Die Schweizer U21-Nati holte sich auf dem Fussballplatz Aesch in Härkingen den letzten Schliff für das EM-Qualifikationsspiel am Abend gegen Kasachstan. Ein knapp dreissigminütiges Footing hatten Trainer Heinz Moser und Assistent Mauro Lustrinelli ihren Spielern verordnet. Wieso gerade auf dem Sportplatz Aesch? Die U21-Nati, die ihre Heimspiele in der Tissot Arena in Biel austrägt, übernachtete in den vergangenen Tagen im Mövenpick Hotel in Egerkingen.

Alle regulären Trainingseinheiten fanden im Stadion in Biel statt, für das lockere Footing knapp neun Stunden vor dem Qualifikationsspiel gegen die Kasachen war aber ein Fussballplatz in der näheren Umgebung des Hotels besser geeignet.

Da kam Franz Pfluger ins Spiel. Der mit dem FC Härkingen eng verbundene Neuendörfer ist beim Fussballverband seit 1991 als Betreuer tätig. Vorwiegend bei den Nachwuchsteams, wenn Hilfe gebraucht wird, betreut er aber auch die A-Nati. So begleitete er diese vor zwei Jahren an die Weltmeisterschaft nach Brasilien.

Minutiöser Zeitplan

Um 10.25 Uhr fuhr der Car mit der U21-Auswahl auf dem Aesch vor. Im Begleitfahrzeug Franz Pfluger, der nach der Ankunft sofort die Trinkflaschen für seine Jungs füllt. Die Spieler tragen beim Verlassen des Cars bereits ihr Trainingstenue. Noch kurz die Fussballschuhe schnüren, und schon begeistern die Schweizer Nachwuchshoffnungen die Fans mit ihren Jonglier-Künsten.

Vier Schulklassen aus Härkingen, das halbe Fanionteam des FC Härkingen sowie rund zwei Dutzend weitere Zaungäste haben sich auf dem Aesch eingefunden. «Das ist das erste Mal, dass wir so viele Zuschauer haben bei einem Aufwärmtraining», strahlt Pfluger, nachdem er die Spieler mit Wasser versorgt hat. «Das ist typisch Härkingen.» Im Gegensatz zu den Spielern verbringt er eher gemütliche dreissig Minuten. Pfluger hat jedenfalls genug Zeit für einen Schwatz mit den vielen alten Bekannten.

U21-Nationalmannschaft trainiert in Härkingen

U21-Nationalmannschaft trainiert in Härkingen

«Das Footing dient dazu, dass die Spieler Muskelspannung aufbauen», klärt er auf. «Die Einheit darf aber nicht zu lange dauern, schliesslich steht am Abend noch das Spiel an.» Er werde dann nach dem Training wieder voll zum Einsatz kommen, wenn es darum gehe, die Spieler noch einmal ein bisschen zu pflegen und ihre Muskeln zu lockern, wie er sagt. «Am Nachmittag ist vor allem Erholung angesagt», so Pfluger. Die Spieler legen sich noch einmal schlafen, heisst das im Konkreten. Und zwei Essen stehen auch noch auf dem Programm: «Nach dem Training gibts zuerst nur etwas Kleines, die Hauptmahlzeit bekommen die Spieler exakt vier Stunden vor dem Spiel.»

Unter den Spielern ist mittlerweile grosses Gelächter ausgebrochen, weil einer beim 8-gegen-2-Spiel einen Tunnel kassiert hat. Die gute Stimmung im Team freut auch Franz Pfluger. «Die Spieler halten mich jung», lacht er. «Wir verwöhnen sie zwar, doch generell ist es ein Geben und Nehmen. Die Spieler fragen mich oft um Rat, das finde ich sehr schön.»

Pfluger ist Betreuer, Materialwart und Masseur des Teams. Zeit, die Spiele des Teams mitzuverfolgen, hat er nicht. Er hält sich während der Partien jeweils in den Katakomben auf, um alles vorzubereiten für die Spieler. Früher sei er noch nervös gewesen. «Mittlerweile bin ich viel gelassener. Ich konzentriere mich auf meine Aufgaben, währenddem die Spieler ihre Leistung draussen auf dem Feld abrufen.»

Insgesamt zehn Tage ist die U21-Nationalmannschaft zusammen, ehe es für die Spieler zurück in den Meisterschafts-Alltag geht. Morgen Sonntag reist die Truppe nach Sarajevo – am Dienstag trifft die Schweiz im zweitletzten EM-Qualifikationsspiel auf Bosnien-Herzegowina. «Wir müssen in den zwei Spielen gegen Kasachstan und Bosnien sicher sechs Punkte holen, sonst ist der Gruppensieg definitiv weg und auch für den Barrage-Platz könnte es sonst noch eng werden», weiss Pfluger.

Baldiges Wiedersehen dem Aesch?

Plötzlich wurde es dann doch noch hektisch für Franz Pfluger. Um 10:57 Uhr beendete Trainer Heinz Moser die Trainingseinheit. Für Pfluger bedeutete dies, dass er alles Material wieder im Car verstauen, die Trinkflaschen leeren und generell wieder klar Schiff machen musste auf dem Aesch. Er hätte sich indes auch noch etwas mehr Zeit nehmen können, denn die Spieler verteilten nach getaner Arbeit noch fleissig Autogramme und liessen sich mit ihren Fans fotografieren.

So war das kurze Training am Ende für alle Beteiligten eine gelungene Sache: für die Zuschauer, den Trainer-Staff, für die Betreuer um Franz Pfluger sowieso, aber auch für die Spieler. Noch nicht alle U21-Junioren seien sich einen solchen Aufmarsch bei einem Training gewohnt, so Pfluger: «Die Spieler hatten wirklich sehr viel Spass in Härkingen und genossen es, mal nicht vor leeren Rängen zu kicken. Die Trainer waren mit der Infrastruktur auf dem Aesch ebenfalls sehr zufrieden.»

Pfluger liess zudem durchblicken, dass es gut möglich sei, dass es nicht bei einer einmaligen Übungseinheit in Härkingen bleibe, sondern die Nachwuchs-Nati in den nächsten Jahren des Öfteren im Gäu anzutreffen sein werde.