Mümliswil

Wenn ein Baumriese fällt, zittert der Boden

Erst als die mächtige Buche am Boden lag, durfte man wieder nähertreten.

Erst als die mächtige Buche am Boden lag, durfte man wieder nähertreten.

«Forst Thal» lud nach Mümliswil zu einem informativen Waldgang mit Demonstration ein. An einem Posten wurde eine mächtige Buche gefällt.

«Läck, do het jo grad dr Bode zittert!», brachte es ein Mädchen auf den Punkt, als beim Posten «Wir fällen einen Baum» die mächtige Buche mit Getöse zu Boden stürzte. Hier trafen die beiden Gruppen, welche unter der Führung von Kreisförster Urs Allemann und Kilian Bader, Förster und Betriebsleiter, den Waldgang auf zwei entgegengesetzten Routen absolvierten, wieder zusammen.

Nachdem Kilian Bader die Holzfäller-Crew vorgestellt, die Technik, das Material und die Sicherheitsbestimmungen für das Baumfällen erklärt hatte, hiess es: «Zurücktreten bitte!» und Markus Hafner fällte zusammen mit seinen Gehilfen den Baumriesen fachgerecht und zielgenau. Die beeindruckende Demonstration wurde dabei mit Applaus quittiert.

Es braucht selektive Eingriffe

Begonnen hatte der Waldgang, zu dem der Zweckverband «Forst Thal» (Balsthal, Mümliswil-Ramiswil) eingeladen hatte, beim Landwirtschaftsbetrieb von Hans und Silvia Kamber im Reckenkien. Nach den Begrüssungen durch Paul Bader, Vizepräsident Forst Thal, und Kilian Bader orientierte Kurt Bloch, Gemeindepräsident von Mümliswil-Ramiswil, über die Vernetzungsprojekte im Thal (siehe Kontext). Die thematischen Schwerpunkte des anschliessenden Rundgangs waren Forstwirtschaft, Landwirtschaft, Landschafts- und Naturschutz.

Die Route führte über die Stockrütti, Grotte Ramiswil, Schafrain zurück ins Reckenkien. Georg Koch, Mitarbeiter beim Mehrjahresprogramm Natur- und Landschaft (MJP/N+L), stellte in der Stockrütti ein Musterbeispiel einer selektiv gepflegten Hecke vor. Er hob den ökologischen, landschaftlichen und wirtschaftlichen Nutzen dieses Lebensraumes vor. Wichtig für eine wertvolle Hecke sei auch, dass ihre unmittelbare Umgebung «stimmt», betonte Koch.

Wilde Deponien absolutes No-Go

Beim Posten «Invasive Neophyten» rief Kilian Bader die Teilnehmer auf, keine Neuanpflanzungen mit problematischen Pflanzen wie etwa den Kirschlorbeer oder die Kanadische Goldrute vorzunehmen. Er verurteilte auch das wilde Deponieren von Gartenabfällen im Wald und an Wegrändern.

Weiter wurde von Bader aufgezeigt, wie ein Waldrand aussehen sollte und welche Eingriffe dazu nötig sind. «Waldränder brauchen Strukturen und sind wichtige Lebensräume für Pflanzen und Tiere», so Bader. Von strukturierten Waldrändern würden Forst- und Landwirtschaft, aber auch die Jagd profitieren.

Bei der Grotte informierte Urs Allemann über Haftungsfragen im Wald. Die Waldbesitzer würden nicht haften bei höherer Gewalt, man hafte aber bei «Werken» wie etwa einer Strasse, von Gebäuden oder wie zum Beispiel die naheliegende Grotte. Im Schutzwald können die Besitzer gezwungen werden, etwas zu machen. Im Kanton gebe es rund 3800 ha Schutzwald, etwa 10 Prozent davon gibt es in Mümliswil–Ramiswil. Bei einem Schutzwaldprojekt übernehme der Kanton 80 Prozent, der Nutzniesser 20 Prozent des Mehraufwandes.

Urs Allemann und Benjamin Neyerlin demonstrierten und erläuterten in der Gässlistuden, wie heute bei der Jungwaldpflege vorgegangen wird. Auch hier seien die Eingriffe viel selektiver als früher, sagte der Kreisförster. Der Präsident der Bürgergemeinde Mümliswil-Ramiswil Daniel Nussbaumer dankte beim offerierten Zvieri , welches in der Scheune von Kambers stattfand, den Organisatoren und freute sich, dass auch viele Kinder am Waldgang teilgenommen hätten.

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