Balsthal/Oensingen

Wenn drei Generationen miteinander Schule machen

Lehrer, Schüler, Senior gemeinsam im Unterricht – so wie es bereits vielerorts erfolgreich läuft, soll es auch in Balsthal und Oensingen sein.

Lehrer, Schüler, Senior gemeinsam im Unterricht – so wie es bereits vielerorts erfolgreich läuft, soll es auch in Balsthal und Oensingen sein.

Ab dem neuen Schuljahr sollen an den Schulen von Balsthal und Oensingen nebst Schülern und Lehrern auch Senioren im Klassenzimmer anwesend sein.

Donnerstagnachmittag, textiles Werken. Heute sollen die Primarschüler in die Kunst des Häkelns eingeführt werden. Erklärt ist die Sache rasch, die Schüler wollen endlich selbst Hand anlegen. Doch wie geht das nun schon wieder genau mit diesen Maschen? Wie halte ich Faden und Nadel in der Hand? Bis die Werklehrerin den Fragen jedes einzelnen Schülers gerecht werden kann, vergeht Zeit. Viel Zeit. Und warten tut schliesslich niemand gerne.

Ausweg bietet das Projekt «Seniorenhilfe Schule»: Senioren und Seniorinnen unterstützen Lehrer im Unterricht und stehen den Schülern mit Rat und Tat zur Seite. Ehrenamtlich und meist während eines Halbtages pro Woche. Ob Handarbeiten, Geschichten erzählen, Rechnen, Lesen oder Schreiben – Unterstützung ist immer gefragt. Von dieser Hilfe profitieren wollen bald auch die Schulen und Kindergärten von Balsthal und Oensingen.

100 Senioren im Einsatz

Ins Leben gerufen wurde das Projekt 2007 von den Grauen Panthern Solothurn und Pro Senectute. Im Kanton Solothurn waren es als Erstes die Schulen der Stadt Solothurn, die sich an das Projekt heranwagten. Seither sind 28 Gemeinden und rund 100 Senioren mit von der Partie. Pädagogische Fachkenntnisse werden von den Senioren nicht erwartet. Trotzdem gibt es einige Richtlinien, die gemäss Julia Linder von Pro Senectute, welche die Seniorenhilfe im Klassenzimmer koordiniert, zu beachten sind: «Die Akzeptanz der Lehrperson als entscheidende Instanz, Diskretion und natürlich die Freude an der Arbeit mit Kindern.» Interessierte Senioren sollten über 60 Jahre alt sein (wenn auch Ausnahmen gemacht werden) und entsprechende gesundheitliche und geistige Fitness vorweisen können.

Schüler, Lehrer, Senior – drei Generationen, vereint in einem Klassenzimmer. Im Vordergrund steht deshalb auch die Förderung der Beziehungen zwischen den Generationen. Linder sagt dazu: «Der Fokus liegt auf dem gegenseitigen Verständnis. Und dies kann auch nachhaltige Wirkungen über das Klassenzimmer und die Schulzeit hinaus haben.» Nach acht Jahren zeigt sich Linder sehr zufrieden mit dem Projekt. Im Moment stehe zur Diskussion, ob dieses auch auf Tagesstätten ausgeweitet werden soll.

Bereicherung für alle

Die Schulen von Thal und Gäu sind im Vergleich zu den anderen Solothurner Gemeinden eher spät dran. Dies soll sich nun ändern. Denn von diesem Projekt angetan war auch der Schulleiter der Primarschule und des Kindergartens Balsthal, Kuno Flury: «Hier kann es nur Gewinner geben.» So sei es für alle Beteiligten eine Bereicherung, wenn Senioren mit ihrer Lebenserfahrung eine neue Dynamik in den Unterricht bringen würden. Und besonders für anstehende Exkursionen sei eine weitere Begleitperson von Vorteil. In Balsthal sollen Senioren vorwiegend im Kindergarten wie auch von der ersten bis zu vierten Klasse zum Einsatz kommen.

Mit dem Projekt starten will man ab dem kommenden Schuljahr. Dafür gemeldet hätten sich bereits zehn Senioren. Gemäss Julia Linder eine stolze Anzahl. Das Erstgespräch mit Interessierten läuft über Pro Senectute via Linder, die weitere Zusammenarbeit dann über die Schulen. Nach den Frühlingsferien hätten interessierte Senioren die Möglichkeit, während einzelner Tage in den Klassen schnuppern zu können, um herauszufinden «ob die Chemie stimmt».

Suche in Oensingen läuft

Auch die Primarschule Oensingen will ihre Klassenzimmer mit dem Wissen und der Unterstützung von Senioren bereichern. So weit wie in Balsthal ist man aber noch nicht. «Wir stecken noch mitten in der Planungsphase, doch wir sind sehr angetan von der Idee», so Co-Schulleiterin Maja Wyss. Ein einjähriges Pilotprojekt, welches nächsten Sommer startet, soll Aufschluss geben, wie sich die Idee bewährt.

Lehrerin Barbara Garley, Leiterin des Pilotprojekts in Oensingen, zeigt sich zuversichtlich. Die Suche nach Seniorinnen und Senioren ist unterdessen gestartet worden. Die Seniorenhilfe soll Schüler von der ersten bis zur sechsten Klasse zugutekommen und wenn alles wie geplant verläuft, soll diese nach einem Jahr auch auf den Kindergarten ausgeweitet werden.

Mögliche Schwierigkeiten sieht Garley höchstens in der Zusammenarbeit zwischen den Erwachsenen, wenn unterschiedliche Vorstellungen zusammentreffen würden. Doch an den Kindern werde es mit Sicherheit nicht liegen: «Viele Schüler in Oensingen haben Grosseltern, die weiter weg oder sogar in einem anderem Land leben. Und da ist es natürlich sehr schön, eine Beziehung zu älteren Menschen aufbauen zu können, die in der Nähe sind.»

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