Balsthal

Wenn Linien, Flächen, Farben und Formen ineinandergreifen: Solothurnerin zeigt neue Werke in der Galerie Rössli

Jahresausstellung der Solothurner Künstler: Raffaela Chiara (Bild 2018)

Jahresausstellung der Solothurner Künstler: Raffaela Chiara (Bild 2018)

Die in Solothurn aufgewachsene Künstlerin Raffaella Chiara stellt ihre neuen Arbeiten in der Galerie Rössli in Balsthal aus.

Die Zeichnung ist bei Raffaella Chiara eine feste Konstante, die seit vielen Jahren – Jahrzehnten fast – das künstlerische Wirken der 1966 geborenen und in Solothurn aufgewachsenen Künstlerin charakterisiert und leitet. Dabei ist die Zeichnung mehr als nur eine Zeichnung. Es ist die unerschöpfliche, stets unverkennbare Möglichkeit, mit der Linie, dem Strich, mit den verschiedensten Materialien wie Farbstift, Bleistift, Acrylmarker, Fineliner, Acrylspray auf Papier, als Collage verdichtet oder auf Zweifarben-Tiefdruck das zeichnerische Moment einer Wirkung, einer Bildidee neu zu sichten, zu verwandeln und zu intensivieren.

Bildgeschehen und -gedanken sind es, die oftmals durch alltägliches Erleben und Wahrnehmen inspiriert sind, die sich zwischen einer Bestandsaufnahme assoziativer Figurationen und einer sich Interpretationen entziehenden Abstraktion zu räumlichen Variablen verschachteln. Dieser räumliche Kontext ist es denn auch, der ihre Kompositionen trägt, wenn das an sich fragile bildnerische System eine eigenwillige Komplexität erfährt.

Verschachtelte und doch vertraute Bildräume

Mit einer dichten Linienführung, mit frei oder mit Hilfsmitteln akkurat gesetzten Strichen, flächigen Gebilden, unfigürlichen oder vertraut wirkenden, teils schablonenartigen Objekten, oder collagenhaft übereinander gelagerten Blättern, dringt Raffaella Chiara in die Bildräume hinein. Sie verschachtelt diese zu verschiedenen Perspektiven und eröffnet zeichnerisch wandelbare Positionen, in denen vieles möglich ist und die ebenso vieles offenlassen.

Hin und wieder gibt sie mit einem Titel einen Hinweis und bestätigt damit eine Imagination. Die Vielzahl der Bewegungsabläufe und Liniengeflechte sind mehrdeutig, manchmal labyrinthartig, dann wieder erscheinen die Ansichten wie Fenster, Türen, Spiegel. Sie verdichtet zu kryptisch vagen Tiefen eines subjektiven Raumempfindens, die offen bleiben in der Interpretation.

Aber immer gilt: Linien, Flächen, Farben und Formen greifen ineinander, überlagern sich. Es formen sich Kulissen, die etwas, vielleicht nur eine zeichnerische Absicht, assoziative Geschichten dahinter imaginieren oder einfach nur frei komponierte Reflexionen sind.

Sanft in eine malerische Atmosphäre gleiten

Insbesondere im zweiten Raum in der Galerie dann reduziert Raffaella Chiara die multiple Komponente. Der Zweifarbendruck bietet mit den sanft fliessenden Farbverläufen eine malerische Atmosphäre. Die Vielschichtigkeit von Raum, Linie und Form reduziert sich, die perspektivische Ansicht wird ungewiss. Konkretes, Sichtbares wird nur noch vermutet. Und doch bleibt eine gewisse Spannung zwischen der zeichnerischen Absicht und einer durchaus erzählerischen Intention.

Die Arbeiten im dritten Raum vereinen einmal vier verschiedenen Arbeiten und eröffnen mit dem aus Papierbahnen geflochtenen und zeichnerisch erweiterten Teppich das künstlerische Erleben. Das im Fenster präsentierte «Taschenbuch» und «Zeichnungsbuch» offenbaren, dass sich das Zeichnerische der Künstlerin, sie lebt und arbeitet in Bern und Thun, auch literarisch lesen lässt. Sozusagen als «Postskriptum» ihrer Arbeiten auf Papier, dem Titel dieser Ausstellung, als Nachsatz zum bildnerischen Schaffen.

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