Regnet es am Samstagabend und muss, wenn dieser Fall einritt, das grösste Feuerwerk, das im Rahmen der Sonnwendfeier gezündet werden soll, abgesagt werden? Mit dieser Frage wird OK-Präsident Urs Rölli mehrmals täglich konfrontiert. «Ich gehe davon aus, dass es nicht so weit kommen wird, die Wetterprognosen werden jeden Tag etwas besser», gibt sich Rölli optimistisch. «Ideal wäre», so der OK-Präsident, «wenn der für Samstag vorausgesagte Regen am Morgen fallen und es danach aufklaren würde».

Feuerwerk noch nie abgesagt

Das wünschen sich die Präsidenten vom Ravellenclub Oensingen (RCO) und vom Vogelherdclub Oensingen (VHC). «Es müsste schon sehr stark regnen und stürmischer Wind herrschen, damit wir das Feuerwerk absagen müssten», sind sich Ruedi Zimmermann vom RCO und Hans Schnider von VHC einig. An Ungemach von der Wetterfront glaubt bei den sich rivalisierenden Feuerwerksvereinen ohnehin niemand. Schliesslich musste in der Geschichte der alle drei Jahre durchgeführten Sonnwendfeier noch nie ein Feuerwerk abgesagt werden. 

Der RCO-Präsident kann dem Regen sogar etwas Positives abgewinnen. Der Niederschlag würde die völlig ausgetrockneten Böden und das Gehölz etwas benetzen. Damit würde die Waldbrandgefahr eingedämmt. Auf der unter Naturschutz stehenden Ravelle, von wo aus am Samstagabend die Firma Bugano ihr Feuerwerk im Namen des RCO zünden wird, ist das besonders wichtig, wie Zimmermann erwähnt. Dort wachse die schweizweit selten vorkommende Grenobler Nelke. «Die Behörden haben verlangt, dass wir diese geschützte Pflanze auf geeignete Weise vor dem Feuerwerk schützen müssen. Machen wir natürlich», so der RCO-Präsident.

Sensible Flächen werden geschützt

Vorkehrungen sind auch nötig bei Liegenschaften, welche sich direkt unterhalb des Feuerwerks befinden. Dabei geht es primär um Bedachungen aus Plexiglas, Kunststoff, Solarzellen, Bassinabdeckungen oder spezielle Kulturen in Gärten, die von herunterfallenden Teilen der Feuerwerkskörper beschädigt werden könnten. Beim RCO geht es um fünf Objekte, die mit einer feuerfesten Folie geschützt werden müssen.

Zum Feuerwerk selbst und dessen Kosten will Ruedi Zimmermann keine Details verraten. «Wir werden wie der VHC fünf Bilder in den Himmel schiessen und natürlich beim Publikum den grösseren Erfolg haben», sagt der RCO-Präsident Blick mit auf die Rivalen im nahen Vogelherd. Angesprochen auf das Verhältnis zwischen den zwei Vereinen erklärt 67-Jährige, dass man sich heute gegenseitig achte und das einst verbissen ausgetragene Duell mittlerweile nur noch mit dem Feuerwerk am Himmel ausgetragen werde.

«Früher herrschten da ganz andere Sitten», erinnert sich Zimmermann. Eine Woche vor dem Feuerwerk habe sich kein Unterdörfler in ein Restaurant oberhalb des Hotels Chrüz (vormals Hotel Lindemann) gewagt und auch die Oberdörfler hätten in dieser Zeit die Beizen im Unterdorf gemieden. «Nachts schlichen besonders Mutige zu den Abschussrampen der Vereine und zerschnitten die Verkabelungen der Feuerwerkskörper. Wenn einer erwischt wurde, folgen schon mal die Fäuste.» Das sei heute Vergangenheit. «Wir verstehen uns gut», sagt Zimmermann.

Ein reines Schweizer Duell

Aller Harmonie zum Trotz kann sich der RCO-Präsident nicht vorstellen, dass der Vogelherdclub und der Ravellenclub dereinst fusionieren. Schon wegen des Wettstreits der beiden Vereine. Daran ändere auch die Tatsache nichts, dass der Ravellenclub an Mitgliedermangel leide. Den Verein zählt nur knapp 30 Mitglieder, gerade mal 10 davon sind für den RCO aktiv. «Es ist einfach schwer, junge Leute zu finden» meint Zimmermann dazu. Deshalb stünden für die Sonnwendfeier zehn vereinsexterne Helfer im Einsatz.

Ohne fremde Hilfe kommt der Vogelherdclub aus, wie Präsident Hans Schnider nicht ohne Stolz erwähnt. 68 Mitglieder gross ist der Verein, 35 davon sind seit Anfang Woche daran, im Vogelherd die Abschussrampen für die Raketen und die Feuerwerkskörper aufzubauen. Raketen und Bomben stammen dieses Jahr von der Firma Hamberger aus Spiez. «Damit kommt es am Gäuer Himmel zu einem reinen Schweizer Duell, das wir natürlich für uns entscheiden werden», meint Schnider mit einem Schmunzeln im Gesicht. Den Wechsel von der italienischen Firma Parente zu Hamberger habe nichts mit dem Gebotenen der Italiener zu tun. «Wir waren schon vor drei Jahren besser als der RCO, Hamberg ist ebenbürtig, hat aber eine andere Handschrift». Wie tief der VHC für das Feuerwerk in Tasche greifen muss, will auch Schnider nicht kommentieren. «Darüber reden wir nicht», sagt der 54-jährige.

800 Personen stehen im Einsatz

Gesprächiger ist OK-Mitglied Schnider, wenn es um den Aufwand geht, der in Oensingen betrieben wird, um den erwarteten Publikumsaufmarsch von rund 50 000 Personen vom kommenden Samstag bewältigen zu können. Im Einsatz stehen werden rund 800 Personen bestehend aus Ticket-Verkäufern, Securitas, Feuerwehr, Polizei, Sanität und Verkehrsdienst sowie den Leuten der 37 Verpflegungsstände auf dem Festgelände sowie anderen mehr. «Wir werden bereit sein und auch das Wetter wird mitmachen, da bin ich mir sicher», so Schnider.