiterhin folgende Grundsätze: Niemand soll Angst davor haben, die Person der Schulsozialarbeit anzusprechen; die Kontaktaufnahme soll unkompliziert verlaufen. Schweigepflicht sei selbstverständlich. Offenbar hatte sich in den Vorjahren eine Tendenz abgezeichnet, dass Kinder und Jugendliche vermehrt selbstständig die Schulsozialarbeit aufsuchen, «was im Sinn der Kinder- und Jugendhilfe zu begrüssen wäre». Diese Tendenz habe sich jedoch im 2014 nicht bestätigt. Christian Zbinden vermutet, es könnte mit der reduzierten Pausenpräsenz zu tun haben. Diese könne nun aber aufgrund der zusätzlich eingestellten Fachkraft wieder erhöht werden. «Erfreulich ist jedoch, dass die Eltern das Angebot kennen und auch nutzen.»

Was gemeldet wird

Im Verlauf des ganzen Jahres 2014 haben laut Bericht 58 Personen um Rat gesucht, im Vorjahr waren es deren 67. In 43 Prozent der Fälle traten Kinder und Jugendliche an die Schulsozialarbeit heran, in 36 Prozent eine Lehrperson und bei den restlichen 21 Prozent waren es die Eltern. Hinzu kommen laut Christian Zbinden die «Tür- und Pausenplatzgespräche» sowie Vernetzungs- und Intervisionsgespräche, will heissen, Gespräche mit Kollegen und weiteren Fachleuten.

Das Beratungsspektrum wird unterteilt in vier Bereiche.

1. Konflikte und Probleme unter Jugendlichen und Kindern: Hier gehts um das soziale Miteinander, um Gewalt, Mobbing, Drohungen oder sexuelle Belästigung. (2014: Sieben Fälle in der Primar-, einer in der Sekundarschule verzeichnet.)

2. Probleme, die Schule betreffend oder das Verhältnis Lehrkraft–Schüler: Themen sind hier Leistungsdruck, Lernstrategie, Absenz, Schulausschluss. Ferner Beschwerden seitens Lehrkraft, etwa über unangemessenes Verhalten von Schülern im Unterricht, Klassenklima. (Sieben Fälle in Primar-, sechs in Sekundarschule.)

3. Persönliche Probleme, Lebensbewältigung: Berufswahl, Drogen, Liebeskummer, psychische Belastung und Beeinträchtigungen, Essstörungen, Suizid(-gedanken), Medienkonsum, Freizeitgestaltung. (Sieben Fälle in Primar-, siebzehn in Sekundarschule.)

4. Probleme in der Familie: Umstände, die für Kinder und Jugendliche ein Problem darstellen oder gefährdet sind aufgrund von Scheidung, Alkoholsucht der Eltern, mangelnde Fürsorge, Gewalt der Eltern gegenüber Kindern. (Fünf Fälle in Primar-, acht in Sekundarschule.)

Suchtprävention läuft weiter

In Zusammenarbeit mit der Suchthilfe Ost wurde an der Kreisschule Bechburg ein weiteres Mal das Projekt «Suchtprävention an der Schule» umgesetzt. Das Projekt ist auch dieses Jahr Bestandteil des Schulprogramms.

Ebenfalls um Prävention gehts in zwei weiteren Bereichen: Im einen wird der Umgang mit Medien (Cybermobbing, Handy, Chat, Games) thematisiert. Das Konzept wurde in Zusammenarbeit mit der Leitung der Oensinger und Kestenholzer Primarschule erarbeitet. Beim zweiten Bereich gehts um Gewaltprävention, um das Verhalten in Konflikt- und Gewaltsituationen.

Der Schulsozialarbeit sei es gelungen, schreibt Christian Zbinden als Fazit, in vielen Situationen den Rastuchenden so zur Seite zu stehen, «dass sie im Hinblick auf eine positive Gesellschaftsentwicklung ihre Eigenwirksamkeit erkennen und Verantwortung für das eigene Tun übernehmen können.»

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