Das Geschlecht ...
… sei offenbar das einzige relevante Kriterium, das bei den Ersatzwahlen für die beiden zurücktretenden Bundesratsmitglieder Doris Leuthard und Johann Schneider-Ammann gelte, ereiferte sich das Gäutier, das lauthals polterte: «Das Geschlecht als Leistungsausweis – lächerlich!» Es gehe nicht primär ums Geschlecht, aber derzeit gebe es nun einfach geeignetere weibliche als männliche Kandidaturen, versuchte sich das Mieschfraueli als Verfechterin einer Frauenverstärkung in der Landesregierung zu verteidigen.

Und schliesslich gehe es auch um ein Stück Gleichberechtigung: «Mann und Frau sollen in Entscheidgremien mehr oder weniger gleich vertreten sein.» Es liege in der Natur der Sache, dass man nicht überall für Gleichberechtigung sorgen könne, konterte das Gäutier. «Oder wie willst du beispielsweise das Gefälle bei der Lebenserwartung zwischen Frauen mit durchschnittlich 85,4 Jahren und Männern mit lediglich 81,4 Jahren beseitigen?», fragte das Gäutier das Mieschfraueli mit zynischem Unterton.

«Männer sollten sich mehr am gesünderen Leben der Frauen orientieren – und mehr aufreibende Jobs in Politik und Wirtschaft den Frauen übertragen», gab das Mieschfraueli schlagfertig zurück. «Männer sollten sich mehr wie Frauen geben – wie der Aargauer Linksaussen Cédric Wermuth», höhnte das Gäutier. Dieser habe in der parteiinternen Ausmarchung um die Ständeratskandidatur seine Partei- und Nationalratskollegin Yvonne Feri rücksichtslos gebodigt, indem er unter anderem festgestellt habe, er könne feministische Anliegen besser vertreten als seine Kontrahentin. «Das ist natürlich völliger Blödsinn», ereiferte sich das Mieschfraueli, «ein Mann kann nie eine Frau ersetzen, das weiss auch die Aargauer SP.» – «Deshalb hat sie ‹Frau Wermuth› nominiert», spottete das Gäutier hämisch grinsend.

Wie in einem …
… von Frauen regierten MaFIALAland gehe es auch bei der FDP zu und her, fuhr das Gäutier fort. So fordere die FDP-Frauenpräsidentin Doris Fiala ein reines Frauenticket. Doch weil neben der gesetzten Karin Keller-Sutter, die über die Parteigrenzen hinweg als Kronfavoritin gelte, winkten alle andern FDP-Frauen ab, auch die kecke Parteipräsidentin Petra Gössi. Fiala könnte sich deshalb auf dem FDP-Ticket neben Karin Keller-Suter auch einen schwulen Mann vorstellen: den Zürcher Nationalrat Hans-Peter Portmann, der dem Vernehmen nach ein gewisses Interesse an einer Kandidatur zeige.

«Wenn schon nicht zwei Frauen, dann wenigstens anderthalb», schnödete das Gäutier. «Diese Aussage ist politisch nicht korrekt», protestierte das Mieschfraueli, das betonte: «Ein Mann bleibt ein Mann, unabhängig von seiner sexuellen Ausrichtung.» Fakt sei, so das Mieschfraueli weiter, dass infrage kommende FDP-Männer keine Chance gegen Karin Keller-Sutter sähen und nicht gegen eine Frau unterliegen möchten: «Derzeit sind nicht nur, aber besonders bei der FDP Frauen stärker als Männer.»

Anders ...
... sehe es bei der SP aus: «Bei den Roten versuchen Männer die Rolle von Frauen zu übernehmen», spottete das Gäutier. Das Mieschfraueli schüttelte den Kopf und meinte: «Das zweite Wahlticket für den Bundesrat muss nicht die SP, sondern die CVP einbringen.» – «Zum Glück», posaunte das Gäutier, «bei der CVP steht nämlich auch unser Ständerat Pirmin Bischof zur Diskussion – als echter Mann, der sich jederzeit der Konkurrenz einer Frau stellt.» – «Warten wir’s ab», bemerkte das Mieschfraueli stockzahnlächelnd. Und das Gäutier rieb sich die Hörner.

Hörner …
… schafften während geraumer Zeit im Bezirk Thal für Unmut, stellte das Mieschfraueli fest. Die Idee von CVP-Nationalrat Stefan Müller, gehörnte Wisente im Thal in freier Wildbahn anzusiedeln, stosse auf breiten Widerstand. «Ich kann mir auch nicht vorstellen, dass diese bulligen Bisons, die locker 600 Kilo schwer werden können, bei uns ausgewildert werden», knurrte das Gäutier.

Doch der gute Stefan Müller sei von dieser Idee wie besessen, konstatierte das Mieschfraueli. Er glaube wohl als selbst ernannter Überzeugungstäter an seine Kraft, die Gegner dereinst umstimmen zu können. Das Mieschfraueli fragte sich, wer eigentlich letztendlich über das umstrittene Projekt entscheiden werde. Gegenwärtig spreche man zwar offiziell nicht mehr von Auswilderung, sondern von einem touristischen und wissenschaftlichen Projekt in einem mit Elektrozaun gesicherten Riesengehege von einem Quadratkilometer Ausdehnung. Die Auswilderung sei wohl noch nicht vom Tisch, die Promotoren wählten jetzt nur einen anderen Weg, vermutete das Gäutier. Jetzt werde sogar die erste Phase des Projekts, die ein kleines Schaugehege vorgesehen habe, übersprungen und gleich Phase 2 mit dem Grossgehege von einem Quadratkilometer eingeläutet, schnaubte das Gäutier.

Diesem werde lediglich der «Giftzahn» gezogen: «Es wird von ‹Auswilderungsgehege› in ‹Wisent-Gehege› umgetauft.» Weil offiziell nicht mehr von Auswilderung die Rede sei, aber Stefan Müller & Co. immer noch damit liebäugelten, sei der Bewilligungsweg nicht so einfach, brummte das Gäutier. Deshalb spielten sich der Kanton und der Bund den Ball gegenseitig zu. «Ich habe den Eindruck, dass man überall dagegen ist, aber niemand Nein sagen will», mutmasste das Mieschfraueli.

In Olten …
… bräuchte man auch einen von sich überzeugten Überzeugungstäter, der sich für eine Notunterkunft für Obdachlose während der kalten Wintermonate einsetzen würde, grübelte das Gäutier. Denn jedes Jahr sei zu hören, es gebe wegen fehlendem Unterkunftsraum keine Lösung. «Jetzt will man wenigstens in Zusammenarbeit mit der Fachhochschule abklären, wie gross das Bedürfnis ist», sinnierte das Mieschfraueli. «Statt Geld für eine Studie auszugeben, würde man gescheiter direkt mit einem ‹Feldversuch› mit Containern in Erfahrung bringen, ob für Notschlafstellen in Olten ein Bedürfnis besteht», gnatzte