Balsthal
Wenn Motive ihren Maler suchen

In der Galerie Rössli in Balsthal zeigt der Langenthaler Max Hari eine Auswahl seiner konzentriert-expressiven Bilder

Eva Buhrfeind
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Eva Buhrfeind

Die malerischen Sprachmittel sind wie immer unverwechselbar, auch wenn sich die formale Gestaltung in ihrer Geschichte und in der gestalterischen Reflexion zu wandeln scheinen. Es ist die Malerei, dieses lustvolle Malen, die gestisch energische, expressive, ja auch radikale Pinselführung, wenn es gilt, Farben zu schichten und zu verweben, die die spannungsvollen Kompositionen vorgeben.

Denn mit seiner unverkennbaren dramatischen Gestik vereint Max Hari eine konzentrierte und expressive, dabei gezielt choreografierte Wirkung mit einem erzählerischen Empfinden zu einem kraftvollen Einklang.

Harmonie und Chaos

Als «Kopfmalerei vom Bauchgefühl gesteuert» empfindet der in Thun geborene Langenthaler sein bewusstes Wahrnehmen des Malens, quasi als expressive Auseinandersetzung mit konzeptionellen Bildmöglichkeiten. Dabei, so scheint es, suchen die Motive durchaus ihren Maler, tauchen immer wieder in den Bildern auf.

So zum Beispiel als Archetypen in den kraftvollen und farbwuchtigen architektonischen Formationen im Kellergewölbe, in denen das Haus oder die Idee eines Haus als konstruktive Komposition die bildnerische Entwicklung vorgibt, wenn sich Farbbahnen, Pinselschwünge, Farbschichten zu tektonischen Gebäuden aufbauen, über das Thema Haus das Thema Malerei variieren.

Zwischen eindeutig und assoziativ gewähren diese Behausungen Durchblicke wie Einblicke, verschliessen sich, öffnen sich, spielen als Bild mit Harmonie und Chaos und bleiben dennoch in erster Linie Ausdruck einer experimentierfreudigen reinen Malerei: Malerisch ausufernd und zugleich kompositorisch konzipiert.

So wie er die Themen sucht und herausfordert, mit Farbe und gestisch energischer Pinselführung, so bleibt Hari in seinem persönlichen Ausdruck konstant: energisch in der Gestik, kraftvoll im labilen wie mutigen Gleichgewicht von Auflösung und Neuformulieren, die Acrylfarben klassisch mit dem Pinsel auf Leinwand geschichtet, geformt, geschichtet.

Seine Bilder sind stets auch malerisch umgesetzte Momente des subjektiv Wahrgenommenen, das sich nun zur objektiven Wirkung veräussert, Bildgeschichte wird für die Betrachtenden.

Gleiches gilt auch für seine Zeichnungen; expressiver, unmittelbarer und direkter sind sie im schwarz-weissen Gefüge als Zitat einer künstlerische Notwendigkeit. Das Zeichnen müssen ist bei Max Hari wie das Malen wollen, bewusst und zugleich dramatisch in den Grundmustern.

Eloquent «formuliert»

Auch wenn die Motive, die bildnerischen Geschehen mit der Malerei kommen, manchmal sind sie schon vor dem malerischen Akt da, hat sich Max Hari doch immer wieder thematisch mit den Werken klassischer Künstler auseinandergesetzt, als malerische Variationen oder eben als Paraphrase, die er in Farbe und Form durchspielt und zu verschiedensten Ansichten und Momenten formt.

Die Bildidee für die Serie «Des Künstlers Gärtner» gab ein eher unvertrautes Porträt, das Paul Cézannes von seinem Gärtner gemalt hatte: «Le jardinier Vallier», weniger ein typischer Cézannes denn eine malerische Herausforderung.

Eloquent «formuliert» der gewesene Lehrer am Lehrerseminar Langenthal und an der Hochschule der Künste Bern im kleinformatigen Aquarell oder im grossformatigen Acryl diesen uns fremden Menschen zu einer neuen Bildbetrachtung, eben auch der Cézannes›. Die Farben wirkungsvoll, fügen sich die spontan wirkenden Pinselzüge zu Porträts menschlicher Haltungen.

Jeder Moment gewichtet sich, die Figur anders, der Hut, das anonym geformte Gesicht, im auflösenden Farbmosaik, aus der Farbe wachsend, sich figurativ präsentierend, als Licht-Schattenspiel oder Erinnerung. Aber letztendlich ist es reine Malerei, wie immer, und doch immer wieder neu herausgefordert.